Weitere Zinssenkung im Oktober möglich
Greenspan erfüllt die Erwartungen

Die US-Notenbank Fed hat angesichts des Risikos einer sich weiter abschwächenden US-Konjunktur die Leitzinsen wie von Analysten erwartet zum siebten Mal in diesem Jahr gesenkt.

Reuters WASHINGTON. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld werde um 25 Basispunkte auf 3,5 % reduziert, teilte die Fed am Dienstag nach der turnusmäßigen Sitzung des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschuss (FOMC) mit. Als Grund für die Entscheidung nannte die Fed unter anderem zurückgehende Unternehmensgewinne und Investitionen. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sich nach Einschätzung von Experten nicht von dem Schritt der Fed unter Druck setzen lassen. Der Euro reagierte nur kurzzeitig mit Kursverlusten auf die Zinssenkung, an den US-Aktien- und Bondmärkten gaben die Kurse nach.

In ihrer Begründung für den Zinsschritt auf das niedrigste Leitzinsniveau seit März 1994 wies die US-Notenbank auf die weiter rückläufigen Investitionen in den USA und das nachlassende Wirtschaftswachstum im Ausland hin. Die Inflation sei dagegen weiterhin unter Kontrolle, hieß es weiter.

Analysten hatten mit einer Leitzinssenkung in genau diesem Ausmaß gerechnet. Relativ einig sind sich die Experten aber darin, dass die Fed die Zinsen weiter senken könnte, sofern sie sich durch die weitere Entwicklung der Wirtschaft dazu veranlasst sieht. "Es gibt Raum für eine weitere Senkung, aber ich bin nicht sicher, ob sie es tun werden oder nicht", sagte Bob van Order, Chefvolkswirt bei Freddie MAC. Auch Thomas Carpenter, Chefvolkswirt bei ASB Capital Management sieht die Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung. "Sie haben die Tür für eine weitere Senkung am zweiten Oktober weit offen gelassen", sagte der Volkswirt. Vor der Fed-Entscheidung hatten zwölf von 25 befragten Analysten einen achten Zinsschritt erwartet, 13 Experten prognostizierten einen bis zum Jahresende unveränderten Schlüsselzins von 3,5 %.

Den eher symbolischen Diskontsatz nahm die Fed ebenfalls um 25 Basispunkte auf 3,0 % zurück. Führende Geschäftsbanken senkten ihre Kreditzinsen für ihre Kunden mit bester Bonität in Reaktion auf den Fed-Entscheid ebenfalls. Bei den vorherigen sechs Zinsschritten in diesem Jahr hatte die Fed den Zielsatz für Tagesgeld insgesamt um 275 Basispunkte zurückgenommen. Dabei reduzierte sie den Schlüsselzins fünf Mal um 50 Basispunkte und zuletzt Ende Juni um einen Viertel-Prozentpunkt.

Fed-Chef Alan Greenspan hatte bereits Mitte Juli bei seinen Anhörungen vor beiden US-Parlamentskammern die Bereitschaft der US-Währungshüter zu Zinssenkungen signalisiert. "Es bestehen weiter Risiken, dass die Abschwächung stärker sein wird als ursprünglich erwartet, und dies könnte eine politische Antwort erfordern", hatte Greenspan mit Blick auf die konjunkturelle Lage der USA gesagt. Sein skeptischer Wirtschaftsausblick hatte an den Finanzmärkten die Erwartung einer siebten Zinssenkung verstärkt, ebenso wie der Fed-Konjunkturbericht (Beige Book) Anfang August. Darin hatte die Fed erstmals von einem Übergreifen der Schwäche der US-Industrie auf andere Wirtschaftssektoren berichtet.

Nach Einschätzung des deutschen "Wirtschaftsweisen" Horst Siebert besteht für die EZB keine Notwendigkeit, dem geldpolitischen Schritt der Fed zu folgen. "Das würde ich eigentlich nicht anraten", hatte Siebert, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), am Dienstag noch vor der Zinsentscheidung, aber in Erwartung der Senkung um 25 Basispunkte gesagt. Siebert verwies auf die um rund drei Quartale verzögerte Wirkung von Zinssenkungen auf die Konjunktur. Der EZB-Rat berät wieder am 30. August über die Geldpolitik in der Euro-Zone.

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