Weiterer Kursanstieg erwartet
“Roter” Mai verspricht Kursanstieg in Russland

Wenn das Riesenreich zwischen dem Tag der Arbeit und dem Tag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg (9. Mai) und ihren Ausnüchterungs-Ausläufern bis zum 12. Mai Urlaub macht, steigen die Kurse.

mbr MOSKAU. Statistisch gesehen legt der Moskaus RTS-Aktienindex in der Zeit des "roten" Mais um durchschnittlich 6,1 % zu, meint die russische MDM-Bank. Sie geht deshalb davon aus, dass der RTS jetzt erstmals seit Januar 1998 die 400-er Marke nach oben durchstößt. Am Dienstag, dem letzten Handelstag vor den Feiertagen, sackte der Index aber zunächst leicht ab.

Es zahle sich aus, zu kaufen und die Feiertage abzuwarten, meint etwa Kirill Tremasow, Chefanalyst der MDM-Bank. Vom 6. bis 8. Mai wird am Aktienmarkt in Moskau gehandelt. Auch Konstantin Tschornyschew vom Brokerhaus Nikoil hat den "Mai als Wachstumsmonat" für Russen-Papiere ausgemacht. Einige Analysten hingegen rechnen schon bald mit einer Korrekturphase.

Die Fundamentaldaten in Russland stimmen indes: Als Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt wurden jüngst 4 % bestätigt. Die meisten russischen Unternehmen haben hohe Dividenden beschlossen. Die Abhängigkeit des russischen Aktienmarkts von volatilen Märkten wie der New Yorker Nasdaq scheint ebenfalls endgültig durchbrochen: Während Russlands RTS seit Jahresbeginn um gut die Hälfte zulegte, nahmen die Kurse an der US-High-Tech-Börse um rund ein Viertel ab. "Diese Wachstumstendenz bei uns hält wohl weiter an", meint Alexander Kortschagin vom Moskauer Investmenthaus Prospekt.

Dies bestätigen auch die Groß-Investments westlicher Ölkonzerne in Russland: British Petroleum, Total Fina Elf und Shell haben ihr Ost-Engagement deutlich ausgeweitet. Der größte Outperformer der russischen Börse, der Ölförderer Bashneft hat zudem beschlossen, dass Ausländer sich mit bis zu 10 % beteiligen können. Die Bashneft-Aktien glänzen mit Kursgewinnen seit Jahresbeginn von knapp 200 %. Und Russlands zweitgrößter Ölkonzern, Yukos , will 10 % seiner Aktien an einen strategischen West-Investor geben. Branchenprimus Lukoil unternimmt derweil große Anstrengungen, um beim Wachstum mit seinen Verfolgern mithalten zu können. Florian Fenner, deutscher Fondsmanager in Moskau, rechnet mit "weiteren guten Nachrichten von Lukoil, denn der Staat will sich über die Börse ja von seinen letzten Lukoil-Aktien trennen. Für diese Privatisierung braucht der Kreml hohe Preise".

Nach Ansicht der Moskauer Investmenthäuser Centrinvest und Vereinte Finanzgruppe (UFG) werden durch Präsident Putins Reformen vor allem die Rahmenbedingungen verbessert. Steuersenkungen und transparentere Unternehmensführung (Corporate Governance) führten zu deutlich höheren Unternehmensgewinnen. Die UFG nennt Wladimir Putin "Kreml-Bulle". Dies heißt auf Börsen-Russisch: Steigende Kurse wegen der politischen Lage. Die zunehmende Nachfrage nach Russen-Aktien treibt die Preise zudem deutlich. Immer mehr Fonds decken sich wegen Moskaus guter Performance mit den "roten" Papieren ein.

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