Weitere Details im größten Wirtschaftsbetrug der Nachkriegsgeschichte
Weiteres Geständnis im Flow-Tex-Prozess

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien "voll zutreffend", sagte Kleiser am Montag vor dem Mannheimer Landgericht. Nach seiner Darstellung war das betrügerische System mit nicht existierenden Bohrmaschinen bereits 1995/96 bei einer Finanzprüfung entdeckt worden. Auch weil er den Eindruck gehabt habe, das "Einverständnis" des leitenden Finanzbeamten zu besitzen, habe er weitergemacht, betonte Kleiser.

dpa MANNHEIM. Schmider, Kleiser und zwei anderen ehemaligen Flow-Tex-Managern wird der größte Wirtschaftsbetrug der deutschen Nachkriegszeit vorgeworfen. Sie sollen durch Scheingeschäfte mit Horizontalbohrmaschinen einen Schaden von knapp vier Mrd. DM angerichtet haben. Zudem wird ihnen vorgeworfen, sie hätten mit einer faulen Anleihe rund 780 Mill. DM ergaunern wollen.

Kleiser sei in seiner Aussage wie Schmider nicht über das hinausgegangen, was schon in vorangegangenen Vernehmungen bekannt geworden sei, sagte Staatsanwalt Reinhard Hoffmann in einer Prozess- Pause. Nach seinen Angaben wird gegen den leitenden Finanzbeamten der Prüfung von 1995/96 wegen Beihilfe zum Betrug ermittelt. Der Staatsanwalt sagte, er teile die Hoffnung der Verteidigung, der bis März terminierte Prozess könne auf Grund der Geständnisse vor Gericht eher zu Ende gehen als geplant. Dies hänge jedoch auch von den Aussagen der anderen Angeklagten ab und davon, wie viele Zeugen die Kammer hören wolle.

"Wir finanzierten Systeme, die es nicht gab"

In seiner mehr als dreistündigen Aussage schilderte Kleiser mit ruhiger Stimme, wie er etwa von 1990 an immer mehr Typenschilder gefälscht hatte, um den Geldgebern eine größere Zahl an Bohrsystemen vorzugaukeln als tatsächlich vorhanden. "Wir finanzierten Systeme, die es nicht gab", sagte Kleiser, der bei Flow-Tex für den technischen Bereich zuständig war. "Um das zu gewährleisten, produzierte ich diese Typenschilder und montierte sie." Die Schilder wurden dann bei Prüfungen an älteren, bereits vorhandenen Systemen angebracht. Zu seinem Motiv sagte Kleiser, er habe dabei bleiben wollen, um den entstandenen Schaden wieder gut zu machen, "zu heilen".

Die Aufträge zur Fälschung habe ihm Schmider erteilt, sagte Kleiser. Irgendwann habe er - wie Schmider auch - den Überblick über die Zahl der angeblich produzierten Bohrsysteme verloren. Er habe zudem Standortbestätigungen für die Bohrsysteme und Kontoauszüge gefälscht. Alljährlich habe er unrichtige Bilanzen unterschrieben. "All dies tat ich mit immer schlechterem Gewissen", sagte Kleiser. "Einerseits mit dem Wissen, dass ich Unrecht tat, andererseits wollte ich ja auch heilen."

Finanzprüfung deckte Scheinfinanzierung auf

Da das Geschäft mit den Horizontalbohrsystemen zu klein gewesen sei, habe man Tochterfirmen gegründet oder gekauft, die sich auf Service spezialisieren sollten. Sie sollten entwickelt und dann verkauft werden, um mit dem Geld die Leasingraten abzulösen, sagte Kleiser. Auch die Finanzierung dieser Gründungen und Käufe sei letztlich "über Scheinfinanzierung" vorgenommen worden. In dieser Situation habe es 1995/96 die Finanzprüfung gegeben. Dabei sei ein Unterschied bei den Ersatzteilverbrauchzahlen aufgefallen. Die Prüfer hätten sich immer besser im Firmengeflecht ausgekannt und "nicht nur die Diskrepanz", sondern auch das Engagement der Mitarbeiter und das "Potenzial" der neuen Technologie gesehen.

In vielen Gesprächen mit dem führenden Finanzbeamten sei die Stimmung dann gekippt und es habe sich die Ansicht durchgesetzt, dies alles dürfe nicht kaputtgehen. "Ich habe sehr offen über die Probleme der nicht existenten Maschinen mit dem Prüfer gesprochen", sagte Kleiser. Er habe dem Prüfer auch die Belastungen geschildert, die er beim Fälschen der Typenschilder empfunden habe. "Wir wussten beide, dass Maschinen fehlten, haben auch darüber gesprochen, aber nicht über die quantitativen Zahlen." Geld habe er dem Prüfer nicht gegeben.

Nach der Prüfung von 1995/96 habe man das Gefühl gehabt, "nochmal eine weitere Chance bekommen zu haben". Dazu habe auch der weltweite Boom der Telekommunikation beigetragen. Schließlich sei man auf die Idee gekommen, den Baden-Airpark zu entwickeln.

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