Weitere Ehepaare wollen Genehmigung beantragen
Britin darf "Designer-Baby" zur Welt bringen

In Großbritannien wird eine heftige Debatte um "Designer-Babys" geführt. Ausgelöst worden ist sie durch ein Ehepaar aus Leeds, dessen dreijähriger Sohn an einer tödlichen Blutkrankheit leidet.

dpa LONDON. Um ihn zu retten, wollen Ärzte für die Mutter einen Embryo auswählen, der für eine Übertragung von Knochenmark geeignet ist. Durch künstliche Befruchtung und eine Gendiagnose soll die Mutter genau das "richtige" Kind zur Welt bringen, um ihrem todkranken Sohn helfen zu können. Kritiker werfen dem Ehepaar und den Ärzten vor, sie wollten ein Kind als "Ersatzteillager" missbrauchen.

Nachdem das Ehepaar aus Leeds die Erlaubnis für das umstrittene Verfahren bekommen hat, wollen nach einem Bericht der Sonntagszeitung "The Observer" sechs andere britische Paare eine Genehmigung beantragen. Alle haben schwer kranke Kinder, die nur durch die Geburt eines genetisch perfekt auf sie abgestimmten Geschwisterchens gerettet werden könnten.

Das Ehepaar aus Leeds, Raj und Shahana Hashmi, wandte sich am Sonntag an die Öffentlichkeit: "Wir spielen keineswegs Gott. Wir wollen nicht das Geschlecht, die Augenfarbe oder die Hautfarbe des Babys vorbestimmen. Wir versuchen nur, unseren Liebling zu retten." Mrs. Hashmi sagte der "Mail on Sunday": "Dieses Baby wird ein ganz besonderes Geschenk der Natur sein, kein Designerbaby." Sie könne nicht begreifen, wie ihnen jemand das Recht absprechen könne, ihr Kind zu retten.

Vertreter der Kirchen warnten davor, dass dies der Beginn einer Entwicklung sein könnte, an deren Ende Kinder ausschließlich deshalb zur Welt gebracht würden, um Transplantationsorgane für ihre älteren Geschwister zu erhalten. Doch die Kirchen sprachen sich auch nicht pauschal gegen das Verfahren aus. Richard Harris, der Bischof von Oxford, sagte: "In diesem Fall ist es sehr wichtig, dass das Kind um seiner selbst willen gewollt wird. Es wäre sehr traurig und schädlich, wenn das Kind in dem Bewusstsein aufwachsen würde, dass es nur deshalb auf die Welt gebracht wurde, um Blut für seinen Bruder zu liefern."

Der behandelnde Arzt Simon Fishel sagte dazu: "Ich habe in diesem Einzelfall keine Bedenken. Es gibt keinen Zweifel, dass jedes Kind, das aus diesem Verfahren entsteht, von der gesamten Familie sehr geliebt werden würde." Die britische Behörde für Befruchtung und Embryologie versicherte, mit der in diesem Fall erteilten Genehmigung sei keineswegs entschieden, dass Eltern künftig bei der künstlichen Befruchtung Embryos vernichten lassen könnten, falls diese nicht ihren Vorstellungen entsprächen: "Es handelt sich um einen Einzelfall, nicht um einen Präzedenzfall."

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