Weitere FED-Zinssenkung nicht mehr zu erwarten
Analysten: US-Wirtschaft hat das Schlimmste hinter sich

Nach überraschend positiv ausgefallenen US-Konjunkturdaten sehen Analysten die weltweit größte Volkswirtschaft auf solidem Erholungskurs. Vor allem die Lage im Verarbeitenden Gewerbe hellt sich allmählich wieder auf. Zudem mehren sich die Zeichen dafür, dass die US-Verbraucher bei ihren Weihnachtseinkäufen entgegen der Befürchtungen vieler Einzelhändler tiefer in die Tasche greifen werden.

Reuters NEW YORK. "Die Daten machen deutlich, dass die Wirtschaft das Schlimmste hinter sich hat", sagte Alan Ruskin von 4Cast am Mittwoch in New York. An den Finanzmärkten stiegen die Hoffnungen auf einen kräftigen Konjunkturaufschwung in den nächsten Monaten. Die Börsen beiderseits des Atlantik reagierten mit Kursgewinnen, während die Euro- und US-Rentenkurse verloren. Der Euro fiel zeitweise auf ein Monatstief unter 0,99 Dollar.

Besonders der überraschend starke Anstieg des Konjunkturindexes der Chicagoer Einkaufsmanager im November löste an den Aktienmärkten heftige Kursgewinne aus. Das Barometer kletterte erstmals seit August wieder über 50 Zähler und signalisiert damit ein Wachstum des Verarbeitenden Gewerbes im Mittleren Westen der USA. Der Index gilt an den Märkten als zuverlässiger Indikator für den landesweiten Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM), der am Montag vorgelegt wird.

"Der Anstieg auf 54,3 Zähler ist sehr ermutigend", sagte Dana Johnson von Banc One Capital Markets. Das Verarbeitende Gewerbe der USA scheine sich allmählich von der Rezession zu erholen. "Ein ISM-Index von ebenfalls über 50 Punkten wird damit immer wahrscheinlicher." Bislang erwarten Analysten im Schnitt jedoch lediglich einen Anstieg des landesweiten Indexes auf 49,5 von 48,5 Zählern im Vormonat.

Weitere FED-Zinssenkung nicht mehr zu erwarten

Die Daten dürften nach Einschätzung von Dana Johnson auch die Konjunktursorgen der US-Notenbank (Fed) weitgehend ausräumen. Eine weitere Leitzinssenkung im Verlauf des nächsten Jahres sei jetzt wohl völlig auszuschließen. Die Fed hatte Anfang November den Leitzins überraschend deutlich um 50 Basispunkte auf 1,25 Prozent gesenkt und erklärt, damit solle der Konjunktur durch ihre leichte Schwächephase geholfen werden.

In den vergangenen Wochen bis Mitte November wuchs die US-Wirtschaft der Fed zufolge nur mit geringem Tempo. In ihrem Konjunkturbericht "Beige Book" stellte die Notenbank zudem fest, das Geschäft im Verarbeitenden Gewerbe habe sich in den meisten Regionen des Landes eher schwach und im Dienstleistungssektor schleppend entwickelt. Im dritten Quartal war die US-Wirtschaft annualisiert um 4,0 Prozent gewachsen und damit mehr als drei Mal so schnell wie im Vierteljahr zuvor.

Erste Anzeichen für eine Erholung der Investitionsausgaben der Unternehmen erkannten Analysten in dem unerwartet starken Anstieg der Neuaufträge für langlebige Güter. Der Auftragseingang kletterte im Oktober um 2,8 Prozent, während Analysten lediglich ein Plus von 2,0 Prozent erwartet hatten. Besonders bei Investitionsgütern wie Computern und Maschinen gab es überdurchschnittlich hohe Zuwachsraten. Analyst Ruskin sprach von spektakulären Auftragsdaten, die als positives Signal für die weitere Konjunkturentwicklung zu werten seien. Viele Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaft erst bei einer Erholung der Investitionen wieder richtig in Fahrt kommen kann.

Auch die Konsumenten verhielten sich zu Beginn des vierten Quartals kauffreudiger als in den vergangenen Monaten. Die Ausgaben der Verbraucher, die rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen, stiegen im Oktober zum Vormonat auf das Jahr hochgerechnet um 0,4 Prozent, während Analysten lediglich mit plus 0,2 Prozent gerechnet hatten.

"Das Weihnachtsgeschäft könnte besser ausfallen als einige Einzelhändler zunächst befürchtet hatten", sagte Ram Bhagavatula, Chefvolkswirt bei Royal Bank of Scotland Financial Markets. Viele Einzelhändler erzielen im Weihnachtsgeschäft, das in den USA traditionell ab "Thanksgiving" am Donnerstag anläuft, knapp ein Viertel ihres Jahresumsatzes.

Im November erholte sich auch die Stimmung der Verbraucher wieder etwas von ihrem Neun-Jahres-Tief im Vormonat, wenn auch nicht so stark wie von Analysten erwartet. Der von der Universität Michigan berechnete Vertrauensindex kletterte nach endgültigen Angaben auf 84,2 von 80,6 Zählern im Oktober. Analysten hatten allerdings einen Anstieg auf 85,5 Zähler erwartet.

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