Weitere Plünderungen
Wachsende soziale Spannungen in Argentinien

Die sozialen Spannungen nehmen in Argentinien wieder zu und haben zu neuen Plünderungen geführt. Mehrere Lebensmittelgeschäfte, Schlachtereien und Gemischtwarenläden wurden am Donnerstag in Vororten von Buenos Aires und im Landesinnern überfallen und weitgehend leer geräumt.

dpa BUENOS AIRES. Der Polizei gelang es, mehrere weitere Geschäfte im letzten Augenblick zu schützen. Mindestens sieben Menschen wurden verletzt und acht weitere festgenommen.

Bereits am Vortag waren etwa 50 Bewohner einer Armensiedlung in einen Supermarkt gestürmt und hatten vor allem Lebensmittel geraubt, meldete die Nachrichtenagentur DyN. Wie schon bei früheren Plünderungen machten Regierungsvertreter "Provokateure" für die Ausschreitungen verantwortlich. Regierungsunabhängige Organisationen warfen jedoch der Regierung selbst vor, die Plünderungen anzuzetteln.

Der schnelle Wertverfall der seit Anfang Januar wieder freigegebenen Landeswährung Peso treibt die Preise vor allem für Grundnahrungsmittel, die auch exportiert werden, in die Höhe. Angesichts zugleich sinkender Löhne und immer mehr Arbeitsloser werden über Ostern weitere Plünderungen vor allem im verwahrlosten Industriegürtel rund um die Hauptstadt befürchtet. Viele Geschäfte blieben geschlossen, und die Polizei patrouillierte auf den Straßen.

Nach offiziellen Angaben leben etwa 50 % der 37 Mill. Argentinier unterhalb der Armutsgrenze. Kurz vor Weihnachten hatte Argentinien eine Welle von Plünderungen und Unruhen erlebt, bei der etwa 30 Menschen ums Leben gekommen sind. Seitdem wurde mehrfach der Präsident des Landes gewechselt. Der jetzige Staatschef Eduardo Duhalde versucht mit internationaler Hilfe, den Staatsbankrott abzuwenden. Die notwendigen Reformen sind bisher jedoch noch nicht umgesetzt worden.

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