Welche Sektoren versprechen zurzeit Gewinne
Branchenreport: "Ich will kaufen!" - Nur was?

Neben der für diese Zeit typischen Sommerhitze lastet dieser Tage auf der Wall Street vor allem eine Frage: In welche Branchen soll man jetzt investieren? Die Optimisten, die raten jetzt bei Aktien wieder einzusteigen, sind nicht zu überhören. Doch welche sind die gewinnversprechenden Sektoren?

wsc NEW YORK. Die Antwort auf diese Frage hängt vor allem davon ab, wie es mit der Wirtschaft weitergeht. Von der Angst, dass die US Konjunktur erneut in eine Rezession rutschen könnte, haben sich noch nicht alle Banker erholt. Der Volkswirt Jan Hatzius von der Investmentbank Goldman Sachs ist pessimistisch: "Nicht in diesem, aber im nächsten Jahr werden wir wieder eine Rezession sehen." Die Analysten der US-Bank Lehman Brothers glauben dagegen, dass die Wirtschaft ihr Tief gesehen hat und nun bessere Zeiten anstehen.

Notenbank-Chef Alan Greenspan hatte den Amerikanern für dieses Jahr ein Wachstum von bis zu 3,75 % versprochen. Diese Hoffnungen erhielten erst vor wenigen Wochen einen Dämpfer. Für das 2. Quartal war das Bruttoinlandsprodukt deutlich geringer ausgefallen. Viele Finanzexperten würden jubeln, wenn für das Gesamtjahr eine drei vor dem Komma stehen würde. Doch daran glauben die wenigsten. Die meisten rechnen mit einem Wachstum von etwas über 2 %.

Wer zu den Optimisten gehört, sollte sich die Halbleiterbranche anschauen. Denn bei den sogenannten Frühzyklikern kündigt sich eine Erholung der Wirtschaft traditionell zuerst an. Die Analysten von Lehman Brothers haben die amerikanische Halbleiterwerte in dieser Woche schon von "untergewichten" auf "übergewichten" hochgestuft. Zu den Favoriten im Bereich der analogen Chips, die neu bewertet wurden, zählen Analog Divices, Linear Technology und Maxim Integrated. Leicht profitieren konnte schon Intel. Der Halbleiterhersteller hat angekündigt, einen neuen Computer Chip mit der doppelten Leistung des heutigen Pentium-4-Chips im kommende Jahr auf den Markt zu bringen. Die Aktie, die in den vergangenen drei Monaten stark geprügelt wurde und dabei von über 30 $ um die Hälfte fiel, legte leicht zu.

Positive Signale für die Wirtschaft kommen von der Automobilbranche. Die Nachfrage nach neuen Autos ist groß. Der Absatz stieg in den vergangenen zwei Monaten um über 4 %. Nach wie vor werben die US-Autokonzerne mit "Null-Prozent-Krediten" um Kunden, um so ihre Verkäufe zu steigern. Volkswirten zufolge sind diese Zahlen mit ein Grund gewesen, weshalb die US-Notenbank die Zinsen am Dienstag nicht weiter senkte, um der Wirtschaft damit neuen Schwung zu verleihen "Die Zahlen sind ein Zeichen dafür, dass die Verbraucher noch nicht tot sind", sagt Christopher Low, Chefvolkswirt bei FTN Financial in New York. Auch die Unternehmen sind optimistisch. Nach einem Verlust von 1,4 Mrd. Euro schrieb Daimler Chrysler im ersten Quartal dieses Jahres schwarze Zahlen. Die US Tochter Chrysler scheint den Überlebenskampf gewonnen zu haben. "Chrysler wird dieses Jahr positiv abschließen", sagte Konzern-Chef Schrempp in einem Interview (mit dem Wall Street Journal.)

Wer doch noch seine Zweifel an einer schnellen Erholung der Wirtschaft hat, dem raten Finanzexperten, sich die amerikanischen Hypothekenbanken wie Golden West Financial, Country Wide Credit oder Washington Mutual anzuschauen. Mit der Baisse an den Börsen haben immer mehr Anleger ihr Geld aus den Aktien genommen und nach neuen Anlagen gesucht. Da die Hypothekenzinsen in den USA so tief sind wie schon seit 40 Jahren nicht mehr, sind viele Investoren in Immoblien gegangen. Für den deutschen Fondsmanager Olgerd Eichler von Union Invest ist die amerikanische Immobilienbranche nicht nur in schlechten Konjunkturzeiten interessant: "Die Branche ist ein Stabilitätsanker. Auch wenn die Wirtschaft sich erholt, wird die Hauspreisentwicklung nicht ins Negative drehen."

Vieles hängt eben von der Konjunktur ab. Pessimisten zählt sollten konjunkturresistente Branchen setzten. Dazu zählen vor allem die stabilen Konsumgüter wie der Getränkehersteller Coca Cola sowie der weltgrößte Einzelhändler Walmart und Pharmawerte wie Pfizer oder Merck.

Die Pharmaindustrie sieht Klaus Breil, Amerika-Experte bei Adig als eine Chance für den Anleger. "Pharmawerte waren so stark unter Druck, dass wir jetzt mit einer Erholung rechnen." Vor allem bei Pfizer sind sich die amerikanischen Analysten einig. Die Aktie ist für die meisten ein "strong buy" oder "buy".

Bei Merck gehen die Meinungen der amerikanischen Analysten schon etwas auseinander. Wie unterschiedlich die manchmal sein können, zeigt die unmissverständliche Warnung von Fondsmanager Olgerd Eichler: Finger weg von der gesamten Branche! "Die Branche gilt zwar als konjunkturresistent, aber der amerikanische Sektor hat mit strukturellen Problemen zu kämpfen." Dazu zählt er den enormen Preisdruck, die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten und die auslaufenden Patente. Das größte Problem sei aber die Pipeline. Es werden nur wenige Blockbuster, also besonders umsatzstarke Medikamente, erwartet.

Die Meinungen gehen häufig auseinander. Das ist mit ein Grund weshalb man bei Goldman Sachs von einer absoluten Empfehlung nicht viel hält. Auf eine breite Streuung komme es an. Für Anleger, die auf "Nummer sicher" gehen wollen, haben sie ein Musterportfolio erstellt, das seit Dezember eine um 17% bessere Performance zeigte als der marktbreite S&P 500 Index. Dazu gehören Immobilienwerte wie Washington Mutual, Banktitel wie die Bank of America oder der Haushaltswarenhersteller Sara Lee.

Wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten suchen viele Banker an der Wall Street den sicheren Hafen. Trotz Hitze versucht man einen klaren Kopf zu behalten, um den richtigen Mix zu finden - beides oft vergeblich.

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