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Weitere US-Zinssenkung gilt unter Analysten als sicher

Wegen der anhaltenden Schwäche der amerikanischen Wirtschaft wird die US-Notenbank Fed nach Einschätzung von Analysten am Mittwoch die Leitzinsen weiter senken.

Reuters WASHINGTON. Uneinigkeit besteht unter den Experten aber darin, ob der Schlüsselzins beim bevorstehenden Treffen des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) noch einmal um 50 Basispunkte oder zunächst nur noch moderat um 25 Basispunkte gesenkt wird.

Die Fed hatte im laufenden Jahr den entscheidenden Zielsatz für Tagesgeld in fünf aggressiven Zinsschritten um insgesamt 250 Basispunkte auf jetzt 4,0 Prozent gesenkt. Der für die Geldpolitik verantwortliche FOMC-Ausschuss trifft sich am Dienstag und Mittwoch zu seinen geldpolitischen Beratungen. Die Zinsentscheidung wird am Mittwoch gegen 20.15 Uhr MESZ erwartet.

Mehrheit geht von einer Senkung um 25 Basispunkten aus

Einer Umfrage unter Primärhändlern zufolge gehen 15 von 25 Befragten von einer Zinssenkung um lediglich einen viertel Prozentpunkt aus. Allerdings hatte sich die Zahl derer, die mit einem deutlicheren Zinsschritt rechnen, in den vergangenen Tagen ständig erhöht.

Die Analysten, die mit einer Senkung von 50 Basispunkten rechnen, begründen dies vor allem mit den jüngsten Konjunkturdaten. So trübe sich unter anderem die Lage am Arbeitsmarkt zunehmend ein, was wiederum Auswirkungen auf die Verbraucherausgaben habe. Die Arbeitslosenquote hatte im Mai 4,4 Prozent erreicht und sich damit deutlich von ihrem Tief bei 3,9 Prozent im vergangenen Jahr entfernt. Das produzierende Gewerbe, das von dem Konjunkturabschwung am härtesten getroffen worden sei, befinde sich weiter im Abschwung und auch der private Konsum schwäche sich bereits deutlich ab. "Die Wirtschaftsdaten scheinen besorgniserregender zu werden", sagte Mark Zandi, Chefvolkswirt von Economy.com.

Außerdem sei die Sitzung für die kommenden zwei Monate vermutlich die einzige Möglichkeit für die Notenbank, die Zinsen zu senken. Denn die Fed müsse mit weiteren Zinsschritten außerhalb des Sitzungsturnus vorsichtig sein, um an den Märkten keine übertriebenen Ängste hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung zu schüren.

Andere Analysten weisen darauf hin, dass die bisherigen Zinssenkungen der US-Notenbank einen zeitlichen Vorlauf von sechs bis neun Monaten brauchten, um zu greifen. Sie sehen die Fed vor diesem Hintergrund eher in einer abwartenden Haltung. Sie prüfe, inwieweit die Maßnahmen Erfolg zeigten. Mit einer Senkung des Schlüsselzinses um 25 Basispunkte werde die Zentralbank vor allem demonstrieren, dass sie die Situation noch nicht als ausgestanden ansehe.

Außerdem gebe es noch eine Reihe von Indikatoren, die hinsichtlich der US-Wirtschaftsentwicklung optimistisch stimmten, hieß es weiter. So hätten die Steuersenkungspläne von Präsident George W. Bush den Kongress passiert. Dies werde dazu führen, dass der Konsum in absehbarer Zeit angekurbelt werde. Auch würden die Verbraucher durch sinkende Benzinpreise mehr Geld für den Konsum zur Verfügung haben.

Auch US-Wirtschaftsminister Paul O'Neill hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass die Zinssenkungen der Notenbank eine Vorlaufzeit benötigten, um ihre Wirkung zu entfalten. "Wenn man sich die Geschichte von Zinssenkungen und ihren Effekten ansieht, dann ist es nicht ungewöhnlich, dass es bis zu sechs Monate dauert, bis irgendein Effekt für die Wirtschaft eintritt", sagte O'Neill am Sonntag. Außerdem hatte der Wirtschaftsminister gesagt, er gehe nicht davon aus, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleiten werde.

O'Neill trat damit indirekt einem Bericht des Wirtschaftsforschungsinstitutes NBER entgegen. Das National Bureau of Economic Research, das offiziell die Konjunkturzyklen der der US-Wirtschaft bewertet, hatte am Freitag nicht ausgeschlossen, dass sich die US-Wirtschaft bereits in einer Rezession befinde, also ein Minuswachstum aufweise. Allerdings spricht das NBER schon früher von einer Rezession als es nach gängiger Definition - zwei aufeinender folgende Quartale schrumpfender Wirtschaft - üblich ist.

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