Weiterfahrt offen
Castor-Gleis noch immer blockiert

Auch am Mittwochmorgen hat die Polizei die Castor-Strecke nach Dannenberg nicht frei bekommen.

Reuters SÜSCHENDORF. Mit einer spektakulären Schienenblockade haben Atomkraftgegner den Castor-Transport nach Gorleben gestoppt und den Zeitplan für den Atommüll-Transport völlig umgeworfen. Der Zug mit den sechs Castor-Behältern kehrte am Mittwoch in den wenige Kilometer entfernten Bahnhof von Dahleburg zurück, wo er gewartet wurde und neues Personal aufnahm. Fünf Mitglieder der Organisation Robin Wood hatten in der Nacht ihre Hände an Eisenrohre in einer Betonröhre unter der Bahnstrecke gekettet. Bis zum Mittwochvormittag konnte die Polizei drei Blockierer mit Bohrern und Presslufthämmern frei machen. Ein Polizeisprecher sagte, möglicherweise werde es noch Stunden dauern, bis die Strecke wieder befahrbar sei.

"Es ist ein unglaublicher Erfolg, dass der Castor den Rückwärtsgang einlegen musste", freute sich ein Atomkraftgegner, der sich die Hände an einem Becher heißen Tees wärmte. Das habe es in der Geschichte der Transporte nie gegeben. Ursprünglich sollte der Zug am Dienstagabend Dannenberg erreichen. Dort sollten die sechs Castor-Behälter noch in der Nacht auf Schwerlastwagen für den Weitertransport in das Zwischenlager Gorleben umgeladen werden.

Verzögerung um mindestens einen Tag

Ein Robin-Wood-Sprecher sagte: "Die Aktion ist gelungen. Es gibt heute keine Chance mehr, den Castor in Dannenberg umzuladen." Das Umladen auf die Schwerlaster und die Strahlenmessung an den Atommüll-Behältern dauert mehrere Stunden. Da die Polizei den Castor-Transport auf der Straße nach Gorleben nicht nachts fahren lassen will, zeichnete sich einer Verzögerung um mindestens einen Tag ab.

Der Zug war rund 25 Kilometer vor Dannenberg bei Süschendorf von der Robin-Wood-Gruppe aufgehalten worden. Die vier Männer zwischen 28 und 35 Jahren und eine 16-Jährige hatten jeweils einen Arm mit Stahlseilfesseln und Steckschlössern an den Eisenrohren festgekettet. Jürgen Satari von Robin Wood sagte im ARD-Morgenmagazin, als die Aktion begonnen habe, sei der Castor-Zug nur 800 Meter entfernt gewesen. Polizisten seien nicht an diesem Teil der Strecke gewesen, so dass es für die Demonstranten überhaupt keine Probleme gegeben habe, auf das Gleis zu kommen. Die Gewerkschaft der Polizei erklärte: "Der bisherige Einsatzverlauf hat gezeigt, dass die Polizei mit dem zur Verfügung stehenden Personal aus dem ganzen Bundesgebiet nur begrenzt in der Lage ist, eine derart lange Eisenbahnstrecke lückenlos zu sichern."

Polizei arbeitete sich mit Presslufthämmern durch den Beton

Polizei-Einsatzleiter Hans Jessen sagte, der Beton mit den Rohren müsse schon länger unter den Gleisen gelegen haben. Ein Demonstrant war schnell befreit und in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Versuche, die vier übrigen Demonstranten, zu befreien, scheiterten zunächst an unzulänglichem Werkzeug. "Was wir hier haben, ist Spielzeug", sagte ein Beamter des Bundesgrenzschutzes (BGS). Am frühen Morgen arbeiteten die Beamten sich dann unmittelbar neben den Gesichtern der Festgeketteten mit Presslufthämmern durch den Beton.

Zum Schutz vor Splittern hatten die Polizisten den Demonstranten Arbeitshelme mit Visiren aufgesetzt. Eine Robin-Wood-Ärztin sagte: "Die Beamten haben während der Nacht umsichtig und vorsichtig gearbeitet." Wegen Minustemperaturen um fünf Grad hüllte die Polizei die Festgeketteten in Schlafsäcke und deckte sie mit Planen ab, unter die mit Heißluftgeräten Warmluft geblasen wurde. Ärzte und Sanitäter waren die ganze Zeit vor Ort. Bis 10.30 Uhr wurden zwei Blockierer frei gemacht. Ein Mann in einem grünen Overall wurde von Sanitätern die Böschung hinauf zu einem Krankenwagen geführt. Dabei hielt er sich den Arm. Auch der andere freigestemmte Demonstrant wurde von Ärzten versorgt.

Castor-Zug setzte nach Dahleburg zurück

Der Castor-Zug stand bis zum frühen Morgen in Sichtweite der Demonstranten, setzte dann aber nach Dahleburg zurück. Dort wurde er nach Angaben der Polizei gewartet und erhielt neues Personal. Bevor er sich wieder in Richtung Dannenberg in Bewegung setzen könne, müsse das Gleis repariert werden, sagte ein BGS-Sprecher. Wie viele Stunden das dauern werde, sei nicht abzusehen.

In Dannenberg, wo es in der Nacht heftige Ausschreitungen zwischen der Polizei und rund 2000 Castor-Gegnern gegeben hatte, wurden die Proteste am Vormittag fortgesetzt. Rund 200 Demonstranten versuchten, ein Schienenstück am Stadtrand zu besetzen. Dutzende Polizisten drängten die Demonstranten ab, von denen einige mit Leuchtspurmunition schossen und Steine warfen. Schwarz gekleidete Jugendliche errichteten zudem eine Straßenbarrikade aus Metallzäunen und Baumstämmen. Ein gepanzerter Bulldozer begann damit, die Blockade abzuräumen und wurde dabei von mehreren hundert Polizisten geschützt.

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