Weiteres Wachstum erwartet
RWE auf Rekordkurs

Der Energiekonzern RWE AG hat im Geschäftsjahr 2000/01 sein Betriebsergebnis vor allem dank Zukäufen kräftig erhöht und erwartet eine Fortsetzung des Wachstums auch im Rumpfgeschäftsjahr Juli bis Dezember 2001.

Reuters ESSEN. Das Betriebsergebnis stieg im Jahr zum 30. Juni um 41 % auf knapp 4 Mrd. ?, teilte RWE am Mittwoch anlässlich der Bilanzpressekonferenz in Essen mit. Das Nettoergebnis nahm dagegen nur um 4,3 % auf 1,3 (1,2) Mrd. ? zu. Der Konzern begründet dies mit den hohen Gewinnen, die im Vorjahr vor allem durch den Verkauf des Telekommunikationsgeschäfts vereinnahmt wurden. Die aktuellen Geschäftszahlen lagen im Rahmen der Analystenerwartungen.

Gewinnsteigerungen in Kerngeschäften erwartet

Die Wachstumsprognose für das laufende Rumpfgeschäftsjahr basiere auf erwarteten Gewinnsteigerungen vor allem in den Kerngeschäften, teilte RWE weiter mit. Eine genauere Vorhersage machte das Unternehmen zunächst nicht. Bis 2003 soll aber der "absolute Wertbeitrag" (Wertsteigerung des eingesetzten Kapitals) von 770 Mill. ? im abgelaufenen Jahr verdoppelt werden. RWE legt im Konzern ein Rumpfgeschäftsjahr ein, um sein Geschäftsjahr künftig mit dem Kalenderjahr deckungsgleich zu haben. Die Börse reagierte auf die Ankündigungen mit Kurszuwächsen.

Der Gewinnzuwachs im abgelaufenen Jahr resultierte den Angaben zufolge maßgeblich aus der Ende 2000 vollzogenen Übernahme des britischen Wasserversorgers Thames Water Plc. Das Wassergeschäft sei bereits heute das ertragstärkste im Konzern, sagte Vorstandschef Dietmar Kuhnt. RWE hatte vorige Woche angekündigt, mit der Übernahme des US-Wasserversorgers American Water Works das Wassergeschäft weiter auszubauen. Bis 2003 werde das Wassergeschäft 35 % zum Vorsteuerergebnis beitragen, sagte Kuhnt. Zusammen mit American Water bleibe RWE zwar gemessen an der Kundenzahl die Nummer drei in der Welt. Im Vergleich des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern liege man dann aber auf Platz zwei vor der französischen Vivendi und hinter der ebenfalls französischen Suez-Gruppe.

Verstärkung der Präsenz in den USA

Die Präsenz in den USA will RWE auch im Energiegeschäft verstärken. Dabei denkt RWE nach eigenen Angaben vor allem an die Erzeugung von Gas und Strom. Die US-amerikanische Tochter Consol solle von einem reinen Bergbauunternehmen in einen breiter aufgestellten Brennstoff-Lieferanten umgewandelt werden. Als Stromversorger will der Konzern aber nicht auftreten, weil er dann mit dem unter dem Namen "Puhca" bekannten Gesetz in Konflikt käme, das einem Energieversorger andere Aktivitäten untersagt. Kuhnt betonte, RWE werde künftig weiter nach Akquisitionsmöglichkeiten Ausschau halten und beabsichtige dabei nicht, ein Kerngeschäft überproportional zu verstärken. Laufende Kostensenkungen und neue Stromlieferverträge werden Kuhnt zufolge dazu führen, dass im traditionellen Geschäftsfeld Energie das Betriebsergebnis über dem Vergleichsniveau des Vorjahres liegen wird. Vorstand Manfred Remmel kündigte eine weitere Strompreiserhöhung an. Ob diese mehr als den Ausgleich der für nächsten Januar im Rahmen der Ökosteuerreform anstehenden Strompreiserhöhung von 0,5 Pfennig je Kilowattstunde bringen wird, wollte Remmel nicht sagen.

Die Stromerzeugung ist bei RWE nach Angaben von Finanzvorstand Klaus Sturany defizitär. Im abgelaufenen Jahr hat der Bereich nach Aussage von Finanzvorstand Klaus Sturany einen Verlust von 35 Mill. ? gemacht. Außerdem habe RWE Rückstellungen von 400 Mill. ? aufgelöst. Im Jahr zuvor sei der Verlust aber noch größer gewesen, die Tendenz sei mithin positiv. In der Energieerzeugung werde RWE spätestens 2003 und damit ein Jahr früher als geplant die Gewinnzone wieder erreichen, versicherte Vorstandschef Kuhnt. Die geplante Ausgliederung der Mineralöltochter RWE Dea in eine Kooperation mit Shell wird nach Kuhnts Erwartung schwierige Verhandlungen mit dem Kartellamt mit sich bringen. Verstärkt würden die Probleme vor allem dadurch, dass der Konkurrent E.ON sich ebenfalls von seinem Mineralölgeschäft trennen und dies bei BP einbringen will. Letztlich rechne RWE aber mit der Freigabe.

In der Frage der Neuorientierung des Kraftwerkbetreibers Steag deutet sich Sturany zufolge eine Lösung an. Die Übernahme der Steag-Kraftwerke durch RWE sei aber nicht wahrscheinlich. RWE, die rund 80 % des von Steag erzeugten Stroms abnimmt, hatte in der Vergangenheit Interesse an den Kraftwerken bekundet. Steag gehört der Ruhrkohle AG (RAG), deren Großeigentümer der RWE-Konkurrent E.ON ist.

Die RWE-Aktie lag im Handelsverlauf am Mittwoch mit 1,63 % im Plus bei 40,55 ?.

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