Weitere El-Kaida-Kämpfer festgenommen
US-Soldaten durchkämmen Höhle für Höhle

Wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen gestaltet sich die Fahndung nach Osama bin Laden. Pakistan hat unterdessen die Bewachung der Grenze verstärkt.

ap KANDAHAR/WASHINGTON. Auf der Suche nach dem Extremistenführer Osama bin Laden und seiner Gefolgsleute wird nun Höhle um Höhle in der Umgebung der ostafghanischen Bergfestung Tora Bora durchkämmt. Die Suche sei sehr Zeit raubend und gleiche der nach der Nadel im Heuhaufen, erklärte Pentagon-Sprecher Admiral John Stufflebeem. Stammeskrieger nahmen nach eigenen Angaben in der Nacht zum Dienstag fünf weitere El-Kaida-Kämpfer fest.

Ein Anführer der Stammeskrieger, Aman Chiari, äußerte Zweifel, dass sich Bin Laden noch in der Region aufhalte, falls er überhaupt dort gewesen sei. "Wenn Osama hier wäre, würden sie (die El-Kaida-Kämpfer) gegen uns kämpfen, das tun sie aber nicht. Vielleicht ist er irgendwo anders oder tot", sagte Chiari. Gefangene El-Kaida-Mitglieder haben dem US-Sender CNN zufolge berichtet, Bin Laden habe sich noch am Samstag in der Gegend von Tora Bora aufgehalten. Allerdings sind Informationen, die von Bin Ladens Anhängern stammen, mit einer großen Portion Skepsis zu behandeln.

Pakistan hat inzwischen die Bewachung seiner Grenzen verstärkt, um ein Durchsickern von El-Kaida-Mitglieder aus dem nahe gelegenen Gebiet um Tora Bora zu erschweren. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte am Montag auf dem Flug nach Brüssel, die Ostallianz habe nach seinem Wissen 30 oder 31 Gefangene in ihrer Gewalt. Ob es sich dabei um Anführer handele, sei nicht bekannt. Aus Pentagon-Kreisen verlautete, Dutzende Kämpfer seien in Pakistan inhaftiert. Sie könnten den US-Truppen momentan nicht überstellt werden, weil die Internierungslager am Flughafen von Kandahar und in Camp Rhino noch nicht fertig seien. Auch der Verbleib des gestürzten Taliban-Anführers, Mullah Mohammed Omar, ist unbekannt.

Taliban-Gegnern zufolge hat sich Omar mit 300 bis 400 Kämpfern in den Bergen bei Baghran im Süden Afghanistans verschanzt. "Amerika weiß, wo er steckt, aber wir müssen in der gleichen Gegend sein, um ihre Bomben zu leiten, damit keine zivilen Gegenden bombardiert werden", sagte Hadschi Gulalai, Geheimdienstchef des Gouverneurs von Kandahar. "Wir haben den Amerikanern noch kein grünes Licht für den Beginn des Bombardements gegeben." Zwei amerikanische Transportflugzeuge wurden in der Nacht zum Dienstag vom Boden aus mit Raketen beschossen, aber nicht getroffen, wie ein Sprecher der US-Marine mitteilte. Bei den Raketen könnte es sich um Stinger-Raketen gehandelt haben. Die USA hatten diese Raketen in den achtziger Jahren in großer Zahl den afghanischen Milizen zur Verfügung gestellt, die gegen die sowjetischen Invasionstruppen kämpften.

Der Chef der afghanischen Interimsregierung, Hamid Karsai, äußerte unterdessen die Hoffnung, dass die UN-Friedenstruppe für Afghanistan noch vor seinem Amtsantritt am Samstag in Kabul eintrifft. Er könne kein konkretes Datum nennen, sei aber zuversichtlich, sagte Karsai am Montagabend bei seiner Ankunft in Rom. Dort wollte er am Dienstag mit dem afghanischen Exkönig Mohammed Sahir Schah und dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi sprechen. Karsai und Sahir Schah gehören beide dem Volksstamm der Paschtunen an, der größten Bevölkerungsgruppe in Afghanistan. Karsai soll Afghanistan sechs Monate regieren und die Einberufung der großen Versammlung vorbereiten, die dann eine Verfassung ausarbeiten soll.

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