Weitere Prozesse drohen
Nachzählung der Stimmen in Florida geht weiter

Das Oberste Gericht des Bundesstaates Florida hat die bereits gestern begonnene Anhörung zur US- Präsidentschaftswahl auf heute Abend vertagt.

Reuters MIAMI. Im Rechtsstreit zwischen den Demokraten und den Republikanern in den USA hat sich das Oberste Gericht des Bundesstaates am Montag nach einer ersten Anhörung beider Seiten vertagt. Die Anwälte des demokratischen Kandidaten für das Präsidentenamt, Al Gore, fordern, dass die Ergebnisse der Nachzählung in drei Wahlbezirken mit in das Endergebnis im wahlentscheidenden Bundesstaat Florida einfließen sollen. Die Anwälte des Republikaners George W. Bush hatten vorgetragen, die möglichen Veränderungen müssten negiert werden. Das Gericht ließ offen, wann die Entscheidung fallen wird. Derweil gingen die Nachzählungen in den strittigen Bezirken weiter.

Die Anhänger des Vizepräsidenten Gore hoffen darauf, dass die Nachzählung den Abstand zu Bush, der zur Zeit mit 930 Stimmen in Florida knapp vor Gore liegt, zugunsten ihres Kandidaten umkehren wird. Derjenige der beiden Kandidaten, der die Wahl in Florida gewinnt, wird 43. Präsident der USA.

Die Auszählung gestaltete sich jedoch schwieriger, als von den Demokraten zunächst vorher gesagt worden war. Auch scheinen die Vorteile für Gore geringer zu sein, als vielfach erwartet.

Nach inoffiziellen Angaben bekommt Al Gore im Bezirk Broward nach Handauszählung von 507 Stimmbezirken 113 Stimmen hinzu. 609 Stimmbezirke stehen Broward insgesamt zur Nachzählung an. Auf 180 Stimmen hatten die Demokraten hier gehofft. Auch in Palm Beach, wo für Gore 1900 Stimmen plus vorhergesagt worden waren, schienen sich die Erwartungen nicht zu erfüllen. Im Gegenteil: Nach Auszählung von 140 von 637 Stimmbezirken dürfte Bush hier sogar sieben Stimmen hinzu gewonnen haben. Mit Verspätung begann in dem größten Wahlbezirk, Miami-Dade, die Handnachzählung am Montag. Von dort gab es zunächst keine Trendmeldungen. Die Auszählung der rund 654 000 bei der Wahl am 7. November abgegebenen Stimmen könnte bis zu zehn Tagen dauern.



In den USA drohen Prozesslavinen

Neue Prozesse drohen. In Sanford nahm eine Bezirksrichterin die Klage eines Wählers der Demokraten an, der verlangt, sämtliche Briefwählerstimmen im Bezirk Seminole aus der Wertung zu nehmen - 15 215 Stimmen wären davon betroffen. Die Begründung des Klägers Harry Jacobs: die Wahlleiterin, eine Republikanerin, habe es - entgegen den Rechtsvorschriften - zugelassen, dass freiwillige Helfer aus den Reihen der konservativen Partei fehlende Daten in 4700 Anträgen auf Briefwahlunterlagen selbst eingesetzt hätten. Die Anträge wären sonst als unvollständig zurück gewiesen worden. Sollte das Gericht dem nachgeben, wäre Bushs Vorsprung mehr als dahin. Der Anhörungstermin wurde auf den 27. November festgesetzt.

Ein Bezirksrichter in West Palm Beach entschied gegen den Antrag auf Neuwahl. Die Kläger dort hatten erklärt, die Wahlunterlagen seien missverständlich gewesen, so dass viele Wähler für den von ihnen gar nicht gewünschten Kandidaten gestimmt hätten. Die Kläger wollen eine Revision.

In Broward erklärte die Chefin der dortigen Wahlaufsicht, sie könne die 15-Stunden-Tage bei der Nachzählung einfach nicht mehr schaffen und gehe deshalb jetzt in ihren geplanten Urlaub. "Irgendwer kann mich hier ersetzen, aber keiner kann mich in meiner Familie ersetzen", sagte Jane Carrol.

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