Weiterer Fall bei Baby von ABC-Mitarbeiterin
Neue Anthraxfälle schüren Angst vor Biowaffenterror

In den USA sind neue Fälle von Hautmilzbrand bekannt geworden, die die Furcht vor Anschlägen mit biologischen Waffen in der Bevölkerung weiter verstärkten.

rtr WASHINGTON. Die Gesundheitsbehörden in Florida teilten am Montag mit, es sei ein weiterer Fall von Lungenmilzbrand bei einem Mitarbeiter einer Mediengruppe in Boca Raton festgestellt worden. Ein Fotoreporter des Unternehmens war Anfang des Monats an Milzbrand (Anthrax) gestorben. Ferner erkrankte in New York ein Baby eines Angestellten des Senders ABC an Hautmilzbrand. Der Chef der demokratischen Fraktion im US-Senat, Tom Daschle, erhielt eine Postsendung, die Milzbranderreger enthielt. 50 potenziell gefährdete Personen wurden mit Antibiotika behandelt. US-Präsident George W. Bush schloss eine Verbindung zwischen dem Islamisten Osama bin Laden und den Milzbrandfällen nicht aus.

Die Gesundheitsbehörden in Florida teilten mit, es sei ein 73-jähriger Mitarbeiter des Medienunternehmens American Media an Lungenmilzbrand erkrankt. Er habe in der Poststelle der Firma gearbeitet. Der Mann werde im Krankenhaus behandelt. "Sein Zustand bessert sich, und die Gesundheitsbehörden sind von diesen Fortschritten ermutigt", hieß es weiter. Ermittler hatten nach dem Tod des Fotoreporters Anfang des Monats Milzbrand-Sporen auf dessen Computertastatur entdeckt. Die US-Gesundheitsbehörden hatten daraufhin Bluttests an rund 1000 Mitarbeitern des Unternehmens sowie Besuchern des Zeitungshauses angeordnet.

Milzbrandsporen waren am Montag auch im Hauptpostamt von Boca Raton festgestellt worden. Die Gesundheitsbehörden teilten mit, die Kleinstmengen an Sporen seien in einem nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Teil eines Postsortiergebäudes entdeckt worden. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Erreger für Postmitarbeiter oder Kunden eine Gefahr darstellten.

Der Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, sagte zu dem Hautmilzbrandfall in New York, die medizinische Behandlung habe bei dem erkrankten Baby positiv angeschlagen. "Wir hoffen, dass das Kind völlig gesunden wird". In New York war bereits in der vergangenen Woche eine Mitarbeiterin des Senders NBC an Milzbrand erkrankt. Sie hatte mit einem mit Milzbrand versetzten Brief hantiert, der an den populären Nachrichtenjournalisten Tom Brokaw gerichtet war.

Der Inhalt der Sendung an Daschles Büro sei positiv auf die Anthrax-Erreger getestet worden, sagte ein Sprecher des Sicherheitsdienstes des Kongresses in Washington. 40 bis 50 Personen - darunter Mitarbeiter Daschles, Polizisten und Postbeamte - wurden vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Das unweit des Kapitols gelegene Büro Daschles wurde von der US-Bundespolizei FBI unter Quarantäne gestellt. Der für die medizinische Versorgung im US-Parlament zuständige Arzt John Eisold sagte auf einer Pressekonferenz, allen mit Antibiotika behandelten Personen gehe es gut. Sie seien nach der Behandlung nach Hause entlassen worden. Er glaube nicht, dass einer der Betroffenen gefährdet sei. Allerdings werde dies erst die Zukunft weisen.

Ein führendes Institut für Familienplanung in den USA erhielt unterdessen in 90 seiner Büros und Abtreibungskliniken Drohbriefe, die auf Spuren von Milzbrandbakterien untersucht wurden. Der Bund für Familienplanung in Amerika teilte mit, die mit einem unbekannten Pulver versetzten verdächtigen Briefe seien in seinem Büro in Washington sowie in angeschlossenen Einrichtungen in mindestens 13 Bundesstaaten eingegangen. Sie würden von Behördenvertretern auf Milzbranderreger untersucht. Bislang habe es keine Berichte über Krankheitsfälle im Zusammenhang mit dem Eingang der Drohbriefe gegeben. Ein erster Test des Inhalts eines Briefs sei in einem Labor in North Carolina negativ ausgefallen. Einige der Briefe hätten Nachrichten von einer Gruppe namens "Armee Gottes" enthalten.

US-Präsident Bush sagte nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in Washington, es gebe möglicherweise eine Verbindung zwischen Bin Laden und der Serie von Milzbrandfällenn in den USA. "Es gibt noch keine harten Fakten, aber es ist klar, dass Bin Laden ein böser Mensch ist", fügte Bush hinzu. Bush forderte die Amerikaner zur Wachsamkeit beim Umgang mit ihrer Post auf. Alles, was ihnen verdächtig vorkomme, sollten die Bürger der Polizei übergeben. Die USA machen Bin Laden und El Kaida für die Anschläge in New York und bei Washington vom 11. September verantwortlich. Die USA greifen seit dem 7. Oktober mit britischer Unterstützung Ziele in Afghanistan an, nachdem die radikalislamische Taliban-Regierung eine Auslieferung Bin Ladens abgelehnt hatte.

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