Weiter starke Kursschwankungen
Mutige Investoren lockt jetzt die Nasdaq

Technologie ist Trumpf - glaubten viele Anleger und landeten damit in den vergangenen Jahren tief in den roten Zahlen. Derzeit gibt die Analyse der Kursverläufe Anlass zu Optimismus. Charttechnisch gesehen bietet das Kursbarometer Nasdaq Composite der US-Technologiebörse im Vergleich zu Dax, Euro-Stoxx-50 und zum S&P-500 das beste Bild.

FRANKFURT/M. "Die Nasdaq ist analytisch der beste Markt weltweit", bringt es Chartexperte Wieland Staud auf den Punkt. Seiner Meinung nach liegt ein "ernst zu nehmender Widerstand", der einen Aufschwung bremsen würde, erst bei 1 720 Punkten - doch der dürfte geknackt werden; bis Ende 2003 seien dann sogar bis zu 2 050 Punkte möglich.

Chartexperte Michael Riesner von der DZ Bank, der bis Frühjahr 2004 beim Nasdaq Composite 2 000 Punkte für möglich hält, stellt allerdings klar: Der Index dürfte, ebenso wie Barometer der deutschen und der US-Standardwerte in der nächsten Zeit ein bestimmtes Schwankungsmuster nachvollziehen. In den Sommermonaten könnten die Indizes auf kurzfristige Jahreshöchststände schnellen, das dritte Quartal dürfte traditionell schwächer ausfallen. Danach könnten die Kurse bis ins nächste Frühjahr hinein wieder zulegen. Mit starken Kursschwankungen ist also weiterhin zu rechnen. Riesner: "Die Nasdaq bietet aktuell zwar die besten Gewinnchancen, aber Anleger brauchen weiterhin gute Nerven für dieses Segment." Und Warnung Nummer zwei lautet: Die Kurszuwächse seien fundamental - also mit der Ertrags- und Finanzlage der Firmen - teilweise nicht mehr zu erklären.

Charttechnisch gesehen kamen in letzter Zeit US-Titel im Vergleich zu Europa-Aktien gut weg. So überraschte der S&P-500-Index die Anleger kürzlich, als er die massive Widerstandszone zwischen 945 und 965 Punkten überwand und damit auch eine Bodenbildungsformation abschloss. Manche Experten, darunter Staud, sind deswegen optimistisch, dass das Börsenbarometer bis zum Jahresende sogar 1 100 Punkte erreichen könnte. Andererseits ist zu bedenken, dass sich der Index schon sei März in einer Aufwärtsbewegung befindet, und dass in der letzten Woche die Umsätze bei steigenden Kursen gefallen sind - ein schlechtes Zeichen. Riesner hält den S&P-500 mittlerweile für überkauft, erwartet eine ähnliche zyklische Entwicklung wie beim Nasdaq Composite - und ab dem Frühjahr nächsten Jahre eine Rückkehr zur Baisse.

Für Investoren, die etwa mit Indexzertifikaten auf Kursbarometer setzen wollen, rückt daher wieder der Deutsche Aktienindex (Dax) stärker ins Visier. Der charttechnische Aufwärtstrend seit März ist beim Dax ist noch intakt. Staud dazu: "Der Markt ist gesund." Doch andere Experten meinen, kurzfristig sei der Markt überhitzt; dazu zählen neben Riesner auch Uwe Wagner, Chartexperte im Eigenhandel der Deutschen Bank. Trotz Rückschlagsmöglichkeiten hält Riesner jedoch im Sommer einen Anstieg auf 3 400 Punkte für möglich; im Herbst dürfte eine Abschwächung folgen. Anleger könnten die Rückschläge - bis zu 2 800 Punkte seien möglich - zum Einstieg in den Dax nutzen, rät Riesner. Denn anschließend dürfte es bergauf gehen. Wagner hält mittelfristig ein Kursziel von 3 450 Punkten für realistisch. Wichtig ist zudem: Nach unten ist der Dax gut abgesichert, etwa durch die gleitende-200-Tage-Durchschnittslinie bei etwa 2 940 Punkten. Experten wittern überhaupt erst nachhaltigere Kursverluste, wenn der Index durch die Widerstandszone zwischen 3 020 und 2 980 Punkten fällt.

Auch beim Euro-Stoxx-50 besteht nach Meinung von Experten kein Grund zur Sorge, so lange der Index über der kürzlich überwundenen Marke von 2 400 Punkten bleibt, wie Charttechniker Lutz Mathes betont. Aus technischer Sicht habe der Index nun weiteres Potenzial, sagt Mathes, liege die nächste wichtige Chartmarke doch erst bei 2 700 Punkten. Diese leitet sich aus den Hochpunkten im November und Dezember 2002 ab.

"Doch einige Indikatoren zeigen jetzt eine überkaufte Situation", warnt Mathes, und auch Wagner weist auf eine "leichte Überhitzung" hin. Dennoch: Mittelfristig sind laut Wagner 2 550 Punkte im Euro-Stoxx-50 möglich. Mathes betont, "gravierende Kursrückgänge" seien nicht zu befürchten. Sicherheitshalber sollten Investoren an den genannten wichtigen Chartmarken für die jeweiligen Indizes Stop-Marken einziehen.

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