Weiter schwaches Wachstum
Deutsche Industrie produzierte mehr als erwartet

Die deutsche Industrie hat im Juni unter anderem wegen der Mai-Streiks in der Metallindustrie etwas mehr produziert als von Analysten erwartet.

Reuters FRANKFURT. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums vom Donnerstag stellte das Produzierende Gewerbe im Juni saisonbereinigt 1,7 Prozent mehr Güter her als im Vormonat. Grund für den Anstieg seien jedoch vor allem erhebliche Produktionsausfälle im Mai, als Streiks sowie viele Brückentage für die Arbeitnehmer die Produktion um 1,6 Prozent gedrückt hatten. Von Reuters befragte Volkswirte hatten für Juni mit einem etwas geringeren Produktionswachstum von 1,6 Prozent gerechnet. Zudem kündigte das Ministerium an, dass die Juni-Daten wahrscheinlich noch nach oben korrigiert werden.

Analysten führten den Anstieg auch auf die vermehrten Auftragseingänge seit vergangenen Herbst zurück. Da sich die Bestellungen aus dem Ausland mit der US-Konjunktur inzwischen wieder abschwächten, werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wohl nicht mehr richtig an Fahrt gewinnen.

Analysten erwarten weiter schwaches Wirtschaftswachstum

Analysten bewerteten den erwarteten Anstieg der Produktion zurückhaltend und sagten, der Konjunkturausblick verbessere sich dadurch nicht deutlich. Jörg Krämer von Invesco Asset Management sagte, der Industriesektor sei im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten kaum gewachsen. "Der Aufschwung ist also noch immer extrem schwach, sofern man überhaupt schon davon reden kann." Auch Volkswirt Stefan Mütze von der Helaba bewertete den Ausblick für die Industrie und damit die Gesamtwirtschaft zurückhaltend: "Da sich die Konjunktur in den USA und die Auftragseingänge aus dem Ausland abschwächen, wird es in diesem Jahr nicht mehr als 0,75 Prozent Wachstum geben." Harald Jörg von der Dresdner Bank gab sich nach dem Produktionsanstieg etwas optimistischer. "Wir können weiter auf eine Belebung im zweiten Halbjahr hoffen. Die Auftragslage ist gut trotz eines Rückgangs im Juni." In Westdeutschland legte die Erzeugung des Verarbeitenden Gewerbes im Juni um 1,8 Prozent zu nach einem Minus von 1,7 Prozent im Mai. Die Erzeugung in Ostdeutschland nahm 1,2 Prozent zu nach einem Minus von 0,9 Prozent im Mai.

Produktion legte in fast allen Bereichen zu

Deutschlandweit nahm die Produktion in allen Bereichen mit Ausnahme des Energiesektors zu. Besonders stark war mit 3,4 Prozent das Plus bei den Investitionsgütern. Beim Konsum habe mit 4,3 Prozent vor allem die Herstellung von Gebrauchsgütern angezogen. Im Bauhauptgewerbe lag der Zuwachs bei knapp zwei Prozent.

Im Vergleich zum Juni des Vorjahres ging das Produktionsniveau in Deutschland nach Reuters-Berechnungen mit 2,5 Prozent in geringerem Ausmaß zurück als erwartet. Volkswirte hatten einen Rückgang um 3,5 Prozent prognostiziert.

Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Mai/Juni zu März/April nahm die Industrieproduktion um 0,9 Prozent ab.

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