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Welche Solidarität?

Arbeitnehmer müssen gehen - aber Betriebsräte behalten ihre Posten. Dabei wäre es nur solidarisch, wenn sie auf Posten verzichten würden.

Wenn es nach den Entlassungsrunden der vergangenen Jahre in Deutschlands Unternehmen nicht mehr genug Arbeit geben mag, dann aber doch genug Betriebsräte. Mehr als genug sogar. Warum?

Die Zahl der Betriebsräte richtet sich - so schreibt es das Betriebsverfassungsgesetz vor - nach der Zahl der Beschäftigten. Doch während die gesunken ist, lässt sich das von der Zahl der Betriebsräte nicht sagen. Und das ist völlig legal, hören wir die Gewerkschaften argumentieren. Denn das Gesetz schreibt auch vor, dass die Größe der Gremien erst bei der nächsten Wahl angepasst werden muss.

Ein kleines Rechenexempel: Bei den Dax-30-Unternehmen, den größten deutschen Firmen, müssten 85 Betriebsräte ihren Posten verlieren, davon 48 freigestellte Arbeitnehmervertreter. Dieses Muster beschreibt jedoch nur einen kleinen Teil der deutschen Wirtschaft. Insgesamt dürften tausende Betriebsratsposten betroffen sein.

Dieser Tatbestand ist aus zwei Gründen relevant. Für die entlassenen Arbeitnehmer dürfte es wie Hohn anmuten, dass die Funktionäre nicht einmal ihren Posten einbüßen, während sie den Job verlieren. Wirtschaftlich signifikanter ist der zweite Grund: Die Unternehmen tragen die Kosten der innerbetrieblichen Gewerkschaftsarbeit - und damit auch die Kosten für personell überbesetzte Betriebsräte.

Nun mag man von einem Rundungsfehler in der gesamtbetrieblichen Kostenrechnung sprechen. Es wäre gleichwohl mehr als ein Zeichen der Solidarität - ein Begriff, der Gewerkschaften ja nicht fremd ist - wenn sie freiwillig auf Posten verzichten würden. Warum nur wären wir überrascht, wenn es dazu kommen würde?

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