Weitere 2000 Stellen werden gestrichen
Siemens verschärft den Sparkurs

Die weltweite Flaute in der Telekommunikation hat Siemens kalt erwischt. Jetzt will der Konzern wie schon die Konkurrenz mit einem noch schärferen Sparkurs gegensteuern: Über 8000 Stellen werden insgesamt gestrichen, damit sollen rund 1,4 Milliarden Euro jährlich eingespart werden. Die Siemens-Aktie legte gestern leicht zu.

MÜNCHEN. Der Siemens-Konzern hat die Krise an den weltweiten High-Tech-Märkten, insbesondere in der Telekommunikation, offensichtlich unterschätzt. Nur zwei Wochen, nachdem die ersten Sparpläne präsentiert worden waren, musste der Konzern gestern nachlegen und weitere einschneidende Maßnahmen präsentieren. Der Sparkurs im Geschäftsfeld "Information and Communications (I&C)" - hier ist vor allem das Mobilfunk- und das Netzwerkgeschäft gebündelt - wird drastisch verschärft.

Wie Siemens gestern auf einer Analystentagung in London mitteilte, werden weitere 2000 Arbeitsplätze quer über den gesamten Netzwerkbereich gestrichen. Erst vor zwei Wochen hatte Siemens-Chef Heinrich von Pierer den Abbau von 6100 Stellen angekündigt. Damit werden jetzt insgesamt mehr als 8000 Arbeitsplätze eingespart - das ist etwa jeder zehnte Job im Bereich I & C.

Auch Kündigungen nicht mehr ausgeschlossen

Auch Kündigungen will Siemens jetzt nicht mehr ausschließen. Im Bereich Mobilfunk sollen 600 Millionen Euro eingespart werden, im Bereich Netzwerke 800 Millionen Euro, teilte Siemens mit. Die Restrukturierung soll bis zu 450 Millionen Euro kosten.

Wichtige Wettbewerber von Siemens wie Ericsson, Cisco Systems oder Motorola hatten bereits vor einigen Wochen - und damit früher als Siemens - auf die Krise reagiert und einen deutlichen Stellenabbau angekündigt. Auch der Bauelemente-Konzern Epcos, ehemals eine Siemens-Tochter, baut angesichts der Handy-Krise massiv Beschäftigung ab. Während zuletzt mancher Wettbewerber schon die Aussichten pessimistisch einschätzte, verbreitete Siemens noch Zuversicht. So sagte von Pierer vor zwei Wochen, er erwarte weltweit einen Absatz von 400 bis 450 Millionen Handys. Jetzt meinte der zuständige Siemens-Vorstand Volker Jung, Siemens rechne nur noch mit 400 Millionen Stück.

Der Bereich I&C war noch im vergangenen Jahr der wichtigste Hoffnungsträger im Siemens-Konzern. Inzwischen ist das Geschäftsfeld zum Sorgenkind mutiert. Im vergangenen Geschäftsjahr 1999/2000 (30.9.) machte I&C rund 26 Milliarden Euro Umsatz. Der Bereich erwirtschaftete damit rund ein Drittel des Konzernerlöses und-gewinns. Mittlerweile hat sich das Bild gedreht: Im zweiten Quartal 2000/01 steuert I&C nur 10% zum Konzerngewinn bei - Tendenz fallend. Dafür laufen jedoch andere Siemens-Bereiche, etwa die Medizintechnik, die Verkehrstechnik oder die Energieerzeugung, überdurchschnittlich gut.

"Wir halten trotz der Marktschwäche an unseren mittelfristigen Zielmargen fest. Die Maßnahmen werden die Ertragskraft deutlich stärken", versprach Jung. Die I&C-Bereiche sollen in den nächsten drei Jahren eine Umsatzmarge von 8 bis 11% erreichen, derzeit liegt der Wert bei etwa 3 %.

Rudi Lamprecht, Chef der Mobilfunksparte, räumte zugleich ein, dass die Krise "zunächst noch" anhalten werde. Zudem sei jetzt auch der Ausbau der UMTS-Netze betroffen. Handys sollen künftig nur noch in Kamp-Lintfort sowie in Schanghai für den chinesischen Markt gefertigt werden. Das Werk Bocholt soll sich auf schnurlose Telefone konzentrieren, der Standort Leipzig auf schnurgebundene Telefone. Fondsmanager Ernst Konrad von Activest München begrüßte das Sparpaket. Die Maßnahmen machten deutlich, dass Siemens sich wenigstens um den Shareholder-Value bemühe und abspecken wolle. Konrad: "Ich glaube, die Netzwerkbranche wird eine schwierige Zeit in den nächsten Monaten haben."

Die Siemens-Aktie reagierte gestern mit einem leichten Plus. Siemens hatte jüngst die Prognose für das Gesamtjahr 2000/01 ausgesetzt.

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