Weitere Liberalisierung geplant
China gibt Banken mehr Freiheit

Bislang herrschte ein strenges Zinsregime, künftig sollen die Banken im Reich der Mitte die Höhe der Zinsen marktgerecht selbst bestimmen können.

mg PEKING. Chinas Notenbank erhöht unter ihrem neuen Gouverneur Zhou Xiaochuan die Schlagzahl bei der Liberalisierung der Kapitalmärkte. Das Zinsregime, das den ganz überwiegend staatlichen Banken in China bislang kaum Freiraum bei der Gestaltung ihrer Preise für Einlagen und Kredite gewährte, wird weiter gelockert. "Ich denke, marktorientierte Zinsen liegen unmittelbar vor uns", zitierten in den vergangenenTagen Chinas offizielle Zeitungen die Nummer zwei der Notenbank, Wu Xiaoling.

Hohe Devisenreserven von knapp 300 Mrd. Dollar sowie satte Handelsüberschüsse und die weiter unter Volldampf fahrende Konjunktur verschaffen der Regierung Freiraum. "Was uns fehlt, ist nicht Geld, sondern die effiziente Nutzung dieses Geldes", sagt Wu in Anspielung auf das strikte Zinsregime, das den Banken im Reich der Mitte bislang kaum eine eigenständige Preispolitik erlaubt, die die Bonität ihrer Kunden berücksichtigt. Chinas Banken erzielen nach offiziellen Angaben noch immer 70 Prozent ihrer Gewinne aus dem Zinsgeschäft. Im Verlauf dieses Jahres sollen zahlreiche Banken in ausgesuchten Bezirken des Landes die Zinsen auf Einlagen frei bestimmen können. "Die Zinsreform wird sich im Verlauf des Jahres auf das ganze Land ausbreiten", verrät ein Notenbanker in Peking, der nicht genannt werden will.

In einem ersten Schritt sollen die Banken das machen dürfen, was ländlichen Kredit-Kooperativen schon im Oktober 2002 erlaubt wurde: Die Zinsen auf Einlagen und Kredite um 30 respektive 70 Prozent anzuheben. Einige Kooperativen in der Küstenprovinz Fujian dürfen bereits die von der Notenbank bislang vorgegebenen Zinsen bei Einlagen um 20 Prozent nach oben und unten verändern. Bei Krediten haben sie 70 Prozent Spielraum.

Das umfassendste Experiment wird in der von Privatfirmen dominierten Stadt Wenzhou in Chinas Küstenprovinz Zhejiang gestartet. Dort bestritten private Firmen im vergangenen Jahr bereits 96,7 Prozent der industriellen Leistung. In Wenzhou wird dem Gouverneur des örtlichen Ablegers der Zentralbank, Ji Ming, zufolge ein "Klein-Kredit-System" für Ausleihungen eingeführt, in dem die Gehälter der Angestellten in den Kreditabteilungen an die Resultate geknüpft werden.

Die Zinsen auf Einlagen dürfen in diesem Experiment um 50 Prozent, bei Krediten um bis zu 100 Prozent von den bislang verbindlichen Vorgaben der Zentralbank nach oben abweichen. Bei Krediten besteht zudem nach unten ein Spielraum von zehn Prozent. Wenzhou will auch in größerem Umfang private Beteiligungen an den Banken zulassen. Der Staatsanteil an den Geldhäusern soll von 34 Prozent auf etwa zehn Prozent sinken. Der frühere Notenbank-Gouverneur Dai Xianglong hatte die Experimente im Herbst bei einem Abstecher in die quirlige Provinz genehmigt. Dort sind die Voraussetzungen dafür gut: Faule Kredite bei den Banken in Wenzhou betragen nach offiziellen Angaben lediglich fünf Prozent. Das ist nur ein Viertel bis ein Fünftel des Wertes bei den vier führenden Staatsbanken.

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