Weitere Konsolidierungswelle möglich
Neue Hoffnung für Pharmafusion

In den deutschen Pharmagroßhandel kommt offenbar neue Bewegung. Juristen aus der Branche rechnen damit, dass das Oberlandesgericht Düsseldorf das Fusionsverbot für Sanacorp und Anzag aufheben wird. Damit könnte sich auch für die Konkurrenten Gehe und Phoenix zusätzlicher Spielraum eröffnen.

FRANKFURT/M. Im deutschen Pharmagroßhandel bahnt sich eine neue Konzentrationswelle an. Den Weg dazu wird nach Erwartung von Branchenexperten das Oberlandesgericht Düsseldorf ebnen, wenn es in wenigen Wochen über den Zusammenschluss der Unternehmen Sanacorp und Anzag entscheidet.

Juristen, die sich mit diesem Fall befasst haben, gehen davon aus, dass die Düsseldorfer Richter am 18. Dezember einVerbot der Fusion durch das Kartellamt aufheben werden. Für Sanacorp-Chef Jürgen Brink wäre damit der Weg frei, durch eine Mehrheitsübernahme der Anzag einen neuen Marktführer im deutschen Pharmahandel zu schaffen. Das Kartellamt hätte zwar noch die Möglichkeit, gegen eine negative Entscheidung des Oberlandesgerichts Beschwerde beim Bundesgerichtshof einzulegen. Dies könnte jedoch einen Vollzug der Mehrheitsübernahme nicht mehr aufhalten.

Die Vorstände von Sanacorp und Anzag betrachten den Ausgang des Düsseldorfer Verfahrens nach wie vor als völlig offen. Sie räumen aber ein, dass sich die Chancen inzwischen verbessert haben. Und Sanacorp-Chef Brink bestätigte, dass man im Falle einer Mehrheitsübernahme den anderen Aktionären der Anzag ein Kaufangebot entsprechend dem Übernahmekodex unterbreiten werde.

Die Münchner Sanacorp-Gruppe ist bisher bereits mit knapp 25 % bei der Andreae (Anzag) beteiligt und hält eine Option auf weitere 25 % der Anteile. Die DZ-Bank, bei der dieses Paket bisher geparkt wird, dürfte auf Grund ihrer eigenen Finanzprobleme erhebliches Interesse an einem baldigen Verkauf haben. Weitere Großeaktionäre bei der Anzag sind die Essener Pharmahandels-Genossenschaft Noweda (24,99 %), die niederländische OPG (6,12 %) und die britische Alliance Unichem (10,01 %), die ihrerseits bereits Interesse an einer Übernahme der Anzag signalisiert hatte. Etwa 9 % der Anteile liegen bei Kleinaktionären.

Kommt Sanacorp bei Anzag nun doch noch zum Zuge, müsste Alliance Unichem ihre Ambitionen auf dem deutschen Markt wohl beerdigen. Beobachter gehen daher davon aus, dass die Briten ebenso wie die OPG ihre Anteile veräußern werden. Schwieriger wird die Entscheidung für Noweda, die ebenso wie Sanacorp dem "genossenschaftlichen Lager" angehört. Ein engeres Zusammenrücken dieser Gruppe hatte Noweda bislang aber stets abgelehnt.

Anzag wird derzeit an der Börse mit 245 Mill. Euro bewertet. Legt man die in der Branche üblichen Maßstäbe zugrunde, dürfte sich der Wert des relativ ertragsstarken Unternehmens allerdings eher bei gut 300 Mill. Euro oder 30 Euro je Aktie bewegen.

Sanacorp und Anzag erreichen zusammen einen Umsatz von gut 5 Mrd. Euro in Deutschland und würden mit einem Anteil von etwa 29 % am deutschen Pharmagroßhandel den bisherigen Marktführer, die Mannheimer Phoenix Pharmahandel AG & Co KG, überflügeln. Ein Zusammenschluss wurde im vergangenen Jahr vom Kartellamt mit der Begründung untersagt, dass beide Unternehmen vor allem in den Regionen Ulm, Tuttlingen und Stralsund eine deutlich marktbeherrschende Stellung erringen würden. Das Vorhaben von Sanacorp und Anzag galt damit - ungeachtet der Klage gegen das Verbot - als nahezu aussichtslos. Doch in der mündlichen Verhandlung über den Fall hat der Kartellsenat des OLG Düsseldorf vor wenigen Wochen überraschend deutliche Zweifel an der Argumentation der Kartellwächter und deren Marktabgrenzung geäußert. Auch sei der Gedanke des "potenziellen Wettbewerbs" durch die finanzstarken Konkurrenten Gehe und Phoenix vom Kartellamt nicht genügend berücksichtigt worden.

Sollte das OLG bei dieser Argumentation bleiben, dürfte sich für alle großen Pharmahändler weiterer Spielraum für Akquisitionen eröffnen. Druck in Richtung Konzentration erzeugen nicht zuletzt die hohen Belastungen, die aus der Gesundheitspolitik resultieren. Danach sollen Großhändler den Krankenkassen Rabatte von 600 Mill. Euro und die Apotheken weitere 350 Mill. Euro gewähren. Vor allem kleineren Händlern dürfte das erhebliche Probleme bereiten. Anzag-Chef Horst Trimborn schätzt vor diesem Hintergrund, dass von derzeit 16 Pharmagroßhändlern in Deutschland mittelfristig allenfalls noch 10 übrig bleiben werden.

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