Weiterhin tiefes Misstrauen
USA skeptisch: Das sind nur Lippenbekenntnisse

In Washington halten sich auch nach der offiziellen Annahme der UN-Resolution durch den Irak tiefstes Misstrauen und tiefster Pessimismus.

HB/dpa WASHINGTON. Schon gleich nach Verabschiedung der Entschließung am vergangenen Freitag hatte Präsident George W. Bush klar gemacht, dass eine - von den USA erwartete - Zustimmung Saddam Husseins in den Augen der Vereinigten Staaten wenig wert ist und die harten Brocken erst noch bevorstehen.

Der erste richtige - und vielleicht bereits entscheidende - Test stehe schon in den kommenden drei Wochen an, hieß es in einer ersten Reaktion aus dem Weißen Haus mit Blick auf die Waffenliste, die Saddam Hussein der Resolution zufolge bis zum 8. Dezember abzuliefern hat. "Bis jetzt haben wir nichts als Lippenbekenntnisse, und die kennen wir aus der Vergangenheit." Vor diesem Hintergrund ließ das Pentagon auch wissen, dass es keinen Anlass gebe, die US- Vorbereitungen auf eine Militäraktion zu bremsen.

"Es ist nicht entscheidend, was Saddam heute sagt, sondern was er am Tag danach tut, und am Tag drei und Tag vier", fasste der außenpolitische Experte James Rubin, einst US-Außenamtssprecher, die Lage zusammen. Er warnte aber auch zugleich, es könne «beim Rest der Welt» schlecht ankommen, wenn die USA nun den Eindruck erweckten, sie gingen in jedem Fall von einem Krieg aus. «Es gibt einen internationalen Konsens, Saddam Hussein wirklich noch einmal eine Chance zu geben."

Konflikstoff für die Anti-Irak-Koalition

Experten sind sich angesichts der mühsam zu Stande gekommenen UN - Resolution darin einig, dass die nächsten Wochen für die USA einen komplizierten Balanceakt erfordern. Schon jetzt zeichnet sich in der zerbrechlichen Anti-Irak-Koalition Konfliktstoff ab. Just bevor der Irak sein offizielles Ja zur Resolution verkündete, machte Bush noch einmal klar, dass für ihn jede Verzögerung, "jeder Betrug, jede Täuschung" ernst genug sei, um die angedrohten "schweren Konsequenzen" nach sich zu ziehen. In der internationalen Gemeinschaft gibt es aber zahlreiche Stimmen, die vor einer Militäraktion eine "Kette von Beweisen" sehen wollen.

Der US-Präsident bekräftigte am Mittwoch auch noch einmal, dass er - UN hin, UN her - weiterhin das Recht für sich in Anspruch nimmt, auch ohne Billigung der Vereinten Nationen Bomben abwerfen und Panzer rollen zu lassen. "Wir werden mit Freude die Vereinten Nationen konsultieren. Aber die Resolution hält uns nicht davon ab, das zu tun, was getan werden muss."

Für Kritiker der US-Regierung hat damit am Mittwoch mit der Botschaft aus Bagdad nicht nur der Countdown für Waffenkontrollen begonnen, sondern möglicherweise auch der zum Krieg. Bis zum Januar, Februar wäre das Wetter im Irak noch günstig genug für eine Militäraktion mit schwerem Gerät und Soldaten, die eine schwere Ausrüstung zum Schutz gegen einen möglichen Angriff mit biologischen oder chemischen Waffen tragen müssten. Sogar der als gemäßigt geltende US-Außenminister Colin Powell hatte erst am Wochenende angedeutet, dass die USA rasch zuschlagen könnten, wenn es erforderlich sei und dabei sogar schon den Dezember ins Spiel gebracht.

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