Weitere Hinrichtungen
Taliban exekutieren Milizenführer

Nach der Hinrichtung von Milizenführer Abdul Hak haben die Taliban im Norden Afghanistans fünf weitere US-Verbündete hingerichtet. Die USA flogen am Samstag heftige Angriffe gegen die afghanische Hauptstadt Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar, Herat im Westen und Dschalalabad im Osten sowie zum ersten Mal auch gegen Talokan im Norden des Landes. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.

Reuters/dpa/ AP KABUL/ISLAMABAD/GENF. Am Freitag hatten die Taliban den Milizenführer Abdul Hak nahe der Hauptstadt Kabul gefangen genommen und exekutiert. Hak galt als wichtiger Partner der USA bei der Suche nach einer neuen afghanischen Regierung nach dem angestrebten Sturz der Taliban. Er hatte in den 80er Jahren gegen die sowjetischen Besatzungstruppen gekämpft. Danach beteiligte er sich jedoch nicht am Bürgerkrieg, in dem heutige Mitglieder der Taliban-feindlichen Nordallianz 50 000 Zivilisten getötet hatten.

Ebenfalls am Freitag wurden in der nördlichen Provinz Samangan fünf gefangene gegnerische Milizenführer exekutiert. Sie waren den Taliban bei Gefechten in Dara Souf in die Hände gefallen. Die USA hatten die Nordallianz, die in dieser Region gegen die Taliban kämpft, in den vergangenen Tagen mit schweren Bombardements von Taliban-Stellungen unterstützt. Beobachter werten die Exekutionen als Versuch der Taliban, ihre afghanischen Gegner von der Zusammenarbeit mit den USA abzuschrecken. Von den Taliban eingesetzte islamische Gelehrte hatten die Todesstrafe für alle beschlossen, die die USA unterstützen. Früher waren Gefangene häufig freigelassen oder gegen eigene Leute ausgetauscht worden. Viele gegnerische Milizenführer wurden auch mit Geld oder Drohungen dazu gebracht, die Seiten zu wechseln.

Das internationale Rote Kreuz hat unterdessen die von den USA eingeräumte Bombardierung eines Lebensmittellagers in Afghanistan beklagt. In dem Warenhaus in Kabul sei ein großer Teil der Lebensmittel und Decken gelagert worden, die das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) an die notleidende Bevölkerung verteilen wollte, hieß es in einer Erklärung vom Freitagabend. "Ein großes rotes Kreuz auf weißem Grund war klar auf dem Dach jedes Gebäudes zu erkennen", betonte das IKRK. Zwei Gebäude im dem Komplex seien direkt getroffen worden, drei hätten Feuer gefangen. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte, dass zum zweiten Mal in diesem Monat versehentlich ein Lager des IKRK und ein in der Nähe liegendes Wohngebiet getroffen wurden. Das Lager sei für ein Magazin der Taliban gehalten worden, hieß es.

In Pakistan wächst nach einem Bericht des arabischen TV-Senders El Dschasira die Unterstützung für die Taliban. Mehrere zehntausend bewaffnete Pakistaner hätten sich ihnen angeschlossen, berichtete der Sender. Auch unter afghanischen Flüchtlingen in Pakistan gewinnen die Taliban demnach neue Kämpfer. Selbst Männer, die bisher gegen das Regime waren, schlössen sich ihnen an, weil sie die US-Angriffe als Attacke auf Afghanistan und den Islam ansehen. Am Freitag hatte der Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar die Moslems in aller Welt erneut zum "Dschihad" (Heiligen Krieg) aufgerufen.

Die USA haben ihre Angriffe auf Ziele in Afghanistan verstärkt. In der Nacht zum Samstag erhellten Feuerbälle von Bombenexplosionen den Himmel über Kabul. "Es war eine der schlimmsten Nächte", sagte ein Bewohner der Hauptstadt am Morgen. Dort stieg noch Rauch von den am Vortag getroffenen Lagerhäusern des Roten Kreuzes auf. Auch an der Front zwischen den radikal-islamischen Taliban und der oppositionellen Nordallianz nördlich von Kabul griffen Kampfflugzeuge an.

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