Weitere Zinssenkungen möglich
US-Börsen nach Greenspan-Rede leicht im Minus

Bei seinem halbjährlichen Überblick über die Lage der US-Volkswirtschaft betonte der Chef der US-Notenbank Fed , dass sich sich das Wachstum im Jahr 2001 substanziell abschwächen werde.

Reuters WASHINGTON. Die Konjunktur in den USA wird sich nach den Worten von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan 2001 deutlich abschwächen, voraussichtlich aber nicht in eine Rezession abgleiten. Vor dem Bankenausschuss des Senats sagte Greenspan am Dienstag auf die Frage, ob sich die USA bereits in einer Rezession befänden: "Im Moment ist das nicht der Fall." Analysten interpretierten die Aussagen Greenspans als Signal für weitere Leitzinssenkungen. Denn der Fed Chef wies zugleich auf die konjunkturellen Risiken hin. Das Vertrauen der Verbraucher und der Unternehmen habe deutlich nachgelassen, seien aber noch nicht eingebrochen. Der langfristig positive Ausblick für die US-Wirtschaft sei intakt. Steuersenkungen bezeichnete der Fed-Chef als geeignetes Instrument, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmer ist gesunken

Zu einer Rezession in den USA werde es nur kommen, wenn das Verbrauchervertrauen und das Geschäftsklima einbrechen würden. Dieses Szenario habe generell aber nur eine geringe Wahrscheinlichkeit. Analysten sprechen von einer Rezession, wenn das Wachstum einer Volkswirtschaft in zwei Quartalen hintereinander negativ ist.

Greenspan rechne jedoch für 2001 damit, dass sich die Wirtschaft "substanziell abschwächen" werde, sagte Greenspan im Hinblick auf das gesunkene Vertrauen der Verbraucher und Unternehmer. Zugleich seien die Lagerbestände hoch und müssten zunächst abgebaut werden. Außerdem sei nicht klar, wie weit die Abwärtskorrektur der Wirtschaft bereits vollzogen sei. Der Übergang vom hohen Wachstum der vergangenen Jahre zu einer sich schwächer entwickelnden Wirtschaft werde unter Umständen nicht reibungslos verlaufen.

Analysten rechnen mit weiteren Zinssenkungen

Der schnelle und deutliche Rückgang des Wachstums habe die Fed im Januar veranlasst, aggressiver zu handeln, als bei Konjunkturabschwächungen in der Vergangenheit, sagte Greenspan zu den jüngsten Zinssenkungen. Die Fed hatte im Januar den Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 100 Basispunkte auf jetzt 5,50 % abgesenkt. Durch die Zinssenkungen sei das Inflationsrisiko in den USA nicht größer geworden.

Analysten werteten die Aussagen des Fed-Chefs übereinstimmend als Signal für weitere Zinssenkungen der Notenbank. "Greenspan bereitet weiterhin die Märkte darauf vor, dass die Fed die Zinsen senkt, wenn sich die Konjunktur verlangsamt", sagte Jeff Palma von UBS Warburg. Die Energiepreise und die Inflationsentwicklung beunruhigten Greenspan offensichtlich nicht. "Ich glaube, wir bekommen am 20. März bei dem Treffen des Fed-Offenmarktausschusses eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte und ich erwarte, dass der Schlüsselzins bis Jahresmitte und Jahresende bei fünf Prozent liegen wird", sagte Neal Soss von Credit Suisse First Boston.

Schwächephase nur eine Frage der Zeit

Der langfristig positive Ausblick für die US-Wirtschaft ist Greenspan zufolge aber weiter intakt. Es sei lediglich eine Frage der Zeit, bis sich die Schwächephase auflöse. Die Aussichten für das langfristige Produktivitäts-Wachstum seien weiter gut. Auch die sinkenden Energiepreise seien ein wichtiger Faktor für den Konsum in den nächsten Monaten. Als mögliches Zeichen, dass die Abschwächung nicht so stark werde wie erwartet, galt unter Analysten auch der überraschend klare Anstieg der US-Einzelhandelsumsätze im Januar um 0,7 %.

Im Rahmen der Anhörung äußerte sich Greenspan auch erneut zu den Steuersenkungsplänen von US-Präsident George Bush. Der Fed-Chef sagte, eine Senkung von Grenzsteuersätzen sei ein geeignetes Instrument, um die Wirtschaftsaktivitäten anzukurbeln. Auch könnten niedrigere Steuern eine Versicherung gegen eine - allerdings wenig wahrscheinliche - Rezession sein. Gleichzeitig warnte Greenspan aber davor, dass die USA wieder mit Haushaltsdefiziten konfrontiert werden könnten, wenn die Staatsausgaben nicht unter Kontrolle blieben.

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