Weitere Verkäufe und Schließungen angekündigt
Siemens rechnet mit ersten Erfolgen beim Umbau des US-Geschäftes

Der Siemens-Konzern rechnet im defizitären US-Geschäft trotz der schlechten amerikanischen Konjunktur mit einer baldigen Wende. Analysten blicken hingegen mit Sorge auf die Verluste in den USA.

MÜNCHEN. "Ich bin verhalten optimistisch. Unsere Arbeit trägt erste Früchte", sagt Siemens-US-Chef Klaus Kleinfeld dem Handelsblatt. Kleinfeld trimmt derzeit die Siemens-Einheiten in den USA auf Gewinnkurs und hat bereits mehrere Verlustbringer abgestoßen.

Im vergangenen Jahr hatte der Münchener Konzern im US-Geschäft noch einen Verlust von 600 Mill. Euro eingefahren. Bitter, denn die USA sind für Siemens mit einem Jahresumsatz von rund 23 Mrd. Euro und mehr als 80 000 Beschäftigten inzwischen vor Deutschland der wichtigste Markt. Offen ist, ob das US-Geschäft schon in diesem Jahr in die Gewinnzone kommt. Die bereits erzielten Gewinnverbesserungen würden sich aber durch fast alle Bereiche ziehen, meint Kleinfeld. "Bei Umsatz und im Auftragseingang werden wir in diesem Jahr deutlich wachsen. Aber im Vordergrund steht die Ergebnisverbesserung", sagt Kleinfeld.

Konzernchef Heinrich von Pierer fordert bis spätestens 2004 schwarze Zahlen im Heimatmarkt des härtesten Siemens-Konkurrenten, General Electric (GE). Seit 2001 ist Kleinfeld im Auftrag der Münchener Konzernzentrale in den USA. Anfang 2002 hat er auch offiziell von seinem Vorgänger Gerhard Schulmeyer die Leitung bei Siemens Corp. übernommen.

Kleinfeld greift hart durch. Unrentable Aktivitäten werden abgestoßen. "Wir haben bereits zehn Einheiten in den USA verkauft oder geschlossen. Und damit sind wir noch nicht am Ende," kündigte der Siemens-Manager weitere Schritte an. Größte Transaktion war bisher der Verkauf der Konzerntochter Unisphere Networks, ein Anbieter von Vermittlungsrechner für den Internetverkehr, für 585 Mill. Euro an den US-Konzern Juniper. Die Siemens-Netzwerk-Sparte ist ohnehin das größte Sorgenkind. Hier schlägt die Krise der Telekommunikationskonzerne durch. Aber auch bei Mobiltelefonen hat Siemens in den USA noch nicht Fuß gefasst. Der Münchener Konzern hat derzeit kaum Modelle am Markt, die auch in den GSM-Netzen in den USA funktionieren.

Zu schaffen macht Kleinfeld auch die derzeit anhaltend schlechte US-Konjunktur, gerade für Investitionsgüter. Dies gilt insbesondere für Kraftwerksausrüster. "Der US-Markt für Energieerzeugung hat sich zuletzt deutlich abgekühlt", stellt Kleinfeld fest. Siemens hatte in den vergangenen Jahren nach der Übernahme von Westinghouse stark vom US-Boom bei Gasturbinen profitiert. Inzwischen will sich Siemens verstärkt auf das Service-Geschäft konzentrieren, um von Konjunkturschwankungen unabhängiger zu werden.

Doch Kleinfeld kann auch Erfolge nach München melden: Anfang Juni hat Siemens zusammen mit dem US-Flugzeugkonzern Boeing einen Großauftrag über insgesamt 1,37 Mrd. $ an Land gezogen. Im Auftrag der US-Regierung werden in 438 US-Flughäfen neue Sprengstoffdetektoren installiert. Siemens und Boeing setzten sich dabei gegen fünf weitere Konsortien durch. Kleinfeld betont, der Auftrag sei profitabel.

Als Erfolg gilt dabei, dass mehrere Siemens-Bereiche - unter anderem die Sparten Verkehrs- und Medizintechnik, Logistik und Gebäudemanagement - zusammen ein Angebot abgaben. Bisher arbeiteten besonders in den USA die einzelnen Siemens-Gesellschaften noch unkoordiniert. Kleinfeld soll jetzt Synergien realisieren.

Analysten blickten zuletzt mit Sorge auf die Verluste in den USA. Dazu kommen weitere Sorgenkinder wie das Netzwerkgeschäft und die Sparte Industrielösungen. Die Siemens-Aktie ist seit längerem auf Talfahrt. Der Konzern will am 24. Juli die Ergebnisse für sein 3. Quartal veröffentlichen.

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