Weitgehende Einigung mit Banken
France Télécom feuert Mobilcom-Chef

Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hat den Bogen überspannt. Mitaktionär France Télécom wird ihn am Freitag feuern. Offen ist, ob sich Schmid von seiner Mehrheit trennt. France Telecom bietet ihm nur Orange-Aktien.

abo/dri/hst/lip/rob HAMBURG. Nach der Einigung mit den Gläubigerbanken will France Télécom (FT) jetzt dem Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid Aktien ihrer Mobilfunktochter Orange für sein Mobilcom-Paket anbieten. Das hat das Handelsblatt aus Bankenkreisen erfahren. Dabei wollen die Franzosen die noch ausstehende Rückzahlung einer Provision von 68 Millionen Euro an Schmids Ehefrau aus einem unsauberen Aktiengeschäft als Druckmittel nutzen.

Das Angebot wäre etwa 10 Euro pro Aktie wert und entspräche damit einem gleichlautenden Angebot von FT an die freien Aktionäre. Das Tauschverhältnis soll sich am Durchschnittskurs der letzten 90 Tage orientieren. Dieser Wert liegt für Mobilcom bei 14,83 Euro und für Orange bei 6,63 Euro. Für eine Aktie würden die Mobilcom-Eigner demnach 2,24 Orange-Anteile bekommen.

France Télécom hat am Donnerstag lediglich bestätigt, sich mit den Banken geeinigt zu haben, 4,7 Mrd Euro Schulden der Mobilcom per Wandelanleihe zu übernehmen. Der Bond mit unbegrenzter Laufzeit wird nach Angaben aus Bankenkreisen mit 7,5 % verzinst. FT kann die Anleihe frühestens nach drei Jahren in eigene Aktien tauschen, und nur, wenn der Wandlungspreis von 47 Euro erreicht wird. Das entspricht einer Prämie von mehr als 200 % auf den aktuellen FT-Kurs.

Die bislang noch nicht unterzeichnete Einigung steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass die beiden Netzausrüster Nokia und Ericsson auf einen Teil ihrer Forderungen von 1,2 Mrd. Euro verzichten, und das Schmid auf das Angebot von France Télécom eingeht. Ericsson wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Bei Nokia hieß es, dass man einen Lieferantenkredit an Mobilcom vergeben habe, keineswegs aber für die Frage der Verschuldung bei Mobilcom zuständig sei.

Ob Schmid seinen 50 %-Anteil an Mobilcom an die France Télécom verkauft, war gestern weiterhin unklar. Offenbar ist der Firmengründer nicht bereit, die Preisvorstellungen der Franzosen zu akzeptieren. Als ein weiterer strittiger Punkt bei den Verkaufsgesprächen gilt die Zahlungsweise. Offenbar besteht Schmid auf Bargeld.

Wie es in Büdelsdorf heißt, sieht sich Schmid durch die Einigung von FT mit den Banken in einer deutlich gestärkten Verhandlungsposition: Das Risiko einer Insolvenz sei damit gebannt. Sollten sich die Franzosen mit Schmid über einen Verkauf nicht einigen, hat der Mobilcom-Chef eine Gegenstrategie ausgearbeitet. So will der ehemalige Sixt-Vorstand mit der Kapitalmehrheit im Rücken eine außerordentliche Hauptversammlung bei Mobilcom einberufen, um den Aufsichtsrat nach seinem Gusto umzubilden, heißt es in Unternehmenskreisen.

Als sicher gilt allerdings inzwischen, dass Schmid, der 50 % an Mobilcom hält, heute zunächst der Rauswurf vom Posten des Vorstandsvorsitzenden droht. Der Aufsichtsrat will den Firmengründer mit einfacher Mehrheit abberufen. Die Abwahl war auf der vergangenen Sitzung des Kontrollgremiums am 7. Juni knapp gescheitert. Als Interims-Nachfolger ist der derzeitige Finanzvorstand Thorsten Grenz im Gespräch.

Darüber hinaus soll die Vorstandsriege um drei Manager erweitert werden, die vor allem die Interessen des 28,5 %igen Mobilcom-Mitaktionärs France Télécom wahren sollen, heißt es in Aufsichtsratskreisen von Mobilcom. Dazu könnte möglicherweise der Geschäftsführer der Münsteraner Hutchison Telecom GmbH, Ralf-Peter Simon, gehören. Bei Hutchison hieß es allerdings, dass darüber nicht gesprochen worden sei. Die 100 % zur FT-Tochter-Orange gehörende Gesellschaft soll seit längerem mit Mobilcom verschmolzen werden.

Doch die Strategie des Firmengründers könnte möglicherweise das endgültige Aus für den Mobilfunkanbieter bedeuten. Denn die Franzosen und auch die Banken dürften sich ein erneutes Gefecht mit Schmid nicht mehr gefallen lassen. Er hat mit unsauberen Aktiengeschäfte mit seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram den Bogen weit überspannt. So belegte ein Gutachten der BDO Warentreuhand, dass Schmid bei der Abwicklung der 68-Mill.-Euro-Transaktion gegen Sorgfaltspflichten als Vorstand verstoßen hat.

FT hatte Tage später das Kooperationsabkommen mit Mobilcom gekündigt und erklärt, kein Geld mehr zu überweisen. Der Aktienkurs rutschte zeitweise auf ein neues Allzeittief von 6,20 Euro. Inzwischen zog die Notierung wieder an. Sie kletterte gestern um 5,65 % auf knapp 9 Euro.

Quelle: Handelsblatt

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