Weiterhin positive Entwicklung der Fußballbranche
BVB und Juventus auf den Spitzenplätzen

Nicht zuletzt die Abhängigkeit von den Fernsehgeldern führte dazu, dass Fußballaktien bislang selten bis nie für Furore an den Börsen sorgten. Kein Wunder, dass längst nicht alle Klubs tauglich sind fürs Going public.

HB DÜSSELDORF. Das Urteil in Sachen europäischer Spitzenfußball kann unterschiedlicher nicht ausfallen: In Italien ist die Situation beängstigend, in Deutschland alarmierend und in England beruhigend. So jedenfalls die Einschätzung der Experten der Düsseldorfer WGZ-Bank, die mit Unterstützung der Fußballsparte der Unternehmensberatung KPMG die aktuelle Entwicklung des europäischen Fußballmarktes beleuchten. Die mittlerweile dritte Auflage der Studie mit dem Titel "FC Euro AG" wird heute veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, stehen die börsennotierten europäischen Fußballunternehmen, von denen es mittlerweile 38 gibt. Neun dieser Top-Vereine nahmen die Experten genauer unter die Lupe. Was die Autoren dabei zu Tage fördern, ist nicht immer erfreulich. So kommen sie zu dem Ergebnis, dass viele Vereine von nur einer Erlösquelle abhängig sind. In den großen Fußball-Ländern Italien, Spanien, England, Frankreich und Deutschland sind es die TV-Einnahmen, an deren Tropf die Klubs hängen. So erwirtschaften die englischen Vereine 39 Prozent und die italienischen sogar 54 Prozent ihrer Einnahmen aus den TV-Töpfen.

Anders sieht die Situation bei den Klubs der kleinen Fußballnationen wie Norwegen, Dänemark, Holland, Schottland und Portugal aus. Hier stellen Sponsoren den Großteil der notwendigen Gelder zur Verfügung. Und wenn der Sponsor dann einmal die Segel streicht, stehen die Kicker im Regen und der Aktienkurs auch.

Apropos Aktienkurs: Die Börsentauglichkeit der Klubs testeten die Autoren ebenfalls. Hierbei schneiden die Champions-League-Teilnehmer Juventus Turin und Borussia Dortmund am besten ab. Sie überzeugen die Experten unter anderem mit einer guten Geschäftsbilanz, bei der sogar ein Gewinn erwirtschaftet wurde. Beide Fußball-Aktien sehen die Autoren als "aussichtsreiche Investments". Die Aktie von Manchester United, auch heute noch das große Vorbild aller börsennotierten Klubs, ist für die WGZ-Experten ein Basisinvestment. Mit dem Etikett "Turnaround-Kandidat" versehen die Autoren den niederländischen Traditionsverein Ajax Amsterdam.

Auf Abstiegsplätzen in der europäischen Börsenliga stehen dagegen Leeds United, Chelsea London, Lazio Rom sowie Bröndby Kopenhagen. Bei den Papieren dieser Klubs lautet die Empfehlung: Finger weg. Der sportliche Misserfolg geht bei diesen Vereinen mit dem wirtschaftlichen einher. Bestes Indiz: Keine dieser Mannschaften ist aktuell in der Champions League vertreten.

Dass Siege in wichtigen Spielen der Meisterliga oder auch in der nationalen Meisterschaft größeren Einfluss auf die Kursentwicklung von Fußballaktien haben als die Veröffentlichung von Geschäftszahlen, davon gehen die Autoren der Studie nach wie vor aus. Womit sie gleichwohl Dortmunds Manager Michael Meier widersprechen, der erst vergangene Woche im Handelsblatt fragte: "Haben Sie schon einmal erlebt, dass unsere Aktie auf sportliche Ergebnisse reagiert hat?" Inwieweit die Geschäftszahlen Einfluss auf die Börsenentwicklung haben, wird sich im Fall des BVB schon am Freitag zeigen, wenn der westfälische Klub Auskunft über seine jüngste wirtschaftliche Entwicklung erteilt.

Trotz aller Turbulenzen im europäischen Fußball erwarten die WGZ-Experten von der deutschen Fußballbranche im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 noch einiges. Zwar befänden sich die Bundesligavereine derzeit in einer Konsolidierungsphase, doch mit einer Kaderreduzierung sowie mit Zurückhaltung bei Transfer- und Gehaltsausgaben seien die richtigen Maßnahmen ergriffen worden.

Die insgesamt positive Einschätzung der Branche Fußball kann freilich nicht überraschen, schließlich hat die WGZ-Bank die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass weitere deutsche Klubs den Gang an die Börse wagen werden. Von den ursprünglichen Prognosen, die davon ausgegangen waren, dass etliche andere Bundesligisten dem Dortmunder Beispiel folgen würden, hat man sich allerdings verabschieden müssen.

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