Weitere Expansion in Europa geplant
Docomo mahnt Partner E-Plus

Japans führender Mobilfunkkonzern NTT Docomo hat seinen Partner E-Plus vor einem Frühstart des mobilen Internet-Dienstes I-Mode in Deutschland gewarnt.

HONGKONG/DÜSSELDORF. Deutschlands drittgrößte Mobilfunkgesellschaft plant den Import von I-Mode für Januar. "Wir helfen unserem Partner dabei, I-Mode so früh wie möglich einzuführen", sagte Docomo-Chef Keiji Tachikawa dem Handelsblatt. Vorher jedoch müssten einige Bedingungen erfüllt sein: "E-Plus muss sicher stellen, dass die Endgeräte und die Inhalte zur Verfügung stehen", verlangt der 62 Jahre alte Manager. Sonst mache der Start keinen Sinn. "Wir wissen aus Erfahrung: Wenn die Dienste zu begrenzt sind, ist I-Mode nicht attraktiv."

Der erste I-Mode-Start außerhalb Japans ist für NTT Docomo ein Prestige- Projekt. Der Konzern will dem in Japan immens populären mobilen Internet- Dienst weltweit zum Durchbruch verhelfen. Tachikawa: "Wir haben das Know-how und sind bereit, es zu transferieren." I-Mode werde sich durchsetzen, sagte der Manager selbstbewusst.

E-Plus hält unterdessen an dem Zeitplan fest: "Wir werden I-Mode ab Januar schrittweise einführen", heißt es bei dem Düsseldorfer Mobilfunkanbieter. Es sei sichergestellt, dass es zum Start ausreichend Inhalte und Endgeräte gebe. Zunächst würden etwa 40 Partner die Inhalte liefern, Politik- und Wirtschaftsnachrichten, Spiele und Sport, Kultur und Erotik. Die I-Mode-Handys mit einem Farb-Display kommen von einem japanischen Hersteller. E-Plus hat etwa 50 Mill. DM in die technische Entwicklung der europäischen I-Mode-Variante investiert. Muttergesellschaft des europäischen I-Mode-Vorreiters ist die niederländische KPN Mobile, an der Docomo mit 15 % beteiligt ist.

Die Japaner haben mit dem Erfolg des mobilen Internets weltweit Aufsehen erregt. Dem Konzern ist es gelungen, mit einer großen Vielfalt von Diensten inzwischen über 28 Millionen seiner 38 Millionen Kunden für I-Mode zu begeistern. Das mobile Web beschert Docomo satte Gewinne, im Mai hat der Konzern für das abgelaufene Bilanzjahr einen Nettogewinn von 3 Mrd. $ vorgelegt. Der Umsatz wurde um 24 % auf 39 Mrd. $ gesteigert. I-Mode ist lukrativ, der Konzern verdient nicht nur an den Telefonkosten. Er ist gleichzeitig am Umsatz der Unternehmen beteiligt, die I-Mode-Dienste wie Wettervorhersagen, Kinoprogramme oder das Herunterladen von Comic-Figuren anbieten. Bei I-Mode bleibt NTT Docomo jedoch nicht stehen: Vor einem Monat schrieb das Unternehmen mit der Einführung von UMTS als weltweit erstes Unternehmen Industriegeschichte.

Sorgen bereitet den Japanern indes die finanzielle Verfassung ihrer derzeitigen Partner in Europa: Die Verluste von E-Plus nennt Tachikawa ein "Problem", denn sie drückten auf die Bilanz der überschuldeten Mutter KPN, die unter einem Schuldenberg von mehr als 20 Mrd. Euro stöhnt.

Dieser Schwierigkeiten ungeachtet fühlt sich Docomo stark genug, um auch auf dem schwierigen europäischen Markt zu expandieren. Das Unternehmen sucht zur Zeit nach weiteren Partnern. "Wir wollen Partnerschaften mit vielen Mobilfunk-Anbietern in Europa", sagt Tachikawa. "Am meisten interessieren uns die großen Märkte Frankreich, Italien und Spanien." Zu Spekulationen über einen möglichen Einstieg bei der französischen Bouygues Telecom oder eine Beteiligung an der französischen UMTS-Auktion nahm er keine Stellung.

Mit der Auslandsexpansion will Tachikawa die Technologie-Führerschaft bei UMTS-Diensten weltweit nutzen. Die Strategie der Japaner bei der Expansion ist klar: Anders als die britische Vodafone, die ein Netz von Mehrheitsbeteiligungen um den Globus spannt, vertraut Docomo auf Minderheitsbeteiligungen. In die haben die Japaner bisher 20 Mrd. $ investiert. Inzwischen hält der Konzern auch Anteile an der amerikanischen AT & T Wireless (17 %), an Hongkongs Hutchison Telecom und dem britischen UMTS-Konsortium unter Hutchisons Führung (20 %). Mitarbeit: K. Slodczyk

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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