Weitere Stellenstreichungen nicht geplant
Ericsson-Verlust höher als erwartet

Die Konjunkturschwäche der Technologiebranche hat auch dem schwedischen Telekomausrüster Ericsson im abgelaufenen Quartal einen Ertragseinbruch beschert.

Reuters STOCKHOLM. Einbußen besonders bei Mobilfunknetzen führten beim weltweit größten Ausrüster im dritten Quartal 2001 zu einem Vorsteuerverlust von 5,8 Mrd. Kronen (1,16 Mrd. DM), der damit deutlich höher als von Analysten erwartet ausfiel. Konzernchef Kurt Hellstrom gab außerdem einen skeptischen Ausblick für die kommenden Monate, schloss den Abbau weiterer Arbeitsplätze vorerst aber aus. Auch Ericsson -Konkurrenten wie Nokia , Motorola und Siemens haben angesichts der Branchenflaute mit kräftigen Einbußen zu kämpfen. Die Aktien von Ericsson legten am Freitag dennoch stark zu.

Der von Ericsson am Donnerstagabend (MESZ) bekannt gegebene Vorsteuerverlust im Konzern von 5,8 Mrd. Kronen war höher als erwartet. Marktexperten hatten im Schnitt mit einem Minus von 4,5 Mrd. Kronen gerechnet. Beim Quartalsumsatz verfehlte der Konzern mit 54,6 Mrd. Kronen ebenfalls die Erwartungen von gut 59 Mrd. Kronen.

Trübe Aussichten für das nächste Jahr

Ericsson senkte zugleich seinen Ausblick. Die Abschwächung bei Telekommunikationssystemen habe sich im dritten Quartal verstärkt, sagte Konzern-Chef Hellstrom. "Wir erwarten nun, dass sich die schwierigen Marktbedingungen auch weit in das nächste Jahr hinein fortsetzen werden." Der Netzwerk-Umsatz 2002 werde entsprechend der Marktentwicklung stagnieren oder um bis zu zehn Prozent zurückgehen. Das Geschäft mit Mobilfunknetzen steuert 80 % zum Umsatz bei. Für das vierte Quartal erwartet Ericsson einen Umsatz von 55 Mrd. Kronen und einen etwas geringeren Vorsteuerverlust als im abgelaufenen Quartal. "In jedem Fall wollen wir für das Gesamtjahr eine operative Marge von mehr als fünf Prozent erreichen, auch wenn unser Umsatz um zehn Prozent fallen sollte", hieß es.

"Es ist ein eher gemischter Bericht, aber überwiegend positiv", kommentierte Analyst Mikael Laseen vom Handelshaus Nordiska das Zahlenwerk. "Hauptsächlich wegen der Profitabilität im Geschäftsbereich Systeme und des positiven Cash-Flows." Es gebe Hoffnungsschimmer und Anzeichen einer besseren Entwicklung bei Mobiltelefonen, aber bei der Infrastruktur gebe es gegenteilige Effekte", sagte Analyst Ed Snyder von JP Morgan. Ericsson-Aktien zogen am Freitag an der Stockholmer Börse in einem festen Marktumfeld zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent auf 48,20 Schwedische Kronen an. Analysten begründeten dies mit einer verbesserten Liquidität bei Ericsson. Dies habe Befürchtungen gedämpft, der Konzern werde neue Aktien ausgeben.

Weitere Stellenstreichungen nicht geplant

Weitere Stellenstreichungen sind bei Ericsson vorerst nicht geplant, sagte Hellstrom. Das Sanierungsprogramm, wonach die Belegschaft um ein Fünftel oder 22 000 Stellen reduziert werden soll, werde Ericsson wieder profitabel machen. Von 2002 an solle der Konzern jährlich rund 38 Mrd. Kronen sparen. Bereits in diesem Jahr würden sieben Mrd. Kronen eingespart.

Ericsson teilte mit, Michael Treschow, bisher Chef beim schwedischen Haushaltsgeräteproduzenten Electrolux, solle Lars Ramqvist im März 2002 als Chairman ablösen. Auch der weltgrößte Mobiltelefon-Hersteller Nokia musste im dritten Quartal einen Ertragsrückgang verbuchen, schrieb aber noch Gewinne. Der Vorsteuergewinn beim finnischen Konzern war binnen Jahresfrist auf vergleichbarer Basis auf rund eine Milliarde Euro von knapp 1,4 Mrd. ? geschrumpft.

Arbeitsplatzabbau auch bei Motorola

Der US-Konzern Motorola will nach eigenen Angaben mit dem Abbau weiterer 7000 Arbeitsplätze auf Verluste reagieren. Damit stiege die Zahl der allein in diesem Jahr gestrichenen Stellen auf 39 000, hieß es. Erstmals seit 45 Jahren könnte der Konzern in einem Gesamtjahr operativ rote Zahlen schreiben.

Der Münchener Elektronikkonzern Siemens , der sich mit Ericsson in der Handy-Produktion um Platz drei hinter Nokia und Motorola ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert, hatte vergangenen Woche die Streichung von 2000 Arbeitsplätzen im Bereich Mobilfunknetze angekündigt, 1000 davon im Inland. In der Handy-Produktion waren schon 2600 Stellen weggefallen. Zum Abschneiden im vierten Quartal 2000/01 (zum 30. September) wollte sich ein Siemens-Sprecher am Freitag nicht äußern und verwies auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen am 14. November. Der Personalabbau werde aber das Ergebnis im vierten Quartal 2000/01 und im ersten Quartal 2001/02 belasten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%