Weitere Spin-Offs geplant
Schering verschiebt Börsengang seiner Biotech-Tochter

Der Berliner Pharmakonzern Schering rechnet mit einem schweren Jahr 2001 und hat den Börsengang seiner Biotech-Tochter Metagen verschoben.

Reuters BERLIN. Der Berliner Pharmakonzern Schering rechnet mit einem schweren Jahr 2001 und hat den Börsengang seiner Biotech-Tochter Metagen verschoben. Das kommende Jahr werde unter anderem wegen der Kosten für die Markteinführung neuer Medikamente schwierig werden, sagte Schering-Finanzvorstand Klaus Pohle am Montag in Berlin. Bei Umsatz und Gewinn werden Schering dennoch mindestens um elf Prozent zulegen. Da das Investoren-Interesse an Metagen geringer als erwartet gewesen sei, werde die Firma nicht wie geplant im ersten Halbjahr 2001, sondern erst Ende 2002 an die Börse gebracht, hieß es weiter. Die Schering-Aktie gab bis zum Nachmittag stark nach. Analysten nannten unter anderem ein schwaches Betriebsergebnis im abgelaufenen Quartal als Grund.

Marketingkosten belasten Betriebsergebnis

Während Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten dieses Jahres um über 20 % zugelegt hatten, stiegen die Gewinne bei Schering aus dem operativen Geschäft nur um zwei Prozent. Dieses Betriebsergebnis sei stark von Marketing-Kosten für die Einführung neuer Medikamente belastet worden, sagte Pohle. Das werde sich voraussichtlich auch auf das vierte Quartal dieses Jahres auswirken. Außerdem hätten hohe Kosten für die Beteiligung an der Pflanzenschutzsparte von Aventis Crop-Science zu Buche geschlagen. Mit 111 Mill. Euro lag das Betriebsergebnis im dritten Quartal auch deutlich unter den Erwartungen von Analysten.

Man könne nicht immer die Steigerungsraten von Umsatz und Gewinn wie in diesem Jahr halten, sagte Pohle. Für das Gesamtjahr 2000 hob er die eigenen Umsatzerwartungen allerdings nochmals an und prognostizierte eine Steigerung gegenüber 1999 von 23 %. Bisher war Schering von einem Zuwachs um 20 % ausgegangen.

Der Umsatz des wichtigsten Schering-Medikaments, das Mulitiple-Sklerose Präparat Betaferon, kletterte in den ersten neun Monaten um 33 % auf 440 Mill. Euro. Allein in den USA ist der Absatz den Konzernangaben zufolge um 38 % gestiegen.

Beim Gruppengewinn konnte Schering den Angaben zufolge in den ersten neun Monaten um 27 % auf 270 Mill. Euro zulegen. Pohle bekräftigte seine Einschätzung, der Gewinn werde im laufenden Jahr stärker steigen als der Umsatz.

Neues Verhütungsmittel

Vorstandschef Giuseppe Vita sagte, das Unternehmen sei weiter auf einem "dynamischen Wachstumskurs". Er kündigte an, das Verhütungsmittel Yasmin ab dem 15. November auf den Markt in Deutschland zu bringen. Die Gesundheitsbehörden hätten die Zulassung erteilt. Grünes Licht habe man unter anderem auch aus den Niederlanden und Italien erhalten.

Vita beklagte, dass Deutschland zum Umsatzwachstum nur vier Prozent beigetragen habe. Dies liege weit hinter den Raten der amerikanischen und asiatischen Märkten. Dies liege auch an der Gesundheitspolitik in Deutschland. Für den Konzernumsatz insgesamt gelte, dass acht Prozent des Wachstums auf Grund der Wechselkurse etwa vom Dollar zum Euro zu Stande gekommen sei.

Schering will 30 % der Metagen-Aktien halten

Die Verschiebung des Metagen-Börsengangs begründete Finanzchef Pohle damit, dass man sich mehr Zeit für die Entwicklung des Unternehmens lassen wolle. Zur Zeit schätze man den Wert von Metagen auf 120 Mill. Euro, bis zum Börsengang Ende 2002 werde er voraussichtlich verdoppelt. Schering werde dann etwa 30 % der Aktien halten, Wagnis-Kapital-Firmen rund 55 % und die Mitarbeiter inklusive des Firmenchefs Andre Rosenthal 15 %. Metagen arbeitet an der Entschlüsselung des Erbguts mit und soll vor allem nach genetischen Ursachen von Krebserkrankungen forschen. Pohle sagte, Schering rechne in den nächsten Jahren hier mit einem Umsatzvolumen von etwa 200 Mill. Euro per anno.

Um sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren, seien weitere Abspaltungen, so genannte Spin-Offs, vom Mutterkonzern geplant, sagte Pohle weiter. So solle im nächsten Jahr die finnische Tochter Leiras Oy rechtlich verselbstständigt und an Investoren verkauft werden.

Während die Schering-Aktien in einer ersten Reaktion auf die Konzernzahlen um bis zu rund 2,5 % zulegten, gaben sie bis zum Nachmittag um 4,5 % auf 66 Euro nach. Zuvor hatte die DG Bank die Aktien von "Kaufen" auf "Akkumulieren" zurückgestuft. Grund sei das enttäuschende Wachstum beim Betriebsergebnis, sagte Analyst Peter Spengler.

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