Weitere Brauereien in Deutschland im Visier
Interbrew nutzt Beck’s als Flaggschiff

Der global tätige Bierriese Interbrew wird sich in Deutschland weiter ausbreiten. Nach dem Kauf von Beck & Co. und Diebels will er sich mit nochmaligen Brauereikäufen und einer engen Zusammenarbeit der erworbenen Marken die Basis für sein mittelfristiges Ziel schaffen, auch Marktführer im größten Bierland Europas zu werden.

BREMEN. Dieter Ammer hat die eindeutige Zusicherung des Interbrew-Konzerns, die Marke Beck?s als "Flaggschiff" für die weitere internationale Expansion einzusetzen. "Wir gehen damit fest davon aus, dass Interbrew Beck?s mit großer Kraft entwickeln wird", sagte der Chef der Brauerei Beck & Co., Bremen, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ammer verweist darauf, dass Beck?s als größte deutsche Biermarke im Ausland bereits starke Positionen in den USA und Großbritannien hat. In einer Reihe anderer Märkte, wo Interbrew eine führende Stellung hat, sieht Ammer auch für Beck?s deutliche Wachstumschancen. Als Konzern liegt Beck Kopf an Kopf mit der Warsteiner Gruppe auf Rang vier am heimischen Biermarkt.

"Auch in Deutschland hat Interbrew große Pläne", sagte Ammer. Nach seinem Verständnis - die eigentlichen Gespräche um die gemeinsame Strategie sollen im Februar beginnen - werde Interbrew weitere Brauereien kaufen. Das könnten große überregionale, aber auch regionale Unternehmen sein. Ammer: "Interbrew hat ein Interesse daran, in Deutschland eine kritische Masse zu erreichen." Geldmangel, der solchen Plänen, wie Branchenkonkurrenten immer wieder vermuten, entgegen stehen könnte, ist nach Ammers Kenntnis für Interbrew kein Thema. Der Konzern ist durch gezielte Zukäufe in den letzten Jahren zur weltweit zweitgrößten Biergruppe nach den US-Amerikanern Anheuser Busch aufgestiegen. Im Sommer hatten die Belgier neben Beck & Co. für 3,5 Mrd. DM auch die Privatbrauerei Diebels, den eindeutigen Marktführer beim Altbier, übernommen.

Bei erneuten Zukäufen könnte Beck?s bei den jeweiligen regionalen Markensortimenten als zusätzliches hochpreisiges und imagestarkes Spitzenbier verkauft werden. Mit Diebels kann sich der Beck-Chef ebenfalls eine enge Zusammenarbeit vorstellen. "Das würde Sinn machen, da ist viel Synergie drin. Diebels ist stark in ihrem Kernabsatzbereich in Nordrhein-Westfalen. Dort brauchen wir noch kräftige Unterstützung." Gleichzeitig könnte Beck & Co. in anderen Gebieten die Marke Diebels "mitnehmen". Bei Diebels, so ist aus dem Unternehmen zu hören, wird eine Zusammenarbeit ebenfalls begrüßt. Sowohl Beck?s als auch Diebels liegen als Einzelmarken knapp hinter den "Big ten" unter den deutschen Biermarken. Alles in allem sei davon auszugehen, dass Interbrew konsequent auf sein Ziel zusteuere, in Deutschland Marktführer zu werden.

Im Übrigen geht Ammer, der auch künftig an der Spitze von Beck bleiben möchte, nicht davon aus, dass mit dem Einstieg der Belgier und des niederländischen Heineken-Konzerns "nun der totale Bierkrieg ausbricht". Heineken hatte sich im vergangenen Jahr bei der Bayerischen Brau-Holding mit der Hauptmarke Paulaner eingekauft. "Ich sehe die Veränderungen nicht so radikal. Vorteilhaft ist, dass sich die Märkte endlich öffnen." Diese Auffassung vertritt im Übrigen auch Michael Hollmann, Chef der Brau und Brunnen AG, der drittgrößten Biergruppe in Deutschland nach Holsten und Binding. Frank Spitzhüttel, Vertriebs-Geschäftsführer von Marken-Marktführer Warsteiner, sieht ebenfalls den Beginn für eine lange fällige Restrukturierung und Marktbereinigung gekommen.

Die steht nach Ammers Worten schon deshalb an, weil Überkapazitäten von mehr als 30 % auf die Erträge drücken. Zudem nehme der Bierdurst der Deutschen weiter ab (siehe Grafik). In den letzten fünf Jahren sei der Absatz um jährlich 1 bis 2 % gesunken. In diesem Jahrzehnt sei keine wesentliche Änderung in Sicht. Allerdings seien auch künftig völlig unterschiedliche Firmenkonjunkturen wahrscheinlich. Der Trend zu hochpreisigen und zu niedrigpreisigen Bieren gehe stark zu Lasten der Konsumbiere im mittleren Segment. Zudem werde die Branche durch den jüngsten Trend zu Mixgetränken zusätzlich aufgemischt.

Beck selbst hat im Geschäftsjahr 2000/01 (30.6.) wegen einer im Alleingang durchgeführten Preiserhöhung Federn lassen müssen. Nach Ammers Worten verminderte sich der Bierabsatz, der zuvor bei 5,74 Mill. hl gelegen hatte, um rund 300 000 hl. Diese Absatzverluste entstanden fast ausschließlich im Inland, wo die Marke Beck?s auf gut 1,5 Mill. hl zurückfiel. Davon sind nur etwa 150 000 hl Fassbier, womit eingestandenermaßen ein Nachholbedarf vorhanden sei. Inzwischen seien die Marktanteile des Jahres 1999 wieder fast erreicht.

Die Schwäche der deutschen Brauereien im Ausland mit nicht einmal 10 % Exportanteil - wobei Beck?s und Holsten zu den Ausnahmen zählen - müsse durchaus nicht festgeschrieben sein, sagte Ammer. Es fehle die Bereitschaft, Märkte konsequent und langfristig aufzubauen, was allerdings im Alleingang durchaus 15 Jahre dauern könnte. Es sei auch möglich, dass sich einige große Brauer zusammen täten und gemeinsam das Auslandsgeschäft aufbauen bzw. mit ausländischen Brauereien kooperieren. Ammer: "Es lohnt sich, solche großen Schritte zu wagen, allerdings ist der Egoismus bisher wohl zu groß."

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