Weitere Proteste in Afghanistan
USA planen keine groß angelegte Invasion

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in Washington, es werde keinen D-Day geben, und spielte damit auf die große Landeoperation der Westalliierten in der Normandie 1944 an. Dennoch werde dieser Krieg schwierig und gefährlich sein. Rumsfelds Äußerungen sorgten an Europas Börsen Händlern zufolge für schwindende Kriegsangst und lösten Kursgewinne aus.

Reuters WASHINGTON. Die USA planen nach NATO-Angaben derzeit auch keine Beteiligung der gesamten Allianz an einem Angriff. Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister am Mittwoch in Brüssel, die USA wollten jetzt nicht den Bündnisfall in Kraft setzen.

Es werde keinen Auftakt wie den D-Day geben und am Ende keine Kapitulationsurkunde, wie sie von den Japanern zur Beendigung des Zweiten Weltkrieges im Pazifik unterzeichnet worden sei, sagte Rumsfeld am Dienstagabend in Washington. Es liege vielmehr in der Natur der Sache, dass es nicht mit einem massiven Angriff oder einer Invasion getan sei. Terroristen säßen nicht in großen Staaten mit großen Gebäuden und großen Armeen, sondern im Verborgenen in Dutzenden von Ländern. "Und sie bekommen Hilfe von Leuten, die ihnen nicht helfen sollten", fügte er hinzu.

Rumsfeld-Äußerungen beflügelte die Aktienmärkte

Die USA haben nach den Anschlägen in New York und Washington einen Krieg gegen den internationalen Terrorismus angekündigt. Sie haben allen Staaten Vergeltungsschläge angedroht, die Terroristen Unterschlupf gewähren oder sie unterstützen.

Nach diesen Äußerungen Rumsfelds rechneten die Investoren nicht mehr mit einem umfassenden Militärschlag der USA, sagten Analysten. Dies habe die Kurse der europäischen Aktien nach schwachem Handelsauftakt beflügelt. Am Abend (19.00 Uhr MESZ) notierte der Deutsche Aktienindex Dax mit 1,6 Prozent im Plus bei gut 4070 Punkten. Auch der Neue-Markt-Index Nemax50 zog um 2,8 Prozent auf über 750 Zähler an.

Kein Bündnisfall durch die USA

US-Vize-Verteidigungsminister Wolfowitz sagte beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel, die USA wollten jetzt nicht den Bündnisfall in Kraft setzen. Die USA würden um einen kollektiven Einsatz der NATO bitten, wenn sie diesen als notwendig erachten würden. Derzeit sei dies aber nicht der Fall, sagte Wolfowitz. Der Bündnisfall bedeutet, dass die USA Anspruch auf den militärischen Beistand der NATO-Partner haben.

Der belgische Verteidigungsminister Andre Flahaut sagte, die USA hätten ihren NATO-Partnern signalisiert, sie wollten freie Hand für etwaige Aktionen: "Sie insistieren auf einer gewissen Autonomie und Flexibilität." Die USA warnten, Terroristen könnten künftig Massenvernichtungswaffen einsetzen.

In Afghanistan kam es am Mittwoch zu Protesten gegen die USA. In der Hauptstadt Kabul plünderten und brandschatzten Tausende das leer stehende Gebäude der US-Botschaft. Die US-Regierung solle die Lehren aus den früheren Niederlagen der Sowjetunion und Großbritanniens in dem Land ziehen, riefen die Demonstranten und skandierten "Tod für Bush" und "Gott ist groß".

Taliban werden bin Laden nicht festnehmen

Der Führer der in Afghanistan regierenden Taliban, Mullah Mohammad Omar, sagte dem US-Rundfunksender Voice of America, die USA könnte seine radikal-islamische Bewegung nicht bezwingen, um den Islamisten Osma bin Laden habhaft zu werden. Die USA betrachten Bin Laden als Hauptverdächtigen für die Anschläge, bei denen vermutlich bis zu 7000 Menschen starben. Bin Laden soll sich in Afghanistan aufhalten. Omar sagte, auch wenn die USA um eine Vielfaches stärker sein sollten, reiche es nicht, seine Bewegung zu besiegen. "Wir sind zuversichtlich, dass niemand uns verletzten kann, wenn Gott mit uns ist."

Für die zu Hunderttausenden aus Afghanistan flüchtenden Menschen forderte das UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR ein Notprogramm im Umfang von 252 Millionen Dollar (rund 534 Millionen Mark). Es sei damit zu rechnen, dass aus Furcht vor US-Angriffen noch etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge das Land verlassen werden. Derzeit sind bereits 3,5 Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan in Auffanglagern in Pakistan und im Iran untergebracht. Rund 7,5 Millionen Afghanen werden nach jüngsten Schätzungen der UNO während des Winters irgendeine Form der Hilfe benötigen.

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