Weitere Hiobsbotschaften
Hedge-Fonds spekulieren gegen die T-Aktie

Nach vielen Verzögerungen platziert die Deutsche Telekom ihre Milliarden-Anleihe zu einem hohen Zinssatz.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der anhaltende Kursverfall und neue Schreckensnachrichten haben die Deutsche Telekom gezwungen, ihre fünf Mrd. Euro schwere Anleihe höher als geplant zu verzinsen. Der Aktienkurs fiel unter zwölf Euro und schloss bei 11,96 Euro. Neben einer Herabstufung durch die Ratingagentur Fitch und gesenkten Ertragsprognosen durch Goldman Sachs belastete eine Mitteilung der Rechtsanwälte Tilp & Kälberer. Danach kann es wegen angeblich falscher Börsenprospekte im Herbst zu einer öffentlichen Verhandlung gegen die Telekom kommen. Nach langem Hin und Her gelang es der Telekom am späten Freitagnachmittag endlich, den Preis ihrer Anleihe festzusetzen. Der Bond kommt sie teurer zu stehen als noch vor wenigen Tagen gedacht. Für die fünfjährige Euro-Tranche wird eine Rendite von 7,63 % fällig, für die zehnjährige Euro-Tranche rund 8,25 % und für die 30-jährige Dollar-Tranche rund 9,3 %.

Am Donnerstag waren die Renditeaufschläge für die Anleihe um rund 0,30 % nach oben geschnellt, am Freitag kamen noch einmal 0,05 % hinzu. Hintergrund sind die schlechteren Bewertungen der Ratingagenturen Moody?s und Fitch. Am Donnerstag hatte Moody?s überraschend den Ausblick für die Bonität der Telekom von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Fitch reagierte am Freitag mit einer schlechteren Bewertung für vorrangige unbesicherte Verbindlichkeiten der Telekom und senkte das Rating von "A-" auf "BBB+".

"Diese Emission war eine schwere Geburt", sagte Uwe Burkert, Leiter Credit Research der LBBW. Nach Angaben der Telekom war die Anleihe zwar mehr als dreifach überzeichnet. Dennoch habe der Konzern keinen Spielraum gehabt, die Renditen zu drücken, sagt Jan Seifert, Fondsmanager bei Union Investment. "Die Telekom musste die Konditionen verbessern, ansonsten wären ihr einige Bestellungen weggebrochen." Seifert selbst hat bei allen drei Tranchen zugegriffen. "Das war eine gute Möglichkeit, in Bonds der Deutschen Telekom einzusteigen", sagt er. Händler am Frankfurter Parkett führen den anhaltenden Kurssturz - allein in den vergangenen vier Wochen verlor die T-Aktie gut 30 % an Wert - vor allem auf Verkäufe Institutioneller zurück. Daneben drückten Hedge-Fonds auf die Kurse. Diese leihen sich Aktien, verkaufen sie und decken sich später zu niedrigeren Kursen wieder ein - die Differenz ist der Gewinn. "Hedge-Fonds aus den USA haben sich die T-Aktie ausgeguckt. Ziel ist ein Kurs unter zehn Euro", so ein Händler.

Negativ wirkte sich auch eine Bewertung von Goldman Sachs aus. Das Investmenthaus korrigierte die Schätzung für den Gewinn pro Aktie nach unten. Für das laufende Jahr wird nunmehr ein Verlust von 1,44 Euro anstatt bislang prognostizierter 1,38 Euro erwartet. Für das Jahr 2003 gehen die Analysten von minus 1,16 statt minus 1,10 Euro aus. Auch für 2004 und 2005 wurden die Prognosen nach unten geschraubt. Hintergrund sind die unerwartet schwachen Quartalszahlen, insbesondere im Festnetzbereich T-Com.

Die bei den Aktionärsklagen gegen die Telekom wegen angeblich falscher Börsenprospekte auftretenden Rechtsanwaltskanzleien Tilp & Kälberer und Kuhlig teilten mit, es sei von einem möglichen ersten Verhandlungstermin im Herbst auszugehen. Die Klagen richten sich gegen die Bewertung des Immobilien- und Anlagevermögens der Telekom. Die Anwälte werfen ihr vor, falsch bilanziert zu haben.

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