Weitgehend identische Produktpaletten
Fusionspläne von Alcatel und Lucent immer konkreter

Die Fusionsgespräche der großen Telekom - Ausrüster Alcatel und Lucent sind in eine entscheidende Phase getreten. Bereits am Montag wollten die Unternehmen möglicherweise über eine Transaktion abstimmen, die am Dienstag bekanntgegeben werden könnte. Dies berichtete die "New York Times" am Montag.

rtr/dpa PARIS. Alcatel-Chef Serge Tchuruk habe am Wochenende in Paris mit Lucent- Vertretern über die endgültigen Bedingungen für eine Fusion im Wert von 34 Mrd. Dollar (77,5 Mrd DM/40 Mrd Euro) verhandelt.

Die französische Alcatel SA wolle den überschuldeten US-Konzern Lucent billig kaufen und sanieren, schrieb die Zeitung. Die Firmen nahmen nicht Stellung. Lucent-Aktien waren am vergangenen Freitag trotz der Übernahmespekulationen um 13 Cents auf 9,40 Dollar gefallen. Sie sind seit Oktober 2000 um rund 86 % eingebrochen.

In den vergangenen Wochen war von einer Fusion Gleicher die Rede, doch würde Alcatel klar die Kontrolle von Lucent übernehmen, berichtete die Zeitung. Die fusionierte Gesellschaft werde ihr Hauptquartier in Paris haben und Tchuruk solle Konzernchef werden. Die Gesellschaft könnte ein zweites Hauptquartier in Murray Hill (New Jersey) erhalten, wo die Lucent Technologies Inc. ihren Sitz hat.

"Falls die Gespräche erfolgreich verlaufen, was aber noch nicht sicher ist, könnte es am Dienstag bekannt gegeben werden", hieß es auch in mit der Situation vertrauten Kreisen. Bei einem Zusammenschluss der beiden Firmen mit zusammen noch 230 000 Mitarbeitern würde eines der größten Unternehmen der Branche mit einer starken Präsenz sowohl in den USA als auch in Europa entstehen. Eine Fusion der beiden Firmen könnte nach Angaben von Experten ähnliche Zusammenschlüsse in der Branche nach sich ziehen. Die Übernahme hätte ein Volumen von umgerechnet etwa 72 Mrd. DM.

Die Firmenspitzen von Alcatel und Lucent beraten den Angaben zufolge seit Wochenende über den möglichen Zusammenschluss. Allerdings wurde in den Kreisen darauf verwiesen, dass vor einer Vereinbarung noch eine Reihe wichtiger Fragen geklärt werden müssten. Die beiden Firmen haben sich bislang nicht zu den seit Tagen anhalten Fusionsspekulationen geäußert.

Im vergangenen Monat hatte es in Branchenkreisen noch geheißen, Alcatel und Lucent hätten zwar miteinander gesprochen, ihre Verhandlungen aber abgebrochen. Auch andere Firmen hatten zuletzt Interesse an Lucent-Geschäftsbereichen bekundet.

Weitgehend identische Produktpalette

Alcatel und Lucent haben eine weitgehend identische Produktpalette. Alcatel mit Sitz in Paris hatte im ersten Quartal 2001 bei einem Umsatz von rund sieben Mrd. Euro einen Gewinn von 118 Mill. Euro erwirtschaftet. Seine Prognosen für das Gesamtjahr im Telekom - Geschäft hatte Alcatel aber gesenkt und dabei auf ein ungünstiges Geschäftsumfeld im Zuge eines nachlassenden Wirtschaftswachstums verwiesen. Der Konzern beschäftigt 130 000 Mitarbeiter in 130 Ländern.

Lucent mit Sitz in Murray Hill im US-Bundessaat New Jersey hatte im abgelaufen Quartal bei einem Umsatz von 5,9 Mrd. $ einen Verlust von 3,7 Mrd. $ ausgewiesen, in dem allerdings 2,7 Mrd. $ Restrukturierungskosten enthalten waren. Der Konzern hat unter anderem den Abbau von 10 000 seiner 100 000 Arbeitsplätze angekündigt.

Alcatel wird Lucent per Aktientausch übernehmen

Den Angaben aus den Kreisen zufolge sehen die Fusionspläne vor, dass dies offiziell als ein Zusammenschluss "unter Gleichen" verkündet wird. Faktisch werde Alcatel aber Lucent per Aktientausch übernehmen. Dabei sei kein oder nur ein sehr geringer Aufschlag auf den aktuellen Aktienkurs der Lucent geplant. Die Titel hatten zuletzt bei 9,40 $ um mehr als 85 % unter ihrem Hoch im vergangenen Sommer gelegen.

Aktionäre der Lucent sagten zu Gerüchten, wonach kein Aufschlag gewährt werde, dies wäre sehr enttäuschend. Analysten wiesen indes darauf hin, dass eine Übernahme durch Alcatel derzeit eine gute Lösung für die Aktionäre wäre. "Ich denke, das ist das Beste für die Lucent-Aktionäre zu diesem Zeitpunkt. Bei Lucent muss etwas passieren, das ist gar keine Frage", hieß es etwa beim Liberty Stein Roe Young Investor Fund.

Analystenmeinungen

Analysten sagten allerdings auch, es gebe bei einer solchen Fusion enorme Herausforderungen. So müsse über die Zusammensetzung des Managements sowie fiskalische und juristische Fragen entschieden werden. Alcatel-Chef Serge Tchuruk werde sich auf einem schmalen Grad zur Wiederbelebung von Lucent bewegen, wofür Produktstreichungen und der Abbau von wohl mehr als 20 000 Stellen bei dem US-Konzern notwendig seien, sagten Analysten.

Der Lucent-Aktionär und Präsident der Steinberg Global Asset Management, Richard Steinberg, sieht indes bei einer Übernahme eine Gefährdung von Lucent: "Wie die Geier werden sie versuchen, die guten Mitarbeiter und Geschäft von Lucent abzugreifen."

Die Aktienkurse der beiden Unternehmen haben sich seit dem Aufkommen der Fusionsgerüchte in der vergangenen Woche unterschiedlich entwickelt. Die Alcatel-Titel gaben seitdem 11 % nach, während sich die Lucent-Titel stabil hielten. Den Kursen von Freitag zufolge ist Alcatel derzeit an der Börse mit 41,5 Mrd. Euro und Lucent mit 32 Mrd. $ bewertet.

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