Weiterhin Kritik an Sharon
Möllemann schreibt an Paul Spiegel

Nach heftigen Druck aus den eigenen Reihen hat der stellvertretende FDP-Vorsitzende Möllemann seine Bemühungen verstärkt, den Antisemitismus-Streit mit dem Zentralrat der Juden zu beenden.

wiwo/ap BERLIN. In einem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Brief an den Zentralratsvorsitzenden Paul Spiegel spricht Möllemann allerdings keine Entschuldigung aus.

Er schrieb, es sei ein Fehler gewesen, "Herrn Friedman für die Entstehung von antirassistischen Ressentiments mitverantwortlich zu machen. Ich hätte das nicht sagen sollen."

"Mir liegt daran, Sie über diese Klarstellung zu informieren", schrieb Möllemann. Er werde sich aber weiterhin mit Nachdruck dagegen wehren, "wegen meiner unverändert Sharon-kritischen Haltung als Antisemit bezeichnet zu werden. Herr Friedman sollte diesen Vorwurf jetzt aus der Welt schaffen."

Dem von FDP-Chef Guido Westerwelle vorgeschlagenen Gespräch zwischen FDP-Führung und dem Zentralrat sehe er mit großem Interesse entgegen. Möllemann hatte Spiegels Stellvertreter Michel Friedman vorgeworfen, mit arrogantem Verhalten jüdische Ressentiments zu wecken. Friedman und andere Mitglieder des Zentralrats reagierten empört.

Möllemanns Brief an Spiegel im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Spiegel!

Zu unserem Disput der letzten Wochen, der Sie, mich und die Öffentlichkeit beschäftigte, habe ich gestern in einer WDR-Fernseh-Sendung zu einem wesentlichen Streitpunkt erklärt, dass es ein Fehler war, Herrn Friedman für die Entstehung von antisemitischen Ressentiments mitverantwortlich zu machen. Ich hätte das nicht sagen sollen.

Diese Feststellung deckt sich mit einem Beschluss des FDP-Präsidiums, den Sie kennen. Mir liegt daran, Sie über diese Klarstellung zu informieren.

Ebenso liegt mir an der Feststellung, dass ich mich weiterhin mit allem Nachdruck dagegen wehren werde, wegen meiner unverändert Sharon-kritischen Haltung als Antisemit bezeichnet zu werden. Herr Friedman sollte diesen Vorwurf jetzt aus der Welt schaffen. Dem von Herrn Dr. Westerwelle vorgeschlagenen Gespräch zwischen dem Zentralrat der Juden und dem FDP-Präsidium sehe ich mit großem Interesse entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Jürgen W. Möllemann"

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