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Weiterhin Nachwuchsmangel im Bereich der Mikroelektronik

Der Mangel an Elektroingenieuren und IT-Experten wird auch in Zukunft weiter zunehmen. Diese Befürchtung äußerte der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) bei der Hannover Messe. Zwar hätten sich im Wintersemester 2000/2001 sechs Prozent mehr Studenten in Elektro- und Informationstechnik eingeschrieben als noch im Jahr zuvor, allerdings sei dieser Anstieg noch lange nicht ausreichend.

ap HANNOVER. "Der Nachwuchsmangel ist heute schlimmer denn je und hat dramatische Ausmaße angenommen", warnte Professor Erich Barke vom Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme der Universität Hannover. Auch der stellvertretende VDE-Vorsitzende und Siemens-Vorstandsmitglied Klaus Wucherer sprach von der "Innovationsbremse Nachwuchsmangel". Sie würde zu einer empfindlichen Schwächung der sich ansonsten glänzend entwickelnden Mikroelektronik-Industrie führen.

So habe der Weltmarkt für Mikroelektronik im Jahr 2000 die Rekordmarke von 204 Mrd. $ (rund 443 Mrd. DM) erreicht. Auf Europa sei davon ein Fünftel entfallen. Besonders positiv sei, dass Chips der Spitzenklasse von deutschen und europäischen Herstellern nicht nur konsumiert, sondern auch produziert würden. Bundesweit seien etwa 200 000 Menschen direkt oder indirekt in den Mikrotechnologien tätig.

"Mikroelektronik-Geschäft bleibt riskant"

Laut Barke besteht trotz der guten Zahlen kein Anlass zu Euphorie: "Das Mikroelektronik-Geschäft bleibt trotz seines außerordentlichen Wachstumspotenzials - immerhin wächst der Markt seit mehr als dreißig Jahren im Schnitt mit etwa 14 % jährlich - wirtschaftlich und technisch äußerst riskant", erklärte Barke.

Riskant für deutsche Mikroelektronik-Firmen wie Infineon ist laut Barke vor allem die sogenannte "Entwurfslücke" bei der Chip-Herstellung. Es sei vielfach übersehen worden, dass es zum Markterfolg nicht ausreiche, allein die Fertigungstechnologie bereitzustellen: "Chips müssen, bevor sie gefertigt werden könne, entworfen werden und dies - im Zeichen immer kleiner werdender Produktlebenszyklen - in immer kürzeren Zeiten".

Bei der Steigerung der Design-Produktivität spiele Deutschland bislang leider keine Spitzenrolle: "Wenn es nicht gelingt, hier in größerem Rahmen umzusteuern, wird der Fortschritt der Mikroelektronik nicht länger den technologischen Möglichkeiten folgen können", warnte der Wissenschaftler. Er forderte zur Lösung dieses Problems eine "konzertierte Aktion von Industrie, Hochschulen und öffentlicher Hand."

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