Weiterer Expansionskurs - Europäische Kommission skeptisch
Deutsche Post wird Mehrheitseigner bei DHL

Die Europäische Kommission ist skeptisch: Ein EU-Mitarbeiter wies am Samstag darauf hin, dass die Fusionspläne der Post einer "strengen Prüfung unterzogen werden müssten".

dpa PARIS/BRÜSSEL. Die Deutsche Post ist auch nach der geplanten Mehrheitsübernahme am Expressdienstleister DHL International weiter auf Expansionskurs, stößt aber zunächst in Kreisen der EU-Wettbewerbsbehörde auf Zurückhaltung. In Brüssel wies ein EU-Mitarbeiter am Samstag auf eine Wettbewerbs-Entscheidung der EU-Kommission vom Februar hin, wonach weitere Fusionspläne der Post einer "strengen Prüfung unterzogen werden müssten".

Die Kommission hatte anlässlich der von ihr gebilligten Übernahme des US-Luftfrachtanbieters Air Express International (AEI) durch die Post festgestellt, das Bonner Unternehmen habe "in den vergangenen zwei Jahren eine außerordentlich starke Marktposition bei den verschiedenen Post - und Frachtdiensten aufbauen können". Mit dem Kauf des US-Unternehmens war die Deutsche Post AG (Bonn) zum weltweit größten Luftfracht-Anbieter aufgestiegen.

Die Post will ihren bisherigen 25-prozentigen Minderheitsanteil bei DHL zum 1. Januar 2001 auf 51 % erhöhen und selbst am 20. November an die Börse gehen. Das hatte Post-Vorstandsvorsitzender Klaus Zumwinkel am Freitagabend in Paris bekannt gegeben. Damit würde sie nach den in der Wirtschaft üblichen Regeln die Kontrolle des Unternehmens erhalten. Im Zusammenhang mit der Post sind in Brüssel derzeit drei Wettbewerbsverfahren anhängig; zwei drehen sich im Kern um die Preispolitik des "gelben Riesen".

Weitere Akquisitionen möglich

Zumwinkel, der weitere Übernahmen nicht ausschloss, hatte in Paris erklärt, sein Unternehmen habe auch dem sechsprozentigen DHL-Aktionär Japan Airlines ein Übernahme-Angebot für deren Anteile gemacht. Der Kaufpreis für die 26-prozentige Aufstockung der Post-Beteiligung an dem Paket- und Expressunternehmen werde bar bezahlt. Die Aktien stammen aus einem Aktienpaket von 44 %, das den Gründerfamilien sowie institutionellen Anlegern gehört. Der genaue Kaufpreis wurde zwar nicht genannt, bewegt sich nach Andeutungen Zumwinkels aber in der Größenordnung von einer halben Milliarde $. An den Börsenplänen der DHL für das Jahre 2002 werde festgehalten.

Die Bekanntgabe in Paris, wo weder Deutsche Post noch DHL besondere Aktivitäten haben, wurden von französischen Medien als Antwort auf die drei Tage zuvor verkündete Allianz zwischen dem US- Expressdienst Federal Express (Fedex) und der französischen Chronopost gewertet.

Die Mehrheits-Übernahme an DHL erfolgte in enger Abstimmung mit der Lufthansa, erklärte Karl-Ludwig Kley, Finanzvorstand des Lufthansa-Konzerns. Beide Unternehmen wollten DHL weiter ausbauen. Lufthansa Cargo hielt bislang ebenso wie die Post 25 % plus eine Aktie der Gesamtanteile an DLH International. Beide hatten ihre Logistik-Aktivitäten im April im Gemeinschaftsunternehmen Aerologic GmbH gebündelt. Lufthansa Cargo und Post wollten ihre strategische Zusammenarbeit festigen und weiter entwickeln, so Kley.

Umsatz soll um mehrere Milliarden steigen

Die in den USA gegründete DHL International (Sitz Brüssel) ist auf schnellen Transport von Sendungen spezialisiert und erzielte 1999 weltweit einen Umsatz von 5,1 Mrd. $ (damals 9,4 Mrd. DM). Mit 64 000 Mitarbeitern ist es als Branchenführer mit einem Marktanteil von rund 40 % in 228 Ländern vertreten. DHL betreibt weltweit eine Flotte von 250 Flugzeugen und 19 000 Fahrzeugen. In Branchenkreisen wird der Wert von DHL auf knapp 50 Mrd. DM beziffert. DHL wird künftig weiter als eigenständiges Unternehmen geführt und das derzeitige Management beibehalten.

Die Deutsche Post AG rechnet nach Angaben ihres Vorstandsmitglieds Edgar Ernst im Gesamtjahr 2000 mit einem Umsatz von 30 Mrd. Euro, nach 22,36 Mrd. Euro im Vorjahr. Sie plant, "in den kommenden vier oder fünf Jahren" den gemeinsamen Beitrag zum operativen Gewinn der Post von Expressdiensten, Logistik und Finanzdienstleistungen auf 50 % zu steigern. Beim Börsengang der Post soll das Ausgabe-Volumen am unteren Ende der Spanne zwischen 25 bis 33 % des Stammkapitals liegen. Sie basiert auf einem Gesamtkapital in Höhe von 1,112 Mrd. Aktien, die zu gleichen Teilen an Händler und Investoren gehen sollen. Alle zehn Mill. Kunden der Deutschen Postbank könnten mit Aktienzuteilung rechnen.

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