Weitere Kursverluste drohen
Euro fällt auf Rekordtief

Das Ausbleiben einer Erklärung der G-20 Notenbanker und Finanzminister zum Euro und schwindende Spekulationen über Zentralbank-Interventionen haben die angeschlagene Gemeinschaftswährung am Donnerstag auf ein Rekordtief gedrückt.

Reuters FRANKFURT. Der Euro fiel bis auf 0,8229 Dollar und war damit 30 Prozent billiger als bei seiner Einführung am 1. Januar 1999. Ein Dollar kostete somit knapp 2,38 DM, so viel wie seit 14 Jahren (April 1986) nicht mehr. Händler sagten weitere Kursverluste bis unter 0,80 Dollar voraus. Zur Talfahrt des Euro habe auch die Schwäche des Schweizer Franken und des Pfund Sterling zum Dollar beigetragen. Aussagen von europäischen Notenbankern und Politikern konnten den Euro Händlern zufolge nicht nachhaltig stützen.

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro am Donnerstag mit 0,8287 nach 0,8305 Dollar auf seinem tiefsten Stand festgestellt. Damit kostete ein Dollar 2,36 (2,3550) DM. Zum Yen wurde der Euro-Referenzkurs mit 89,55 (89,74) Yen ermittelt.

Die leichte Erholung der Gemeinschaftswährung zum Mittag führten Händler auf technische Faktoren zurück und schlossen neue Verluste nicht aus. Beim Durchbrechen der Marke von 82,85 Cents hätten wieder Käufe eingesetzt, sagte ein Händler. Es habe jedoch keine Anzeichen für eine Intervention der Notenbanken gegeben.

Händler hielten es nach der mangelnden Bereitschaft der G-20 Finanzminister und Notenbanker, den Euro bei ihrem Treffen in Montreal verbal zu unterstützen, für unwahrscheinlich, dass die Zentralbanken am Devisenmarkt intervenieren würden. Es sei zudem nicht damit zu rechnen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ohne die US-Notenbank Federal Reserve handeln werde, sagte ein Frankfurter Händler. Vor den US-Präsidentschaftswahlen am 7. November sei aber nicht mehr mit einer Beteiligung der Fed an einer Stützungs-Aktion zu rechnen. Daher wird ein Abrutschen des Euro auf unter 80 US-Cents von einigen Händlern für möglich gehalten.

Zur G20 zählen die sieben führenden Industrienationen (die USA, Japan, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Kanada) sowie Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Südkorea, Mexiko, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, die Türkei und die EU mit der Europäischen Zentralbank.

"Es traut sich keiner, massiv Euro zu verkaufen"

Andere Händler bemerkten dagegen, der Markt sei auf Grund der anhaltenden Angst vor erneuten Interventionen nach wie vor sehr nervös. "Es sagen zwar alle, dass sie nicht dran glauben, aber trotzdem traut sich keiner, massiv Euro zu verkaufen", sagte ein Händler. Die EZB wisse zudem, dass Interventionen besonders effektiv seien, wenn niemand damit rechne. Nachdem die Intervention am 22. September an einem Freitag stattgefunden habe, sei gerade zum Wochenende hin wieder verstärkt mit Interventions-Spekulationen zu rechnen. Analysten zufolge können Notenbank-Interventionen einen Markttrend auf lange Sicht jedoch ohnehin nicht umkehren. Sie könnten allenfalls auf kurze Sicht den Euro um fünf Prozent steigen lassen, erklärte Joachim Goldberg vom Analyseunternehmen Cognitrend.

Aus technischer Sicht belastete Händlern zufolge auch die Stärke des Dollar zum Pfund Sterling und Schweizer Franken die Gemeinschaftswährung. Zum Franken stieg der Dollar am Donnerstagmorgen mit 1,8295 Franken auf ein neues 14-Jahres-Hoch. Zum Pfund Sterling erreichte der Dollar mit 1,4351 Pfund den höchsten Stand seit einem Monat.

Nach Einschätzung des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) "wird der Euro noch einige Zeit brauchen, bis er seine Schwächephase überwindet". Anlässlich seiner Wirtschaftsprognose warnte der BGA auf Grund der gestiegenen Ölpreise und des starken Dollars erneut vor einer importierten Inflation.

Äußerungen von EZB-Ratsmitglied Eugenio Domingo Solans, wonach sich die gesunde wirtschaftliche Lage in Europa "früher oder später" im Euro-Kurs widerspiegele, hatten sich Händlern zufolge kaum auf die Gemeinschaftswährung ausgewirkt. Aussagen von Fabius am Donnerstagmorgen vor einem Parlamentsausschuss in Paris stützten den Euro dagegen kurzzeitig. Der französische Finanzminister hatte erklärt, der Euro könne um mindestens 20 Prozent steigen. EU-Währungskommissar Pedro Solbes unterdessen in einem Zeitungsinterview, die jüngste Euro-Schwäche sei für die Euro-Zone intern nicht so wichtig. "Ein Euro ist ein Euro. Das ist die Realität: Die Abwertung zum Dollar hat aus interner Sicht keine Bedeutung.



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