Weiterer Schlag für den Neuen Markt
EM.TV: Ehemaliger Börsen-Star schockt selbst Pessimisten

Schlimmer geht es immer: Viele Anleger und Analysten haben sich in den letzten Wochen angesichts der Talfahrt des EM.TV-Aktienkurses und der Turbulenzen um den einstigen Börsenstar gedacht, dass der Tiefpunkt erreicht sei.

dpa MÜNCHEN. Mit der drastischen Korrektur der Gewinnprognose schockte das Unternehmen am späten Freitagabend aber selbst viele Pessimisten. Statt mit einer Verdreifachung des Ergebnisses vor Steuern rechnet der Konzern nunmehr mit einem starken Gewinneinbruch. Angesichts der schlechten finanziellen Lage des Konzerns wird eine Übernahme durch die Münchner KirchGruppe wahrscheinlicher. Die Verhandlungsposition von EM.TV-Chef Thomas Haffa hat sich allerdings verschlechtert.

Die Warnung von EM.TV könnte dem ohnehin schon gebeutelten Neuen Markt nach Einschätzung von Beobachtern einen weiteren Schlag versetzen, galt doch der Lizenzhändler lange Zeit als unangefochtener Star unter den Wachstumswerten.

Abschreibungen noch nicht eingerechnet

Statt ursprünglich erwarteter 525 Mill. DM werde das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) wohl nur 50 Mill. DM betragen, teilte EM.TV am Freitag nur wenige Wochen vor Jahresende mit. Die Abschreibungen für die milliardenschweren Zukäufe sind noch gar nicht eingerechnet. Auch beim Umsatz werde man mit knapp 1,4 Mrd. DM hinter den eigenen Planungen zurückbleiben. Die Wirtschaftsprüfer sollen angesichts der Löcher in den Bilanzen auf die Notbremse getreten haben, hieß es im Umfeld des Unternehmens. "Die Zahlen sind noch schlimmer als befürchtet", sagte Karim Serrar vom Finanzdienstleister GoingPublic dem Nachrichtensender n-tv.

Ertragseinbrüche im Kerngeschäft

Überraschend kommt für viele Beobachter auch, dass die Korrektur der Planung vor allem mit geringeren Margen begründet wird. Analysten waren davon ausgegangen, dass sich EM.TV möglicherweise beim Einstieg in die Formel 1 verhoben haben könnte. Nun aber deutet alles darauf an, dass es auch im lange Zeit hoch lukrativen Kerngeschäft Lizenzhandel Ertragseinbrüche gibt.

Auch bei den Mitarbeitern ist die Stimmung am Boden. "Alle sind enttäuscht", sagte einer von ihnen am Wochenende. Die Beschäftigten, die die Erfolgsstory von Anfang an mitschrieben, hätten zuletzt von den Problemen im Unternehmen erfahren.

EM.TV rutscht nachbörslich auf 13 Euro ab

Andere dagegen wussten möglicherweise schon vorher etwas. In der vergangenen Woche wurde wild über eine mögliche Gewinnwarnung spekuliert. Vor Bekanntgabe der Korrektur der Prognose sackte der EM.TV-Aktienkurs am Freitag noch einmal um fast 17 % auf 16 Euro ab. Im außerbörslichen Handel gab er am Wochenende weiter auf zwischenzeitlich nur noch 13 Euro nach. Das Jahreshoch lag bei 120 Euro, nach der Korrektur der Halbjahreszahlen und dem Wechsel des Finanzvorstands hatte der Kurs bereits kräftig nachgegeben. Nun seien alle negativen Nachrichten "eingepreist", dachten viele Anleger und setzten, unterstützt von Kaufempfehlungen der Banken, noch im Oktober und November auf eine Renaissance der Aktie.

Pressekonferenz am Montag

Am Montag will der EM.TV-Vorstand vor die Presse treten und die Neun-Monats-Zahlen erläutern. Trotz der guten Beziehungen zwischen Leo Kirch und EM.TV-Chef Haffa, der lange für Kirch arbeitete, wird dabei die Übernahme durch die KirchGruppe wohl noch nicht verkündet. In Internetforen wurde bereits spekuliert, Kirch könne den EM.TV-Vorstand noch eine Weile zappeln lassen oder die Übernahme ganz abblasen.

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