Weiter sinkende Kurse
Experten erwarten keine baldige Dax-Erholung

Ein baldiges Ende der Talfahrt an den deutschen Aktienmärkten ist nach Einschätzung von Chartanalysten derzeit nicht in Sicht. Nachdem der Dax am Donnerstag erstmals seit gut zwei Jahren die psychologisch wichtige Marke von 5 000 Punkten unterschritten hatte, rechnen befragte Experten mit einem weiteren Abrutschen des wichtigsten deutschen Börsenbarometers.

Reuters FRANKFURT. Das Abwärtspotenzial reicht den Analysten zufolge kurzfristig bis 4 500 Punkte. Mittelfristig sei allerdings eine Erholung möglich. Am Neuen Markt, der am Donnerstag ebenfalls neue Tiefstände markierte, könnte im Herbst eine Umkehr einsetzen. Mit den Einbrüchen an den Märkten hatten die meisten Charttechniker vor einem Jahr nicht gerechnet.

Börsianer führten das Abrutschen des Dax unter die 5 000er Marke auf den anhaltenden Fluss negativen Firmennachrichten besonders aus dem Technologiesektor und auf die Furcht vor einer weiteren Abkühlung der weltweiten Konjunktur zurück. Seit März 2000 - als das Kursbarometer bei mehr als 8 136 Punkten sein Allzeithoch markierte - hat der Index mehr als ein Drittel verloren.

Dax fiel um mehr als 20 %

Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres fiel der Dax um mehr als 20 %, was einer Aufzehrung der Börsenwerte der 30 in dem Barometer gewichteten Firmen von rund 190 Mrd. ? entspricht - dies ist mehr als Dreiviertel des für das Gesamtjahr 2002 beschlossenen Bundeshaushaltes. Eine derart deutliche und anhaltende Abwärtsbewegung hätten die meisten Experten im vergangenen Jahr nicht erwartet. "Das ist ja auch fast unvergleichbar, dass der Dax über ein Jahr lang nur fällt", sagte Hypo-Vereinsbank-Analyst Wilhelm Schmid. "Denn zuletzt haben wir einen solchen Prozess Ende der 70er Jahre beobachtet."

"4 750 Punkte sind bei der derzeitigen Abwärtsdynamik relativ schnell erreicht", sagte Thomas Grüner, technischer Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Nach Unterschreiten der 5 000-Punkte-Marke eröffne sich jetzt weiteres Abwärtspotenzial. Mittelfristig kann es nach Ansicht Grüners im Herbst zwar zu kurzen Aufwärtsbewegungen kommen. Für eine langfristige Erholung des Dax seien aber gute Quartalszahlen großer Unternehmen in den kommenden sechs Monaten nötig, sagte er. "Wir hoffen, dass sich der Trend wendet. Grundsätzlich sehen wir den Dax nämlich positiv", sagte Grüner weiter.

Bodenbildung bei 4 800 Punkten wird erwartet

Bei 4 800 Punkten könnte der Dax nach Prognosen der Hypo-Vereinsbank zum Stehen kommen. "In der Marge zwischen 4 800 und 5 100 Punkten sehen wir den Dax im September stabil", sagte der technische Analyst Wilhelm Schmid. Unter 4 800 Zähler werde der Index aber nicht fallen. Besonders eine erkennbare Stabilisierung an den US-Märkten spreche dafür. Ab Oktober rechnet Schmid mit einer zumindest vorübergehenden Erholung, die den Dax auf bis zu 5 400 Punkte steigen lassen könnte. "Darüber hinaus wird es im Herbst erst einmal schwierig."

Ludwig Gutmann von der Bayerischen Landesbank erwartet ebenfalls ein weiteres Abrutschen der Kurse am deutschen Aktienmarkt. "Die tiefsten Kurse haben wir noch nicht gesehen", sagte der Analyst. Bis auf 4 500 Punkte oder gar darunter könne der Dax fallen. "Aber ich will mich da nicht genau festlegen", fügte Gutmann hinzu. In den kommenden Tagen könnte es aber zunächst im Wege einer technischen Erholung und bei freundlichen Vorgaben der US-Börsen zu steigenden Aktienkursen kommen. Dabei handele es sich aber lediglich um ein kurzes "Strohfeuer", das den weiterhin abzusehenden Abwärtstrend nicht stoppen könne.

Neuer Markt könnte im Herbst wieder zu einer Rally ansetzen

Auch am Neuen Markt könnte nach Einschätzung von Analysten gegen Jahresende wieder Leben in die Aktienkurse kommen. "Sowohl aus technischer als auch aus fundamentaler Sicht werden wir bis weit in den Herbst hinein eine Rally-Phase haben", sagte Michael Riesner, Technischer Analyst bei der DG Bank. Befragte Experten trauen dem Nemax 50, der seit einigen Tagen knapp unter der 1 000er Marke ein Rekordtief nach dem anderen bricht, einen Zuwachs auf bis zu 1 500 Punkte zu. Uneinig zeigten sie sich hingegen bei der langfristigen Entwicklung des Frankfurter Wachstumssegments. Während Analysten nur eine zwischenzeitliche Erholung sehen, gehen Fondsmanager von einer nachhaltigen Trendwende aus.

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