Weitere Expansion geplant
Bertelsmann rechnet mit mehr Gewinn

Der Medienkonzern Bertelsmann rechnet in diesem Jahr mit einem Gewinnanstieg und will zudem in Europa weiter expandieren.

Reuters FRANKFURT. "Wir gehen davon aus, dass wir das Ergebnis aus dem vergangenen Rekordjahr 2001 von 4,16 Milliarden Euro nach IAS 2002 wieder übertreffen werden", kündigte Vorstandschef Thomas Middelhoff in einem Interview mit der "Welt" (Freitagausgabe) an. In der Internet-Sparte solle 2003 die Gewinnschwelle erreicht werden. Der Konzern strebe zudem die vollständige Übernahme der Online-Musiktauschbörse Napster an. Zu einer möglichen Insolvenz der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe sagte Middelhoff, Bertelsmann sei nicht wegen eines Einstiegs ausländischer Medienkonzerne bei Kirch besorgt.

Seine Zuversicht für die Ergebnisentwicklung im laufenden Jahr begründete Middelhoff mit mehreren Faktoren: Die Musiksparte Bertelsmann Music Group (BMG) sei konsolidiert, der Buchverlag Random House habe die Ertragskraft nochmals gesteigert und die RTL-Fernsehgruppe trotze einem schwachen Werbemarkt. Auch die Verlagstochter Gruner+Jahr habe die Internet-Projekte, die nichts brächten, aufgegeben. "Alle Unternehmensbereiche von Bertelsmann haben in den vergangenen acht, neun Monaten konsequent ihre Kostenbasis reduziert."

Im Internet-Bereich sollen nach Middelhoffs Worten im kommenden Jahr die Verluste auf Null reduziert werden. "Alle Internet-Geschäfte, die wir gestartet haben und kein Geld bringen, sind eingestellt worden oder werden noch umstrukturiert. Die anderen Geschäfte müssen im Jahr 2003 die Gewinnschwelle erreichen." In allen Bertelsmann-Sparten werde eine Umsatzrendite von zehn Prozent im Durchschnitt angepeilt, sagte Middelhoff.

Bertelsmann sei zudem auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten auf dem europäischen Fernsehmarkt. "In England, Spanien und Frankreich wird es weitere Konsolidierungswellen geben, und da wird Bertelsmann über die RTL Group eine wichtige Rolle spielen", kündigte Middelhoff an. Bertelsmann ist mit rund 90 Prozent an der RTL Group beteiligt und hatte sich Mitte März gegen ein zunächst geplantes Kaufangebot für die restlichen im Streubesitz befindlichen Aktien entschieden. "Wir können mit dem verbleibenden Freefloat von rund neun Prozent sehr gut leben", sagte der Bertelsmann-Chef in dem "Welt"-Interview.

Bertelsmann wolle auch die Internet-Tauschbörse Napster voll übernehmen. "Wir wollen die Altgesellschafter herauskaufen", sagte Middelhoff. Bertelsmann habe bereits ein Angebot unterbreitet. Die Gesellschafter lägen aber darüber im Streit, wie sie die Gelder untereinander aufteilen sollten. Bertelsmann hatte Napster im vergangenen Jahr Kredite gewährt, um die Tauschbörse in einen kostenpflichtigen Abonnements-Service umzuwandeln, nachdem die Musikindustrie gerichtlich gegen die Gratis-Angebote von Napster vorgegangen war.

Einer möglichen Insolvenz der Kirch-Gruppe sieht Middelhoff gelassen entgegen. Sie würde sich auf Bertelsmann nach seinen Angaben nicht auswirken. Bertelsmann fürchte als Besitzer des Marktführers RTL in Deutschland auch nicht den Einstieg von Konkurrenten aus dem Ausland bei Kirch. "Wir haben keine Angst vor neuen Wettbewerbern. Allerdings würde wohl ein härterer Wind in der deutschen TV-Landschaft wehen", sagte der Bertelsmann-Chef weiter. Nach Angaben aus Bankenkreisen stehen die Zeichen der Kirch-Gruppe derzeit auf Insolvenz. Diese könnte offenbar bereits am Freitag beantragt werden.

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