Weithin Zinssenkung erwartet
EZB nimmt Zinsberatungen auf

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag in Frankfurt seine Beratungen über das Zinsniveau in der Euro-Zone aufgenommen. Nach vielen deutlichen Signalen von Rats- und Direktoriumsmitgliedern der EZB gehen die Finanzmärkte fest von einer Zinssenkung aus.

Reuters FRANKFURT. Lediglich die Größe des Zinsschrittes gilt als ungewiss. Der Schlüsselzins in der Euro-Zone liegt seit November 2001 bei 3,25 Prozent. Gegen 13.45 Uhr wird die EZB die Zinsentscheidung bekannt geben, und ab 14.30 Uhr erläutert EZB-Präsident Wim Duisenberg den Beschluss vor der Presse in Frankfurt.

Finanzmärkte und Analysten rechnen überwiegend mit einem großen Zinsschritt von einem halben Prozentpunkt, der unter anderem der matten Wirtschaft in Deutschland einen Vertrauensschub geben könnte. Eine deutliche Reduktion der Zinsen würde zumindest die schlechte Stimmung in der Wirtschaft etwas aufhellen und den Krisen geschüttelten Banken die Refinanzierung verbilligen.

Der ursprünglich erwartete Konjunkturaufschwung fiel 2002 aus und wird wohl auch 2003 nur allmählich in Gang kommen. So schließt die EU-Kommission nicht aus, dass die Wirtschaft der Euro-Zone im ersten Quartal 2003 erstmals seit dem Schlussquartal 2001 wieder leicht schrumpfen könnte.

Gleichzeitig hat die Inflation nachgelassen. Seit der Ratssitzung im November haben mehrere EZB-Vertreter - darunter auch Duisenberg - vorausgesagt, die Inflation werde sich nach drei Jahren mit Raten knapp über zwei Prozent im Jahr 2003 wieder beruhigen. Bei Jahresteuerungsraten bis zu zwei Prozent sieht die EZB die Preisstabilität in der Euro-Zone als mittelfristig gewährleistet an.

Es gibt allerdings auch eine Experten, die von einer "kleinen Zinssenkung" um 25 Basispunkte ausgehen. Als ein Anzeichen dafür werten diese Analysten die Worte von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing, der zuletzt wiederholt auf die nach wie vor über der EZB-Marke liegende Inflation aufmerksam gemacht hatte und sich damit störend in den Chor der Zinssenkungssignale eingereiht hatte. Die EZB sei mit dem derzeitigen Stand der Inflation in der Euro-Zone noch nicht zufrieden, hatte Issing gesagt.

Trotz der zahlreichen lauten Rufe nach einer Zinssenkung könnten auch die vereinzelten Stimmen gegen einen Zinsschritt die EZB dazu veranlassen, nur einen kleinen Schritt zu beschließen. Generell ist nicht unumstritten, ob eine Zinssenkung positive Effekte für die gesamte Euro-Zone hätte. Der spanische Wirtschaftsminister Rodrigo Rato hatte am Mittwoch etwa auf das Missverhältnis zwischen den Bedürfnissen der unterschiedlichen Volkswirtschaften hingewiesen und vor den Folgen einer Zinssenkung für Spanien gewarnt. Das Land gehört zu den Ländern mit hohen Wachstums- und Inflationsraten in der Euro-Zone. "Eine Zinssenkung ist nicht so gut, wenn man sie von der Inflationsseite her betrachtet", hatte Rato gesagt.

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