Weitere Milzbrand-Fälle in den USA
Infektionen verunsichern viele Amerikaner

Die Amerikaner haben sich lange Mühe gegeben, nicht in Panik zu verfallen. Doch nach den jüngsten vier Fällen von Milzbrand in einem Washingtoner Postamt ist die Nation verunsichert.

HB WASHINGTON. Zwei der Angestellten sind bereits an Milzbrand gestorben. Die Angst vor der nicht sichtbaren Gefahr und fehlende Informationen führen nun zu teilweise panischen Reaktionen.

Viele Amerika kaufen das Anthrax-Mittel Cipro auf Vorrat und decken sich mit Gasmasken sowie Trockennahrung ein. Bei einigen Unternehmen wird die gesamte Post mittlerweile in Behälter gefüllt und bis auf weiteres eingekellert. "Alle Experten sagen, Anthrax sei sehr gefährlich, aber keiner konnte mir sagen, wie gefährlich", begründet ein Mitarbeiter des Wall Street Journals die Maßnahmen. Kein Brief wird mehr geöffnet, der Schriftverkehr mit der Außenwelt ist stillgelegt, die Kommunikation findet über Telefon und E-Mail statt. Der Nachrichtenraum der New York Times wurde gestern nach dem Eingang eines verdächtigen Briefes geschlossen.

Reaktionen, die die Wirtschaft lähmen, wollten die Behörden vermeiden. Immer wieder hatten Politiker an die Bevölkerung appelliert, ihrem gewöhnlichen Tagesablauf zu folgen und nicht in Angst zu verfallen. Gestern arbeitete das Repräsentantenhaus zwar wieder. Den Großteil ihrer Büros können die Senatoren und Abgeordneten jedoch noch nicht wieder beziehen. Seit vergangener Woche wurden mehrere Dutzend Mitarbeiter von Senator Tom Daschle positiv auf Anthrax getestet. In einer Poststelle wurden die Ermittler erneut fündig.

Daschle hatte am 12. Oktober einen Brief mit Anthrax bekommen, der von einem Mitarbeiter in seinem Büro geöffnet wurde und die Bakterien freisetzte. Die vier infizierten Postangestellten arbeiteten im Verteilerzentrum Brentwood in Washington. Durch ihre Sortiermaschinen ging der dicht verschlossene Brief an Senator Tom Daschle.

Als beim Kongress bereits die Untersuchungen liefen, ging es bei der Post weiter wie immer. Die Führungsetage stellte sich vor ihre Mitarbeiter und "klärte auf": Das Risiko, dass aus einem geschlossenem Brief Anthrax austritt, sei verschwindend gering. Untersuchungen oder gar Behandlungen mit Antibiotika seien nicht notwendig. "Ich bin immer sorglos zu Arbeit gekommen. Aber Ende vergangener Woche haben ich mich gefragt, ob unser Postamt wirklich so sicher ist, wie die Chefs erzählen", sagt Cynthia Hudson, eine der Angestellten. Sie hat an der Seite von Leroy Richmond gearbeitet, der mittlerweile wegen Lungenmilzbrand behandelt wird. Zwei seiner Kollegen sind an den Bakterien gestorben. Einer war vom Krankenhaus wieder nach Hause geschickt worden. Zwei Tage später brachte ihn der Notarzt erneut in die Klinik - sechs Stunden vor seinem Tod.

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