Weiterer Schuldenabbau angekündigt
Tui läutet wohl letzte Verkaufsrunde ein

Zu den wenigen guten Nachrichten für Anleger und Finanzinvestoren gehörte beim Reiseriesen Tui auf der Bilanzpressekonferenz Mitte dieser Woche die Ankündigung zum weiteren Schuldenabbau.

Reuters HANNOVER. Binnen zwei Jahren soll der Schuldenstand bis Ende 2004 von 5,4 Mrd. ? auf unter drei Mrd. ? gedrückt werden. Dies soll die nicht nur von sinkenden Touristikergebnissen, sondern auch von hohen Kreditzinsen belastete Tui-Bilanz nachhaltig verbessern. 2002 wies Tui ein negatives Zinsergebnis von 230 Mill. ? aus, nach minus 306 Mill. ? im Jahr zuvor. Das Ziel von Tui außerdem: Ein Finanzrating "investment grade".

Auf fast acht Mrd. ? türmte sich in der Spitze im Jahre 2000 der Schuldenberg im einstigen Preussag-Konzern. Der Grund war die Einkaufstour von Konzernchef Michael Frenzel in der Touristik mit den Übernahmen von Hapag-Lloyd und deren Beteiligung an Tui Deutschland, der britischen Thomson Travel und der französischen Nouvelles Frontieres.

Seither stößt der Konzern nach und nach die alten Beteiligungen ab. Nach dem Verkauf der Energie-Sparte, die in diesem Jahr mit Erlösen von rund 1,6 Mrd. ? zu Buche schlägt, hat Tui nun eine weitere, vorerst wohl tatsächlich letzte Verkaufsrunde eingeläutet: Sie soll nach Tui-Angaben eine weitere Milliarde Euro Schuldenabbau bringen. Dazu gehören die schrittweise Trennung von den Unternehmen des Handelsbereichs, Randbereichen der Logistik und weiteren Bereinigungen im Portfolio, sagte Tui-Sprecher Nikolai Juchem am Freitag.

Etwa die Hälfte, rund 500 Mill. ?, werde der Handelsbereich mit der britischen Metallhandelsgruppe AMC und den US-Stahlhandelsgesellschaften einbringen, sagte Juchem. Nicht richtig seien Darstellungen, wonach schon der vermutlich in Kürze abgeschlossene AMC-Verkauf diese Summe eintrage.

AMC büßte im vorigen Jahr bei einem leichten Umsatzplus auf 2,4 Mrd. ? 25 % seines operativen Ergebnisses auf 26 Mill. ? ein. Das Stahlservice-Geschäft von Preussag North America, das im Vorjahr bei stabilem Umsatz von 750 Mill. ? das Ergebnis auf 30 Mill. ? dagegen verbesserte, werde wohl erst 2004 verkauft.

Für die dann noch fehlende zweite halbe Milliarde Euro steht zum einen die Logistik-Sparte auf dem Prüfstand. Hier will Tui sich von Randbereichen in der VTG-Lehnkering-Gruppe trennen. Der Kern der in Hamburg ansässigen Gruppe, die Schienenlogistik, solle erhalten bleiben, hatte Tui-Chef Michael Frenzel Mitte der Woche betont. Demnach stehen voraussichtlich das Tanklagergeschäft, die Straßenspedition und der Bereich Chemieservice zum Verkauf. Unangetastet soll dagegen das Kerngeschäftsfeld der Logistik, die Containerschifffahrt der Hapag Lloyd AG, bleiben.

Allerdings besitzt Tui noch eine ganze Reihe im Geschäftsbericht nicht eigens ausgewiesener Beteiligungen, die nicht zu den Kernbereichen Touristik und Logistik zählen. "Wir werden uns daher von Assets und Beteiligungen, die ihre Eigenkapitalverzinsungen nicht ausreichend verdienen oder außerhalb unseres strategischen Fokus liegen, trennen", erklärte Frenzel auf der Bilanzpressekonferenz.

Damit wird Ende 2004 von dem einstigen Industriekonglomerat Preussag mit hunderten von Unternehmen aus Branchen wie Stahl, Kohle, Erdöl- und Erdgas, Anlagenbau, Gebäudetechnik, aber Telekommunikation oder der Herstellung von Feuerlöschern so gut wie nichts nicht mehr übrig geblieben sein. Der voriges Jahr in Tui umbenannte Mischkonzern wäre dann der weltweit umsatzstärkste Touristikkonzern, nur noch ergänzt um die entfernt verwandte Logistiksparte für Industrietransporte zu Wasser und auf der Schiene.

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