Weitere Medaillen für den DLV
EM: Baumann holt Silber, Drechsler wird Fünfte

Es war eine gelungene Rückkehr: In einem spannenden 10 000-m-Rennen erkämpfte sich Dieter Baumann die Silbermedaille. Für Heike Drechsler reichte es im Weitsprung nicht zu einem erneuten EM-Titel.

sid MÜNCHEN. Oldtimer Dieter Baumann feierte sein Rückkehr mit Silber. Sechs Monate nach Ablauf seiner Dopingsperre verpasste der 37 Jahre alte Schwabe am zweiten Tag der Leichtathletik-EM das 10 000-m-Gold vor 41 300 Zuschauern in München um 0,22 Sekunden. Den Titel entriss ihm am Ende noch der Spanier Jose-Manuel Martinez in 27:47,65 Minuten. Bronze holte dessen Landsmann Jose Rios. Heike Drechsler, die 1992 wie Baumann Olympiagold gewonnen hatte, verpasste nicht nur den historischen fünften Weitsprung-Titel in Serie bei einer EM, sondern als Fünfte mit 6,64 m um zwölf Zentimeter eine Medaille.

Heike Drechsler denkt schon an die WM

Beim ersten Freiluft-Titelgewinn der Russin Tatjana Kotowa, die mit 6,85 m vor der Britin Jade Johnson (6,73) und der Ungarin Tünde Vaszi (ebenfalls 6,73, aber schlechterer zweitbester Versuch) gewann, verpasste Drechsler einen historischen fünften EM-Titel in Serie. Die Bestweite von 6,65 m erreichte die Olympiasiegerin von 1992 und 2000 erst im fünften Versuch - und da war der Wettkampf längst verloren. Vor dem letzten Versuch verhinderte dann auch noch starker Regen eine Verbesserung.

"Ich habe mein Bestes gegeben, aber es war einfach nicht mein Tag", sagte die 37-Jährige, verkündete dann aber schon wieder sehr gelassen: `Was solls: Ich bin trotzdem motiviert für die Höhepunkte die noch kommen." Ihr nächstes großen Ziel sind im kommenden Jahr die Weltmeisterschaften in Paris. Sofia Schulte aus Leverkusen erreichte den achten Rang (6,43).

Sina Schielke nicht im Finale

Keinen guten Abend hatte auch das deutsche Glamour-Girl Sina Schielke. Die Dortmunderin schied über 100 m bereits im Halbfinale aus. Gold holte sich später wie auf Bestellung die Griechin Ekaterini Thanou (11,10), Olympia-Zweite 1996 und WM-Dritte 2001, vor Kim Gevaert aus Belgien (11,22). Die Wattenscheiderin Melanie Paschke belegte in 11,37 immerhin noch Rang fünf. In Ekaterini Vogoli gewann eine weitere Griechin das Diskuswerfen (64,31).

Brite Dwain Chambers holt 100-m-Titel

Über 100 m der Männern, wo sich der deutsche Meister Marc Blume immerhin bis ins Halbfinale gekämpft hatte, siegte wie erwartet der Brite Dwain Chambers: Seine Zeit von 9,96 Sekunden war angesichts der eher ungünstigen Bedingungen (kühl, leichter Gegenwind) respektabel. Silber und Bronze gingen an Francis Obokwelu aus Portugal (10,06) und Chambers' Landsmann Darren Campbell (10,15).

Souverän wahrten sieben weitere deutsche Hoffnungsträger am zweiten Tag ihre Medaillenchance. Während die Russin Olimpiada Iwanowa im 20 km Gehen und der Ungar Adrian Annus im Hammerwerfen jeweils Gold gewannen, zogen die zwei Stabhochspringerinnen Yvonne Buschbaum und Annika Becker in das Finale am Freitag ein. Fast zur gleichen Zeit greifen die Speerwerfer Boris Henry und Raymond Hecht nach den Medaillen.

Breuer zuversichtlich für die 400 m

Bereits am Donnerstag laufen nach ihren jeweiligen deutschen Jahresbestzeiten Grit Breuer über 400 m (50,98 Sekunden) sowie Heike Meissner über 400 m Hürden (55,67) mit besten Chancen um die Plätze auf dem Siegerpodest mit. "Ein bisschen Luft ist noch drin", sagte Breuer, die Goldmedaille glaubt sie jedoch außer Reichweite und für die Russin Olesja Sikina (50,47) reserviert.

Ingo Schultz begnügte sich im Halbfinale über 400 m mit 45,49 Sekunden. Sein schärfster Rivale Daniel Caines beim direkten Duell 0,14 Sekunden schneller, doch der deutsche Vizeweltmeister beruhigte vor dem Endlauf am Donnerstag: `Alles in Butter, ich habe nicht mehr voll auf's Tempo gedrückt."

Hammerwurf und Gehen

Im ausgeglichenen Feld der Hammerwerfer setzte sich der neue Europameister Annus, nur WM-Neunter 2001, mit 81,17 durch vor dem Ukrainer Wladislaw Piskunow (80,39) und dem Griechen Alexandros Papadimitrou (80,21). Weltmeister Simon Ziolkowski (Polen) war wie das von Ex-Weltmeister Karsten Kobs angeführte deutsche Trio bereits in der Qualifikation gescheitert.

Die EM-Premiere für das 20 km Gehen entpuppte sich als klare Angelegenheit für Weltrekordhalterin Iwanowa. Die Russin, die 1997 WM-Silber wegen Dopings verloren hatte, ging in 1:26:42 Stunden vor Teamkollegin Jelena Nikolajewa (1:28:20) durchs Ziel. In 1:28,20 holte Erica Alfredini (Italien) Bronze. Melanie Seeger (Potsdam) enttäuschte als 14. (1:33:40) und vergoß darüber Tränen.

Stabhochsprung

Ähnlich traurig war Stabhochspringerin Caroline Hingst, die das Finale mit 4,30 m im Gegensatz zu vier Konkurrentinnen mit gleicher Höhe wegen zu vieler Fehlversuche verpasste. Yvonne Buschbaum dagegen behielt trotz einer Rippenprellung nach einem Sturz beim Einspringen und zwei Patzern über 4,30 die Nerven und meisterte die 4,40 m wie die fehlerfreie Ex-Europarekordlerin Annika Becker im ersten Versuch.

Zehnkampf

Zeleznys Landsmann Roman Sebrle befindet sich unterdessen im Zehnkampf auf Goldkurs. Der Weltrekordhalter (9026 Punkte) steuerte bei Halbzeit (4554) ungefährdet 8800 Punkten und damit seinem ersten internationalen Titel entgegen. Die beiden Deutschen Sebastian Knabe (4186) als Achter und Mike Maczey (4117) als Zehnter schlugen sich gut.

3000 m Hindernis

Eine blamable Vorstellung bot Damian Kallabis im Vorlauf über 3000 m Hindernis: Der Titelverteidiger war mit 8:51,39 Minuten ohne Chance. Die Anzahl der deutschen Erstrunden-"Ausfälle" erhöhte sich damit von elf am Dienstag auf 20 am Mittwoch: Eine Quote, die aber angesichts der vielen Youngster im Team einkalkuliert war.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%