Weiterer Stellenabbau
Trübe Aussichten für den Einzelhandel

Der deutsche Einzelhandel rechnet angesichts anhaltender Konsumflaute für 2001 nur mit "Nullwachstum" und weiterem Stellenabbau.

dpa-afx FRANKFURT. Erst Mitte 2002 könne die Branche wieder auf eine stärkere Konjunkturbelebung hoffen, sagte der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG), Walter Deuss, Donnerstag in Frankfurt. Den 2,6 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel droht nach Meinung des früheren Karstadt-Chefs ein weiterer Wegfall von Arbeitsplätzen. "Ich gehe davon aus, dass der Einzelhandel bundesweit auch in diesem Jahr weiter Stellen streicht", sagte Deuss. Ohnehin arbeiten in der Branche nur noch weniger als die Hälfte der Beschäftigten Vollzeit. Der Rest sind 630-DM-Jobs oder Teilzeit-Arbeitsplätze.

Besonders die mit rund 3,0 % unerwartet hohe Teuerung hier zu Lande - ausgelöst durch BSE sowie die Preissteigerung bei Energie und Kraftstoffen - hat den Verbrauchern einen großen Teil ihrer Kaufkraft abgeschöpft. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit habe die Hoffnungen auf einen Konsumschub zudem schon zu Jahresbeginn zunichte gemacht, beklagte Deuss. Nicht zuletzt der "Wettlauf" der Konjunkturforscher um die schlechteste Prognose zum Wachstum der hiesigen Wirtschaft drücke stark auf die Stimmung der Verbraucher.

Der Einzelhandel werde 2001 daher allenfalls ein Umsatzplus von 1,0 bis 1,5 % erzielen. Nach Abzug der Preiserhöhungen dürften die Erlöse nach BAG-Schätzung sogar lediglich auf dem Vorjahresniveau von rund 740 Mrd. DM verharren. "2002 haben wir aber die Chance, vielleicht wieder über zwei Prozent Wachstum zu kommen", macht Deuss Mut.

HDE befürchtet Umsatzminus

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) befürchtet für das laufende Jahr unterdessen sogar ein reales Umsatzminus von bis zu einem Prozent. "Daran wird auch der bislang ordentliche Sommerschlussverkauf nichts ändern. Das ist keine Trendwende", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr.

Besonders enttäuschend verlief laut BAG bislang der Handel mit Textilien. Während bei Frauenbekleidung der Absatz konstant blieb, griffen die Herren weniger zu. Als zuverlässiger Umsatzbringer erweisen sich die Jugendlichen. Die Sparte "Junge Mode" hat zweistellige Zuwachsraten. Sehr gefragt sind außerdem Waren rund um die Telekommunikation und Elektroartikel. Schlechter laufen dagegen Sportgeräte, Schreibwaren, Bücher, Uhren, Schmuck sowie Spielzeug.

Der BAG-Präsident plädierte dafür, zu einer reibungsloseren Umstellung von D-Mark auf Euro zum Jahresende, die Öffnungszeiten am letzten Adventswochenende auf 22 Uhr auszudehnen. So könnten Kunden ihr DM-Kleingeld beim Einkaufen in den Geschäften bereits in Euro tauschen. Ohnehin solle spätestens nach der Bundestagswahl im Herbst 2002 das Thema Ladenschluss neu auf die Tagesordnung kommen, forderte Deuss. Besonders in den Innenstädten müsse die Möglichkeit gegeben werden, die Geschäfte bis 22 Uhr an Werktagen zu öffnen.

HDE-Sprecher Pellengahr kritisiert diesen BAG-Vorstoß jedoch scharf. Das letzte Adventswochenende unter dem Deckmantel des verbesserten DM-Umtauschs für zusätzliche Verkaufszeiten zu nutzen sei "Unsinn" und gehe "völlig an der Sache vorbei". Schließlich müssten die Verbraucher auch für die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr D-Mark in der Tasche haben. Für die Beschäftigten sei ein zusätzlich verlängertes Weihnachtsgeschäft außerdem "eine Zumutung". Auch die geforderte Ladenöffnung "zu Gunsten der Innenstädte" bis 22 Uhr sei absurd. "Wenn, dann muss gleiches Recht für alle gelten", betonte Pellengahr.

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