Weitere Kritik an Skyguide
Schweizer System entspricht nicht den Standards

Bei der Suche nach der Ursache der Flugzeugkollision gerät die Schweizer Flugüberwachung Skyguide weiter in die Kritik. Schweizer Behörden haben einem Fernsehbericht zufolge wenige Tage vor der Flugzeug-Kollision über dem Bodensee festgestellt, dass das Radarsystem von Skyguide nicht in allen Punkten den europäischen Standards entsprochen habe.

Reuters ZÜRICH. Dies gehe aus einem Bericht des Schweizer Bundesbüros für die Untersuchung von Luftverkehrsunfällen hervor, berichtete am Mittwochabend das Schweizer Fernsehen. Der Chef der Behörde, Jean Overney, sagte, die Mängel des Radarsystems seien "schwer wiegend genug gewesen, dass wir ihnen (der Flugüberwachung) gesagt haben, sie sollten sie verbessern, damit die verringerten vertikalen Mindestabstände ... mit ausreichender Sicherheit eingeführt werden könnten". In der Nacht zu Dienstag waren eine russische Passagiermaschine vom Typ Tupolew 154 und eine Frachtmaschine kollidiert, vermutlich starben alle 71 Insassen.

Die neuen Bestimmungen, die seit diesem Jahr in Kraft sind, reduzieren den vertikalen Abstand, den Flugzeuge voneinander haben müssen, von 2000 Fuß auf 1000 Fuß (300 Meter). Overney sagte nicht, womit genau das Schweizer System die europäischen Standards verfehlte. In dem Fernsehbericht hieß es jedoch, einer der Mängel sei gewesen, dass die Positionsangabe der Flugzeuge auf den Bildschirmen der Fluglotsen alle acht Sekunden erneuert werden solle und nicht wie in der Schweiz alle zwölf Sekunden.

Carlo Bernasconi von Skyguide sagte, die Empfehlungen des Berichts hätten keine Auswirkungen auf das Unglück gehabt, eine Ausnahme sei vielleicht die Regelung über die Erneuerung der Positionsbestimmung. Damit hätte der Fluglotse den russischen Piloten vielleicht vier Sekunden früher auffordern können, seine Flughöhe zu ändern.

Skyguide hatte mitgeteilt, der Tupolew-Pilot sei 50 Sekunden vor dem Zusammenstoß aufgefordert worden, tiefer zu fliegen. Er habe aber nur langsam reagiert. Außerdem war nach Skyguide-Angaben zum Zeitpunkt des Unglücks das elektronische Kollisions-Warnsystem für Wartungsarbeiten abgeschaltet gewesen. Das Vorgehen von Skyguide habe aber den internationalen Vorschriften entsprochen.

Der Chef der Fluggesellschaft Bashkirian Airlines, Nikolai Odegow, warf Skyguide dagegen Fehler vor. Der Fluggesellschaft gehörte die Tupolew, die über dem Bodensee-Gebiet mit einer Fracht-Boeing kollidiert war. Eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung sagte, die Aufforderung von Skyguide zum Ausweichen an den Tupolew-Piloten 50 Sekunden vor dem Zusammenstoß sei "recht spät" gekommen.

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