Weiterfahrt nach Lokschaden - Widerstand wächst
Castor-Zug von Demonstranten kurzzeitig gestoppt

Nach einer nahezu reibungslosen Fahrt quer durch Deutschland haben Atomkraftgegner den Castor-Zug mit hoch radioaktivem Atommüll am Dienstag vorübergehend gestoppt. Trotz des Einsatzes Tausender Polizisten entlang der Strecke gelang es zwei Demonstranten vor Lüneburg, sich an Gleise anzuketten. Die Polizei benötigte etwa eine Stunde, um die Blockade zu räumen.

Reuters LÜNEBURG. Während dieser Zeit musste der Zugverkehr auf der ICE-Hauptstrecke weiträumig umgeleitet werden. Der Atomtransport wurde im Laufe des Tages in Dannenberg erwartet, wo die sechs Castor-Behälter zur Weiterfahrt ins Zwischenlager Gorleben auf Tieflader umgeladen werden sollten.

Bereits am Morgen hatte der Zug wegen technischer Probleme in Maschen bei Hamburg für mehrere Stunden halten müssen, konnte aber seine Fahrt nach einer Reparatur fortsetzen. In der Nacht hatte der Transport die Strecke durch Baden-Württemberg, Bayern und Hessen weitgehend ohne Zwischenfälle zurückgelegt. Lediglich bei Heilbronn setzte die Polizei einige Atomkraftgegner vorübergehend fest, die versuchten den Zug aufzuhalten.

An mehreren Orten vor Dannenberg hatten Atomkraftgegner am Morgen erneut versucht auf die Gleise zu gelangen, nachdem die Polizei bereits am Montagabend in Hitzacker rund 30 Kilometer vor dem Zwischenlager Gorleben eine Schienenblockade von rund 600 Demonstranten aufgelöst hatte. Dabei war ein Demonstrant schwer am Kopf verletzt worden. Rund 50 Atomkraftgegner seien in Gewahrsam genommen worden, hieß es bei der Polizei.

An mehreren Stellen in der Gegend von Hitzacker waren die Gleise nach Polizeiangaben beschädigt worden. In Harlingen bei Hitzacker wurden nach Polizeiangaben sechs Personen mit Wagenhebern an der Gleisstrecke festgenommen. An drei anderen Streckenabschnitten waren die Schienen mit Wagenhebern hoch gedrückt. Die Reparaturarbeiten sollten bis zum Eintreffen des Zuges abgeschlossen sein. Zwischen Lüneburg und Dannenberg stellte die Polizei ein motorisiertes Schienenfahrzeug sicher, mit dem die Umweltschutzorganisation Greenpeace offenbar die Strecke blockieren wollte.

Bei Splitau nahe Dannenberg, wo die sechs Castoren im Laufe des Tages auf Schwerlasttransporter umgeladen werden sollten, räumte die Polizei eine weitere Blockade von Atomkraftgegnern und setzte 60 bis 80 der Demonstranten vorübergehend fest. Atomkraftgegner sprachen von rund 150 Demonstranten, denen es gelungen sei die Strecke kurzzeitig zu blockieren. Die Polizei sei mit Schlagstöcken vorgegangen. An mehreren anderen Stellen der Strecke kam es ebenfalls zu Blockaden, die von der Polizei nach kurzer Zeit wieder geräumt wurden.

Auf dem letzten Teilstück der Strecke ins Zwischenlager Gorleben erwartet die Polizei nach eigenen Angaben den größten Widerstand gegen den zweiten Atomtransport in diesem Jahr. Die Polizei hatte ihre Sicherheitsmaßnahmen den Angaben zufolge deshalb noch einmal verstärkt und unter anderem ganze Ortschaften abgeriegelt.

Insgesamt sind seit Montag 15 000 Polizisten im Einsatz, um die Strecke für den Atommüll-Transport quer durch Deutschland zu sichern. Der größte Teil der Sicherheitskräfte hält sich in der Region Gorleben auf. Nach Angaben einer Sprecherin der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg haben sich in der Region zur Zeit mehrere tausend Atomkraftgegner versammelt.

Der Castorzug hatte am Montagnachmittag die französisch-deutsche Grenze überquert und war ohne größere Zwischenfälle bis nach Niedersachsen gerollt. Der Transport mit hochradioaktiven Resten aus der Wiederaufbereitung deutschen Atommülls war am Sonntag von der französischen La Hague ins Zwischenlager Gorleben gestartet.

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