Weiterer Fusionskandidat für Voicestream
Telekom spricht mit Cingular

Auf der Suche nach einem Fusionspartner für die US-Mobilfunktochter Voicestream führt die Deutsche Telekom auch Gespräche mit Cingular. Sollten die Unternehmen fusionieren oder die Telekom Voicestream ganz verkaufen, müsste der Konzern einen hohen Milliardenbetrag abschreiben.

slo/wsj DÜSSELDORF/NEW YORK. Bisher ist es noch kein Muss. Aber wenn die Deutsche Telekom ihre US-Mobilfunktochter Voicestream verkauft oder mit einem Konkurrenten fusioniert, werden auch bei dem Bonner Konzern hohe Abschreibungen auf den Firmenwert fällig. Analysten schätzen diese auf etwa 15 bis 20 Mrd. Euro.

Die Telekom hat Voicestream im Mai vergangenen Jahres für mehr als 30 Mrd. Euro übernommen. Nach Angaben von Branchenexperten ist der US-Mobilfunker heute aber nur 10 bis 15 Mrd. Euro wert. Derzeit spricht die Telekom mit Voicestream-Wettbewerbern über Partnerschaften. Denn die US-Tochter der Telekom ist die Nummer sechs auf dem US-Mobilfunkmarkt - nach Ansicht von Analysten zu klein, um auf Dauer zu überleben.

Neben AT&T Wireless gehört jetzt auch die zweitgrößte US-Mobilfunkgesellschaft Cingular Wireless zu den potenziellen Kandidaten für eine Fusion mit Voicestream. Dies verlautete aus Unternehmenskreisen. Wie bereits berichtet, bot Voicestream dem Wettbewerber eine Fusion im Wert von 15 bis 20 Mrd. Euro an. Die Gespräche befänden sich im Anfangsstadium, wichtige Punkte wie Preis, Eigentümerstruktur und Stimmrechte stünden noch nicht auf der Agenda, heißt es in Unternehmenskreisen.

Die Börse begrüßte die Verhandlungen. Der Aktienkurs der Telekom stieg im Tagesverlauf um mehr als 2 % auf rund 11,80 Euro. Analysten sehen bei einem Zusammengehen von Voicestream und Cingular Vorteile für beide Seiten. Cingular könne seinen Schwachpunkt, Engpässe in der Netzabdeckung, beheben, schreiben Analysten von UBS Warburg in einer jüngst erschienen Analyse. Und Voicestream könne sein vorrangiges Problem lösen-das liegt in der verhältnismäßig geringen Kundenzahl von etwa 8 Millionen. Für eine Fusion spricht auch, dass Cingular zurzeit auf den GSM-Mobilfunkstandard umstellt, den Voicestream bereits nutzt. In einigen US-Bundesstaaten arbeiten die Unternehmen daher bereits zusammen.

In einer Fusion der US-Tochter mit einem anderem Unternehmen sehen viele Analysten für die Telekom zudem eine gute Möglichkeit, ihren derzeitigen Schuldenberg abzubauen. Der Konzern will seine Verbindlichkeiten bis Ende 2003 von derzeit etwa 65 auf 50 Mrd. Euro senken. Details zu diesen Plänen erwarten Branchenexperten heute bei der Präsentation der Halbjahreszahlen durch Telekom-Interimschef Helmut Sihler.

Doch einige Analysten reagierten mit Skepsis auf die Fusionsgespräche zwischen Voicestream und Cingular. "Die Telekom kann in dem Fall nur Juniorpartner werden. Damit würde sie einige strategische Vorteile und Wachstumsaussichten abgeben", sagte Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Branchenexperten sehen in Voicestream den Wachstumstreiber Nummer eins bei der Telekom-Mobilfunksparte T-Mobile. Denn der US-Mobilfunkmarkt ist noch nicht so gesättigt wie die europäischen Märkte, wo etwa 70 % der Menschen bereits ein Mobiltelefon haben. In den USA besitzen 45 % der Bevölkerung ein Handy.

Eine komplizierte Stimmrechtsregelung bei Cingular zwischen den Eigentümern SBC Communications (60 %) und Bell South (40 %) könnte eine Fusion mit Voicestream zudem erschweren. Branchenexperten halten die Chancen für eine solche Partnerschaft daher für relativ gering.

Quelle: Handelsblatt

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