Weitere Niederlage für AOL
Musiktauschbörse Napster im Fokus der Medienbranche

Die großen Medienunternehmen der Welt drängen in den Internet-Musikmarkt: AOL Time Warner kündigte Interesse an der Musiktauschbörse Napster an. "Wir unterzeichnen einen Vertrag mit Napster, wenn sie ein Copyright-Schutz-System haben", sagte Gerry Levin, Generaldirektor von AOL Time Warner, in einem im Online- Interview der britischen BBC. Zurzeit gebe es ein derartiges System aber nicht.

dpa HAMBURG. Unklarheit herrscht unterdessen bei den juristischen Auseinandersetzungen um urheberrechtlich geschützte Titel auf dem Internet-Musikmarkt. So hat der weltweit größte Internet-Provider AOL eine weitere Niederlage hinnehmen müssen. Nach Medienberichten vom Freitag verurteilte das Oberlandesgerichts München in einem Berufungsverfahren zu Schadensersatz, weil der Provider für seine Dienste Werbung gemacht und auf diese Weise Musikpiraten auf seine Seite gelockt habe (Az.: 29 U 3282/00). Die in das Programm eingebauten Hinweise an die AOL-Mitglieder, nur nicht urheberrechtlich geschützte Daten dürften geladen werden, reiche nicht aus, heißt es in der dpa vorliegenden Urteilsbegründung.

Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig und liege ihm nicht vor, sagte ein Sprecher von AOL Deutschland. Einen möglichen Gang zum Bundesgerichtshof wollte er nicht ausschließen. Bereits vor einem Jahr hatte das Landgericht München I den Provider wegen dieser Praktiken in erster Instanz verurteilt.

Die weitere Entwicklung des Internet-Musikmarkts ist derzeit ungewiss. Am vergangenen Dienstag hatte eine US-Bundesrichterin in San Francisco per einstweiliger Verfügung angeordnet, dass die US- Internet-Tauschbörse Napster alle geschützten Titel aus dem Angebot nehmen muss.

Napster hatte bereits am Wochenende versucht, Filter für Copyright-Material einzusetzen, um einer Schließung der Tauschbörse zuvorzukommen. Software-Experten bezweifeln allerdings die Wirkung eines Filters. In der aktuellen Version könne Napster nicht überleben, sagte auch AOL-Time-Warner-Chef Levin.

Musiktausch wird zum Geschäft



Ab Sommer könnte sich der Musiktausch dann jedoch endgültig zum Musikgeschäft für die Mediengiganten entwickeln: Napster will nach eigenen Angaben ab Juli die kostenpflichtige Mitgliedschaft einführen. Musikfans sollen für eine monatliche Gebühr zwischen rund zehn und zwanzig DM Titel über die Napster-Software bei anderen Mitgliedern herunterladen können.

Die Bertelsmann eCommerce Group (BeCG), der größte Investor bei Napster, entwickelt zusammen mit der Tauschbörse die neue Software, mit der die Zahlung von Honoraren an Künstler möglich werden soll. Das neue Geschäftsmodell werde alle juristischen Bedingungen erfüllen, hatte Bertelsmann betont.

Neben dem Napster-Partner Bertelsmann und dem neuen Interessenten AOL Time Warner kann sich auch der französische Mischkonzern Vivendi eine Kooperation mit der Tauschbörse vorstellen, sobald Napster den kostenpflichtigen Abonnenten-Service eingerichtet hat. Vivendi kontrolliert die Musikanbieter Universal und Seagram.

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