Weitere Effizienzsteigerung geplant
Banco Popular glänzt mit Gewinnsteigerung

Als erste der spanischen Großbanken legte gestern Banco Popular die Zahlen für die ersten drei Monate vor und überraschte mit einem besseren Ergebnis als erwartet. Santander und BBVA werden dagegen weiter von Lateinamerika belastet und geben kommende Woche wohl Gewinnsenkungen bekannt.

MADRID. Spaniens drittgrößte eigenständige Bank, der Banco Popular, präsentiert sich erneut als Wachstumswunder. In einem wirtschaftlich schwachen Umfeld, in dem viele europäische Kreditinstitute zumindest sinkende Gewinne bekannt geben müssen, überraschte Banco Popular den Markt vor allem dank einer florierenden Kreditvergabe und strikter Kostenkontrolle mit einem besseren Quartalsergebnis als erwartet. Der Nettogewinn in den ersten drei Monaten erhöhte sich im Vorjahresvergleich um 8,6 % auf 165,5 Mill. Euro. Analysten hatten mit knapp 8 % gerechnet. An der Börse in Madrid wurden die Zahlen indes nicht honoriert: Der Aktienkurs sank im Handelsverlauf zunächst um 1,4%. Analysten begründeten das mit dem hohen Preis, den der Wert erreicht hat.



Banco Popular erwirtschaftet seinen Gewinn vor allem auf dem Heimatmarkt und ist dabei so erfolgreich wie kaum ein anderer Mitstreiter. Die Zahl der Kunden konnte die Bank im Jahresvergleich um 8,9 % steigern. Die Aufwand-Ertrag-Relation gibt das Geldinstitut mit 34,1 % an (35,3 % im ersten Quartal 2002). Damit nimmt Banco Popular im europäischen Vergleich weiterhin einen Spitzenplatz in punkto Effizienz ein. Die beiden größten spanischen Banken, Santander Central Hispano (SCH) und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA), weisen geringere, aber ebenfalls respektable Werte um 50 % auf.

Das heimische Geschäft sorgt bei den spanischen Banken jeder Größe für Lichtblicke. Die spanische Wirtschaft wächst weiter überdurchschnittlich stark in der Euro-Zone, was vor allem die Kreditvergabe enorm begünstigt. Das Plus bei Hypothekenkrediten liegt noch immer im zweistelligen Bereich. Aus diesem Grund rücken besonders mittelgroße spanische Geldinstitute zunehmend ins Visier internationaler Interessenten. Den Markt beschäftigen Spekulationen um die Bank Zaragozano, an der das britische Finanzinstitut Barclays interessiert sein soll. Auch Fortis-Chef Herman Verwillst bekundete diese Woche das Interesse der belgisch-niederländischen Bank, das Engagement in Spanien auszuweiten: In einem Interview mit der Wirtschaftszeitung "Expansión" schloss er die Übernahme einer kleinen oder mittleren spanischen Bank nicht aus. Namen nannte er nicht.



Ein Schatten auf den Bilanzen spanischer Banken bleibt Lateinamerika. So werden die Quartalsergebnisse von SCH und BBVA nach Analystenmeinung erneut von der Wirtschaftskrise in der Region belastet sein. Beide Banken legen in der kommenden Woche Quartalszahlen vor. Vor allem die Abwertung der lateinamerikanischen Währungen hat SCH und BBVA in den ersten drei Monaten des Jahres zu schaffen gemacht. Dagegen profitiert Banco Popular derzeit davon, nicht in Lateinamerika vertreten zu sein.

Schätzungen von Marktbeobachtern zufolge wird bei SCH und BBVA der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 10 % sinken. WestLB Panmure geht bei BBVA gar von einem 30 %igen Minus beim Nettogewinn aus. Die größten Einbußen auf Grund von Währungsabwertungen erfolgten ab Juni 2002, darum ist der Unterschied zum ersten Quartal 2002 besonders gravierend. Doch immerhin behaupten sich die spanischen Großbanken auch weiterhin mit soliden Gewinnen.



Ein grundsätzlicher Strategiewechsel ist mit der weiter belastenden Situation in Lateinamerika nicht verbunden. BBVA-Präsident Francisco González äußerte erst in dieser Woche sein Vertrauen in die Region, in der er für die gesamte Europäische Union "enormes Potenzial" sieht. Auch nach Meinung von SCH-Präsident Emilio Botín hat sich die schwierige Lage in einigen Ländern Lateinamerikas aufgehellt. Analysten sagen eine Verbesserung der Geschäftszahlen im Jahresverlauf voraus. Auf eigene Prognosen haben die Banken verzichtet. Die kräftigen Kursverluste während 2002 haben sich in diesem Jahr zumindest nicht weiter fortgesetzt. Die Papiere beider Finanzinstitute stehen im Plus und haben nach Meinung von Analysten weiteren Spielraum nach oben.

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