Weitere Kooperation mit taiwanesischem Hersteller
Infineon stärkt Geschäft mit Speicherchips

Europas zweitgrößter Chip-Produzent kommt seinen Zielen näher: Durch eine Kooperation mit der taiwanesischen Nanya Technology baut Infineon den Marktanteil bei Speicherchips auf mehr als 20 Prozent aus. Die beiden Unternehmen bauen in Taiwan ein neues Werk.

jojo/olmMÜNCHEN/HONGKONG. Die lange Zeit stockende Partnersuche der Infineon Technologies AG kommt jetzt zügig voran. Nur sechs Wochen, nachdem Infineon-Chef Ulrich Schumacher die Kooperation mit den taiwanesischen Chip-Produzenten Mosel Vitelic und Winbond verkündet hatte, ist jetzt der nächste Deal unterschriftsreif. Die Münchener bauen zusammen mit der Nanya Technology Corporation (NTC) bis nächstes Jahr ein neues Werk für Speicherchips, so genannte Drams. Wie viel Infineon in die Fabrik investiert, ist nicht bekannt. Experten erwarten, dass die Produktionsstätte bis zu 2 Mrd. $ kosten wird. Darüber hinaus werden beide Firmen gemeinsam eine neue Generation von Chips entwickeln.

"Das rundet die Strategie von Infineon im Dram-Bereich ab", bewertet Oliver Wojahn von der Hamburger Berenberg Bank die Kooperation positiv. Infineon kann durch die Zusammenarbeit die Entwicklungskosten je Chip deutlich senken, weil den Ausgaben eine größere Produktionsmenge gegenüber steht.

Doch auch die Taiwanesen profitieren: "Für Nanya bedeutet die Allianz mit Infineon einen wichtigen Durchbruch," betont Chris Hsieh, Analyst bei ING Barings in Taipei. Taiwans Chip-Hersteller investieren traditionell weniger in Forschung als westliche Konzerne und konzentrieren sich dafür auf eine billige Produktion.

Eine Allianz mit IBM verschafft Nanya schon seit einem Jahr Zugang zu modernen Produktionsprozessen, die 0,11 Mikrometer-Technologie verwenden. Die Zusammenarbeit mit Infineon bringt beide Unternehmen nun einen Schritt weiter: Mit den Münchnern werden die Taiwanesen Technologien entwickeln, die Schaltkreise auf 0,09 und 0,07 Mikrometer schrumpfen lassen.

Infineon will seinen Anteil an Markt für Speicherchips durch Kooperationen von momentan 14 % auf bis zu 25 % steigern. Die Deutschen haben sich dazu bereits einen größeren Anteil an der Produktionskapazität ihres bestehenden taiwanesischen Joint-Venture-Partners Promos (Mosel Vitelic) gesichert.

Gestern haben sie zudem den vor anderthalb Monaten angekündigten Vertrag mit Winbond unterzeichnet, der diesem Unternehmen Zugriff auf 0,11-Mikrometer-Technologie gewährt. Im Gegenzug bekommt Infineon Produktionskapazitäten. Durch die beiden Vereinbarungen wird der Marktanteil bereits auf bis zu 18 % klettern. Die Kooperation mit Nanya ist aber noch wichtiger: "Nanyas Produktionskosten liegen sehr viel tiefer als die aller anderen taiwanesischen Dram-Hersteller," betont Analyst Hsieh

.

Taiwans Chip-Hersteller werden immer bedeutender im Bemühen der großen westlichen Produzenten, die Herstellungskosten zu senken. "Nanya ist bei der Herstellung extrem flexibel," sagt Hsieh, "die können bei der Produktion von verschiedenen Chip-Designs so schnell wechseln wie kaum jemand anders." Damit können sich die Asiaten schnell auf veränderte Auftragssituationen einstellen. Nanya ist Teil der Formosa-Gruppe, dem größten Industriekonglomerat der Insel.

Pionier der Zusammenarbeit zwischen großen westlichen Produzenten und Taiwanesen ist UMC. Der zweitgrößte Chip-Auftragshersteller der Welt hat vor kurzem eine Allianz mit dem US-Konzern AMD geschlossen, in der die beiden Firmen 3 Mrd. $ in eine gemeinsame Fabrik stecken. Erzrivale und Marktführer TSMC ist im März der Forschungs-Allianz von Philips, ST Microelectronics und Motorola beigetreten.

Die Börse nahm den Infineon-Deal am Donnerstag positiv auf: In einem schwachen Markt legte die im Dax notierte Aktie knapp 1 % auf rund 20,50 Euro zu.

Quelle: Handelsblatt

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